Versklavt Eine Stadt ohne Namen, Vermutlich Anfang Peraine 1020 BF Ich bin zerstört, ohne Hoffnung, ich weiß nicht einmal wo ich bin. Tsa hat mich verlassen, mein Stab ist zerbrochen. Der fette Novadi, Omar der Berg, an den sie mich verkauft haben, hat mir die Haare scheren lassen. Das Gefühl der Leere ist schrecklich, jeder Schnitt hat mir mehr Magie entrissen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist, die Fußfessel aus Koschbasalt, die mir Zornbrechts Magier verpasst hat, oder die Stoppeln auf meinem Kopf. Ein weiterer Tag in Gefangenschaft, ich werde am frühen Morgen in das Zelt auf dem Basar gezerrt. Die Handlager Omars reißen mir die Kleider vom Leib, dann stehe ich in einer Reihe mit den anderen, die ich nicht kenne. Ein anderer Novadi kommt und die beiden unterhalten sich. Er will mich kaufen. Omar führt mich vor, demütigt mich. Er packt mich im Gesicht und zeigt meine Zähne. Ich muss meine Siegel zeigen. Dann fragt mich der andere, ob ich Echsenmagie beherrsche. Ich sage nein, aber ich bin mir nicht sicher, was er damit meint. Schließlich kauft er mich, als Lehrerin für seine Tochter. Er heißt Achmed, der Händler und hat eine Entourage von vier Leuten, zwei Waldmenschensklaven, die Waren schleppen, und zwei Wachen. Ich bekomme ein Tuch, um mich zu bedecken, und dann werde ich an einer Leine hinter den anderen Sklaven von Achmed hergeführt. Meine Füße tun weh, die Steine der Straße schneiden und stechen. Ich habe keine andere Wahl, ich folge dem Zug, geführt an der Leine. Es wird noch schlimmer, Achmed kauft noch drei weitere Sklaven. Einen Ziegendämon von den Zyklopeninseln, ein freches Mädchen und eine Waldmenschenfrau. Tsa hat mich endgültig verlassen. Mir die Freiheit auf diese Weise zu nehmen ist ihre gerechte Strafe für das, was ich getan habe. Wir werden in das Anwesen von Achmed geführt und müssen warten. Nach eine Weile kommt eine Frau vorbei, die uns in eine Waschstube führt, wo wir uns reinigen sollen. Die Frau trägt goldenen Schmuck, wie ich ihn auch getragen habe. Ich berühre die Löcher in meiner Nase und meinen Ohren. Es ist fürchterlich. Das Wasser in den Zubern ist von anderen beschmutzt, da werde ich nicht hinein steigen. Also hole ich mir in einer Schüssel Wasser aus dem Brunnen im Hof und wasche mich. Danach gibt uns unsere Herrin Kleidung. Es ist keine Seide, es ist ein Kaftan aus groben Leinen. Immerhin erhalten wir Sandalen. Meine Füße sehen schrecklich aus, nachdem ich mich gewaschen habe, sind die Schnitte nur noch deutlicher zu sehen. Die Herrin fragt uns nach unseren Namen. Ich stelle mich vor, wie es sich gehört, mein Name und Titel stehen für Autorität. Aber nicht bei ihr, muss ich lernen. Tsa kennt keine Gnade mit denen, die sie sie verstößt. Dann führt uns unsere Herrin in die Küche. Wir sollen hier arbeiten. Sie behandelt uns ganz selbstverständlich als Gruppe, dabei weiß ich nichts von den anderen. Ich versuche mich nützlich zu machen, so wie früher, als ich Illorius' Haushalt geführt habe. Als wie eine Pause haben, in der wir essen dürfen, versuche ich meine Fußfessel zu lösen. Es gelingt mir nicht, wie auch schon die Tage vorher. Das blonde Mädchen, Hallah, will mir helfen, sieht aber ein, dass man eine Magierfessel nicht einfach öffnet. Ich könnte mir den Fuß brechen und aus dem Ring drehen, aber ich habe zu viel Angst vor den Schmerzen. Als Hallah mich fragt, warum es mich so beschäfigt, explodiere ich. Ich schreie sie an, dass ich nicht hierher gehöre, dass sie meinen Stab zerbrochen haben und dass Tsa mich verlassen hat. Vermutlich war das ihr gegenüber nicht fair, aber ich halte es nicht mehr aus. Irgendwann beginnen wir mit unserer Aufgabe: Putzen. Als wir die Küche reinigen, bricht Chaos aus. Die anderen schaffen es nicht, auch nur die kleinsten Arbeiten richtig zu machen. Ich kann sie nicht anleiten, wie auch? Früher habe ich das alles allein gemacht. Die Ziegendämonin, Anthelia, kippt einen Bottich Wasser über die Regale, alles schwimmt. Eine andere Sklavin, Ruschan, hilft uns, aufzuräumen. Warum muss ich hier sein? Ich sollte Menschen heilen, ich sollte Menschen ein schöneres Lebensgefühl geben. Es gäbe so viele andere Wege, auf denen Tsa mich bestrafen könnte. Nach den Küche müssen wir die Waschstube reinigen. Hier stellen wir uns alle brauchbar genug an, dass es nicht wie in der Küche zur Katastrophe kommt. Später werden wir schlafen geschickt. Zusammen mit Ruschan und einer weiteren Frau teilen wir uns ein Zimmer. Während die anderen sich über ihre Sandalen und Neras Stamm unterhalten, versuche ich noch einmal, die Fessel loszuwerden. Noch einmal kommt Hallah zu mir. Sie versteht es nicht. Morgen werde ich mir den Fuß brechen. Dann habe ich das Ding endlich los. 2. Tag im Hause des Ahmed Abdul Ich wache am nächsten Morgen auf und es geht mir schlecht. Der steinerne Ring raubt mir alles Leben. Die anderen gehen in die Waschküche und baden. Das Wasser ist noch frisch, also nehme ich auch ein Bad. Ruscha sagt uns, dass morgen hoher Besuch kommt und deshalb heute alles perfekt werden muss. Wer das genau ist, weiß sie allerdings auch nicht. Sie warnt uns vor Patme, die wir nicht anfassen dürfen. Ihre Mutter ist wohl sehr streng und würde uns bestrafen. Patmes Mutter ist Djamila, eine der beiden Frauen von Ahmed Abdul. Die andere ist Phelippa, der ich später noch begegnen werde. Ruscha meint, beide Frauen sind sehr gemein zu den Sklaven, Phelippa ist aber die schlimmere, weil sie sich beweisen muss. Es erinnert mich unter den Zickenkrieg der Grandentöchter in Al'Anfa. Nicht einmal das bleibt mir hier erspart. Als ich mich anziehe, kommt Anthelia und interessiert sich für meine Steinfessel. Sie meint, dass Feen dieses Gestein meiden, weil es ihnen die Kraft entzieht. Kluge Feen, ich möchte es auch meiden, werde es aber nicht los. Da ich die Fessel nicht lösen kann, erkläre ich ihr, dass es am geschicktesten wäre, mir den Fuß zu brechen. Das erschreckt Hallah, die das nicht nachvollziehen kann. SIe hat wohl noch nicht gelitten in ihrem Leben... Hallah meint auch, dass ich aufhören sollte, daran herumzubasteln. Sie versteht es wirklich nicht, das dumme Kind. Und dumm ist sie tatsächlich. Sie erzählt, dass sie hätte fliehen können, es aber nicht getan hat, damit wir nicht bestraft werden. Das wäre mir sowas von egal gewesen, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte. Damit ich nicht immer daran denke, umwickle ich den steinernen Ring mit etwas Stoff. Auf diese Weise reibt er wenigstens nicht ständig, auch wenn das Gewicht immer noch unangenehm ist und der Stein mir auch durch das Tuch meine Kraft raubt. Die Herrin holt uns mit einem bösen Kommentar in die Küche, wir haben zu lange im Waschraum gesprochen. Auf dem Weg in die Küche drückt Anthelia kurz meine Hand. Damit habe ich nicht gerechnet. In der Küche machen ich mich mit Hallah an den Abwasch. Nera räumt den Boden auf und Anthelia fragt mich was zu tun wäre. Ich schicke sie den Müll wegbringen. Dabei singt sie die ganze Zeit. Wir erfahren, dass die andere Sklavin, die bei uns schläft, Laila heißt und oben arbeitet. Sie war wohl mal eine Haremsklavin, bis der Herr ihr überdrüssig war. Tja, ich hätte da sicherlich etwas tun können... Wie auch immer, Laila holt Anthelia und Nera, um das Essen nach oben zu tragen. Nach einer Weile kommen die beiden wieder und wir sitzen gemeinsam in der Küche. Wir essen gemeinsam und Anthelia meint, sie hat einen Plan, wie wir entkommen können. Sie meint, sie kann Feen rufen, wenn sie eine Flöte hat. Ich lasse sie reden, weil das natürlich ziemlicher Unsinn ist. Hallah meint, dass das kein Plan ist. Das sehe ich auch so, sage aber nichts. Dann erklärt Hallah, dass es drei Pferde gibt und die Wache eine Minute benötigt, um zu folgen. Die beiden diskutieren weiter über Fluchtpläne, Feen, Anthelias Vater und dass Tsa die Sklaverei abschaffen könnte. Tsa, die mich verstoßen hat und es zuließ, dass ich in die Sklaverei verkauft wurde. Nera meint, die beiden hätten beide nur Teile eines Plans, wie bei einem Boot. Wir hätten ein Segel, bräuchten aber noch einen Mast. Da muss ich an Kerry denken. Er meinte, ich sei wie ein Segel im Wind. Weil mir die Pläne der drei zu absurd erscheinen, erkläre ich, dass ich den Herrn darüber informieren möchte, dass Omar bei meinem Verkauf nicht ehrlich zu ihm war und es nicht legal ist, manche Leute als Sklaven zu halten. Ich behalte erstmal für mich, dass sich das natürlich nur auf mich bezieht. Omar hat dem Herrn auch nicht gesagt, dass er für mich noch mehr bezahlen muss. Dass es mir dabei um die Gildengebühr geht, erkläre ich den anderen nicht. Sie würden das nicht verstehen. Irgendwann kommt Ruscha dazu und erzählt und, dass Sklaven aus dem Haus weiterverkauft werden, wenn sie Phelippa nicht gefallen. Wichtig ist vor allem, dass die Sklaven im Haus an Rastullah glauben. Wenn das die einzige Bedingung ist, kann ich das gerne tun. Tsa interessiert sich ohnehin nicht mehr für mich. Ich meine, dass es üblich und normal ist, Sklaven weiterzuverkaufen, wenn sie sich nicht angemessen verhalten und rate den anderen, zu behaupten, sie würden an Rastullah glauben. Die Gedanken sind frei, es reicht, wenn die Phelippa glaubt, dass ich an Rastullah glaube. Nera und Anthelia verstehen das nicht so ganz, fürchte ich. Da kann ich ihnen auch nicht helfen. Anthelia erzählt wieder von Levthan und Ruscha überlegt, ob er eine der neun Frauen Rastullahs ist. Als ob das relevant ist, wenn man Glauben heuchelt. Wichtiger ist, dass Ruscha uns erzählt, dass einer der Gäste morgen ein Mawdli ist. Der bringt uns vielleicht die 99 Gesetze Rastullahs bei. Danach erzählt sie uns, dass Ahmed mit Farbe für Papier handelt. Oh, das freut mich sehr und ich erzähle, was man damit alles tun kann. Hallah kann auch lesen und schreiben – Ruscha, Nera und Anthelia nicht. Ich erkläre den beiden, dass man mit Papier und Tinte Lieder oder auch die 99 Gesetze aufschreiben kann. Nera möchte wissen, warum jemand ein Lied aufschreiben sollte und ich erzähle ihr von Kerrys Lied, das er mir geschrieben hat. Der Gedanke an die Zeit mit ihm ist schön. "Du hast die Kraft einer Löwin", hat er für mich gesungen. Dann ist die Pause auch schon vorbei und wir widmen uns wieder unseren Aufgaben. Während wir arbeiten, bekommen wir mit, dass Phelippa die Herrin ruft – sie nennt sie Zalina. Hallah fragt den alten Moha, der sich ums Feuer kümmert, wie er heißt und wie lange er schon hier ist. Nun, sein Name ist ein schlechter Scherz – er heißt Alrik – und ist schon seit 10 Jahren hier im Haus. Dann kommt Laila und holt mich nach oben. Dort wartet Phelippa auf ein Gespräch mit mir. Sie gibt sich wie eine Grandessa, aber ihr Verhalten zeigt, dass sie keine sonderlich hohe Stellung haben kann. Vermutlich ist sie deshalb so bemüht, sich zu beweisen. Phelippa betrachtet mein Siegel und was es besagt und ob ich dienen kann. Ich erkläre, dass ich der Bruderschaft der Wissenden angehöre und dass ich bereits mein ganzes Leben lang diene. Dass ich üblicherweise nur gegen klingende Münze diene, behalte ich für mich. Dann möchte sie wissen, was ich Patme lehren könnte und ich berichte über das, was ich kann...  Lesen, Schreiben, Rechnen, Rechtskunde, Sternkunde, Heilkunde... Das Gespräch mit ihr ist unangenehm, es würde deutlich anders verlaufen, wenn ich frei wäre. Sie entscheidet, dass ich morgen beginnen soll, Patme zu unterrichten. Dann betrachtet sie meine Fußfessel. Sie fragt mich, was es damit auf sich hat und ich erkläre ihr die Auswirkungen und dass ich wesentlich nützlicher wäre, wenn ich den Ring nicht tragen müsste. Phelippa meint, der Mawdli solle mich prüfen und wenn ich keine echsische Magie in mir trage, könnte man den Ring entfernen. Im Moment trage ich gar keine Magie in mir, der Ring hat sie mir gestohlen – ich weiß aber auch nicht, was sie mit echsischer Magie meint, also halten sich Vorfreude und Angst die Waage. Auf dem Weg zurück nach unten sehe ich ein Schlafzimmer und einen Raum, direkt neben der Treppe, der sehr aufwändig gesichert ist. Zurück in der Kuche, berichte ich Hallah davon und dann kommt uns Patme besuchen. Hallah lockt sie mit einem Trick in die Küche und führt ein Kunststück mit einem Löffel auf. Irgendwann geht dann auch dieser Tag zu Ende und wir sitzen im Schlafraum. Ruscha ist bei uns und Nera ist entsetzt, weil sie verkauft werden soll. Als ob das etwas besonderes wäre. Wir diskutieren über Möglichkeiten zu bleiben und landen plötzlich beim Thema Sex und Jungfräulichkeit. Die anderen können nicht verstehen, warum ich Geld dafür nehme, die Jungfräulichkeit von Grandentöchtern wiederherzustellen. Die Familias bezahlen gut dafür, die Ehre zu bewahren. Als ich meine, das ich ihnen auch Rahjalieb gebe, ist zumindest Hallah erfreut. Nera nimmt es jedenfalls mit der Treue sehr ernst, mein Vorschlag, sich dem Herrn hinzugeben, scheint ihr nicht zu behagen. Dabei wäre das so einfach. Dann kommt Laila und Nera fragt sie nach Optionen. Laila meint, dass Patme bald zur Frau wird und dann eine Leibdienerin benötigt. Das wäre eine Möglichkeit, die aber voraussetzt, dass Patmes Mutter überzeugt ist, dass Nera die richtige für Patme ist. Immerhin hat Nera jetzt wieder Hoffnung. So etwas wie Hoffnung habe ich auch und denke an Kerry. Dann schlafe ich fast friedlich ein. 3. Tag im Hause des Ahmed Abdul Eine donnernde Stimme weckt mich. Die Herrin ruft nach dem Ziegenmädchen. Sie holen Anthelia nach oben, um Musik zu machen. Ich will schlafen. Nun gut, die anderen stehen auf, also schließe ich mich an. Der Tagesablauf ist beinahe schon Routine. Wir gehen uns waschen, danach in die Küche. Hallah redet beim Waschen mit Ruscha, will sich entschuldigen und erklären. Ich kann mir das nicht anhören, wickle wieder ein Tuch um den Ring an meinem Fuß und gehe an die Arbeit. Laila sagt Nera-Ma'ta, sie soll ihr helfen. Die beiden gehen nach oben und kommen mit Silbertellern wieder in die Küche. Nera-Ma'ta weiß nicht, was Silber ist, und Hallah ist begeistert von dem Reichtum. Meine Güte, es sind Silberteller. Ich mache den Fehler und betrachte mein Spiegelbild in einem der Teller. Ich sehe schrecklich aus, ohne Haare. Ohne Magie. Zalina kommt und sagt, wir sollen die Silberteller putzen, dürfen sie aber nicht zerkratzen. Jeder der Silberteller ist wertvoller als wir. Ich kann mir ein Prusten nicht verkneifen, woraufhin mich Hallah entsetzt fragt, was das soll. Die Gute hat noch nicht verstanden, wer ich bin. Also erkläre ich ihr, dass ich heute vielleicht nicht so aussehe, aber deutlich mehr wert bin als ein Silberteller. Während wir Putzen, ruft mich Zalina nach oben. Sie bringt mich zu Djamila, die in Patmes Zimmer auf mich wartet. Da stehen ein kleines Bett und ein Schreibtisch. Auf dem Schreibtisch sind zwei Lehrbücher, ein sehr schönes Wachstablett aus Holz, Papier, Federmesser, Schreibfedern und Pinsel. Djamila schickt Zalina fort und versucht mich mit einem Blick einzuschüchtern. Es ist der Blick, den ich schon tausendmal bei meinen Kunden gesehen habe, wenn sie ihre Sklaven unterwürfig halten. Ich lasse den Blick über mich ergehen und nicke, als sie meint, ich würde zu Verantwortung gezogen, wenn Patme ein Haar gekrümmt würde. Dann ruft die Patme und das Mädchen kommt fröhlich zu uns. Ich frage Patme, ob sie mir zeigen möchte, was sie schon kann und sie ist sehr motiviert. Sie ist traurig, als sie mir berichtet, dass ihr alter Lehrer kürzlich gestorben ist. Als ich sie trösten möchte, herrscht Djamila mich an, dass ich sie nicht berühren darf. Wie konnte ich das vergessen... Ich lobe Patme für ihre gute Handschrift und frage, ob wir eine kleine Geschichte schreiben wollen. Das macht sie sehr gut und mir macht die Arbeit mit ihr Spaß. Es ist fast wie in alten Zeiten und ich vergesse beinahe, wo ich bin. Nach dem Unterricht werde ich nach unten geschickt. Als ich mich auf den Weg mache, sehen Patme und ich einen großen gelben Papagei aus dem Hof fliegen. Wie sich beim Mittagessen herausstellt, ist der Papagei Nera-Ma'ta Seelentier. Ich hätte nicht erwartet, dass sie eine Hexe ist. Hallah will Nera-Ma'ta davor warnen, den Papagei hier einzuquartieren. Die beiden diskutieren, meiner Meinung nach aus der völlig falschen Perspektive. Ich schlage vor, dass ich mit Patme eine weitere Geschichte schreibe, über ein Mädchen, das einen Papagei füttert. Nera-Ma'ta versteht den Gedanken, Hallah leider nicht. Heute erzählt Nera-Ma'ta einiges von sich. Ihre Großmutter war Schamanin, sie könnte das auch und Jaja – der Papagei – will sie davon überzeugen. Nera-Ma'ta berichtet uns, dass Jaja einmal gefangen war und sie die Decke hochgelaufen ist, um sie zu befreien. Seitdem möchte ihre Großmutter, dass sie Schamanin wird. Als wir wieder an die Arbeit müssen, sage ich Nera-Ma'ta, dass ich sie verstehe. Sie versteht mich nun auch, warum es so schlimm für mich ist, dass meine Haare abgeschnitten wurden und was es mit dem Ring auf sich hat. Dann holt uns Laila nach oben, um den Raum für die Gäste vorzubereiten. Wir machen sauber und Hallah reinigt alle Ecken, in denen mach sich verstecken kann. Warum auch immer sie das tut. Danach werde wir wieder nach unten geschickt. Nur Ruscha und Laila sollen oben bleiben. Die Gäste kommen und wir müssen in der Küche arbeiten. Da wir alle sehr erschöpft sind, versucht Hallah Alrik zu helfen. Nera-Ma'ta kommt zu mir und meint, dass eine Dame sie gefragt hat, ob sie noch wild ist. Das ist ein gutes Zeichen, offensichtlich hat sie Gefallen an Nera-Ma'ta gefunden. Leider hat Nera-Ma'ta ihr gesagt, dass ihre vorherige Besitzerin meinte, sie hätte ihr die Wildheit ausgetrieben. Also versuche ich ihr zu zeigen, mit welchen kleinen Bewegungen sie der Dame zeigen kann, dass sie noch wild ist. Das will mir leider überhaupt nicht gelingen – wie auch, ohne Haare. Ruscha macht das richtig gut und zeigt ihr wie man anbandelt. Dann weist uns die Köchin zurecht, sie will sogar die Wache rufen. Wir kommen gerade noch so davon. Fürchterliche Zustände. Ich muss hier weg. Wir arbeiten weiter in der Küche. Irgendwann wird Alrik zum Öl holen geschickt. Hallah findet einen Weg ihm zu helfen, aber als er wieder in die Küche zurückkehrt, stolpert er, kippt das Öl aus und ein Feuer bricht aus. Wir können es mit vereinten Kräften löschen. Während wir das Haus retten, ruft uns die Köchin zu, wir sollten das Silber raustragen. Ruscha macht das und ich meine zu ihr, sie soll aufpassen, dass es nicht zerkratzt. Danach stehen alle auf dem Hof, auch die Besucher. Zalina befiehlt uns, uns zu reinigen und dann das Silber zu tragen. Ich meine auch zu ihr, dass wir darauf achten, dass es nicht zerkratzt, woraufhin sie mir eine Ohrfeige geben will. Das klappt nicht und sie trifft sich irgendwie selbst. Ich ignoriere sie, wohlwissend, dass das noch ein Nachspiel für mich haben wird. Als wir uns gerade daran machen wollen, das Silber zu holen, ruft uns Ahmed Abdul zu sich. Hallah wirft sich vor ihm in den Sand. Er möchte wissen, was passiert ist und ich meine, dass es ein Unfall war. Dabei schaue ich die Köchin an, die Alrik die Schuld gibt. Hallah redet sich um Kopf und Kragen, als Ahmed Abdul sie unterbricht. Er will wissen, ob wir das Feuer gelöscht haben. Ich bejahe das und bereite mich schon darauf vor, zu argumentieren, das alles andere dem Auftrag von Djamila widersprochen hätte, dass Patme kein Haar gekrümmt werden darf. Er meint, wir hätten eine Belohnung verdient und sollten morgen ein Los ziehen und ihn dann begleiten. Dann werden wir in den Waschraum geschickt. Nera-Ma'ta macht noch die besprochene Geste zu der Frau und diese meint zu Ahmed Abdul, dass sie ihm Nera-Ma'ta abkaufen würde, wenn sie morgen noch lebt. Ich gehe davon aus, dass das Los entscheidet, wer von uns ausgepeitscht wird – oder getötet. Eine angemessene Belohnung für alle, nur einen von den Dreien zu bestrafen, die dein Haus gerettet haben, Ahmed Abdul... Am Abend des 3. Tag im Hause des Ahmed Abdul Wir sitzen in den Waschzubern, um uns zu waschen. Es tut gut, das Öl und den Rauch vom Körper zu wischen. Anthelia kommt zu uns, sie hat das Feuer verpasst – ein Glück für sie. Sie setzt sich zu Hallah in den Zuber. Nera-Ma'ta macht sich gerade die Haare, als die Zalina hereinkommt. Sie packt mich am Arm und zerrt mich aus dem Zuber und aus dem Waschraum. Abu, der Wache, die mit ihr gekommen ist, befiehlt sie, die anderen daran zu hindern, ihr zu folgen. Sie zerrt mich über den Hof und die Treppe hoch. Meine Versuche, mich zu entwinden, scheitern alle. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Nera-Ma'ta ein Tuch nimmt und uns folgen will. Abu packt sie am Arm und hält sie auf. Anthelia will Abu deshalb treten und er schafft es nicht, sie auch noch zu halten. Dann hat Zalina mich so weit gezerrt, dass ich nichts mehr sehen kann. Als wir weiter oben auf der Treppe sind, hören wir Kampfgeräusche aus dem Hof und Zalina schaut über das Geländer. Dort bedroht Abu Anthelia und Hallah mit einem Säbel. Ich rufe ihnen zu: Bitte hört auf! und wundere mich, was sie da machen – und warum. Nera-Ma'ta will Abu überreden, aufzuhören, aber eine weitere Wache, Arram, tritt zu ihr und befiehlt ihr, ebenfalls nach oben zu gehen. Abu befiehlt Anthelia und Hallah auch, nach oben zu gehen. Das haben sie davon. Zalina zerrt mich aufs Dach und sperrt mich in einen eisernen Käfig. Erneut scheitere ich mit dem Versuch, mich zu wehren. Unter anderen Umständen würde mich das stören, aber mit der Fußfessel ist mir das Eisen egal. Dann kommen die anderen, zuerst Nera-Ma'ta, von Arram grob am Arm gepackt. Sie versucht, Zalina zu überreden, dass alles ein Missverständnis ist. Zalina geht nicht darauf ein und sperrt sie zu mir. Zuletzt kommen Anthelia und Hallah, sie werden von Abu mit einem Säbel in den Käfig dirigiert. Dann verschließt Zalina den Käfig. Nun sitzen wir zu viert in dem Käfig auf dem Dach. Ich bin nackt und noch nass, wie Zalina mich aus dem Zuber gezerrt hat. Mein Arm, wo sie mich gepackt hatte, tut höllisch weh. Nera-Ma'ta reicht mir ein Tuch, damit ich mich wenigstens bedecken kann. Ich nicke ihr dankbar zu. Es folgt eine kurze Diskussion darüber, wer Schuld ist, dass wir alle im Käfig sitzen. Ich bin das Risiko bewusst eingegangen. Warum die anderen gefolgt sind, weiß ich nicht und kann es auch nicht nachvollziehen. Ich hätte es nicht getan. Hallah heult, Anthelia schimpft, Nera-Ma'ta schweigt. Wir sitzen in einem Eisenkäfig. Lächerlich. Es beginnt zu regnen. Irgendwann betrachtet Nera-Ma'ta Anthelias verletzen Knöchel und spuckt darauf, um ihn zu heilen. Es funktioniert, aber Anthelia und Hallah sind etwas irritiert. Hallah beginnt, den Käfig zu untersuchen und im Dreck zu wühlen. Ich weiß nicht, warum sie das tut, vermutlich ist sie einfach von der Situation überfordert. Anthelia beginnt zu singen und Nera-Ma'ta tanzt. Ich schließe mich Nera-Ma'ta an. Tanzen erscheint mir das sinnvollste zu sein, was ich tun kann. Hallah erklärt, dass sie ein kleines Ding braucht, um das Schloss zu knacken. Nera-Ma'ta schlägt vor, das Yaya ihr dabei helfen kann, so etwas zu finden. Leider ist Yaya zu weit weg, um den Ruf zu hören. Irgendwann lässt der Regen nach und Wind kommt auf. Wir frieren jämmerlich, sogar Anthelia hört auf zu singen. Zu viert kuscheln wir uns zusammen und schlafen irgendwann zitternd ein... Am nächsten Morgen erwachen wir vom Sonnenschein. Die anderen drei hängen ihre Kleidung auf – ich habe nur das kleine Tuch und möchte es behalten. Hallah gibt mir ihre Sandalen, das finde ich sehr nett von ihr. Ich sage den dreien, sie sollten ihre Kleidung lieber anbehalten, nicht dass sie ihnen noch weggenommen wird. Sie ziehen sich gerade rechtzeitig an, bevor Zalina mit Ruscha und Alrik kommt. Die beiden schleppen einen Bottich und Zalina weist sie an, uns mit Wasser zu übergießen. Erneut sind wir klatschnass. Dann lässt uns Zalina den Käfig verlassen. Sie führt uns in den Hof, wo wir mit einem Seil gefesselt und dann bei den Palmen abgestellt werden. Patme saba Ahmed kommt vorbei und ist erstaunt, was mit uns passiert ist. Sie bietet uns Essen an, ich lehne das aber ab. Nicht, dass die Kleine noch Ärger bekommt – oder wir. Anthelia ist deswegen jedenfalls sauer auf mich. Ahmed Abdul ben Sharif kommt zu uns und fragt: "Ihr werdet mir keine Schade bereiten?" Ich verneine das und dann lässt er uns von Abu wie Hunde an einer Leine aus dem Haus zerren. Eine weitere Wache begleitet uns, ebenso wie Laila und Alrik. Wir laufen die Straße entlang durch das Novadi-Viertel, es ist still und sauber hier. Als wir das Novadi-Viertel ändert sich dieser Eindruck. Die Stadt ist bunt und laut und überall sind Bilder von Mungos und Füchsen. Wir erfahren, dass ein Fest zu Ehren von Phex gefeiert wird. Menschenmassen sind unterwegs, währen wir zum Marktplatz laufen. Wir kommen vor einem prächtigen Haus an und Ahmed Abdul ben Sharif meint, dass er für uns Lose gekauft hat. Die Lose sind kunstvoll geschnitzte Holzbretter mit edlen Verzierungen. Auf Anthelias Frage, warum er Lose für uns hat, weiß ich keine Antwort. Ahmed Abdul ben Sharif betritt mit uns das Gebäude und drinnen sind viele gut betuchte Leute. Früher wären viele von ihnen meine Kunden gewesen, aber heute bin ich nichts mehr. Ansonsten laufen Diener mit Fuchsmasken durch den Raum. Das Haus ist offenbar ein Casino, die Spieltische sind zur Seite geräumt. In der Haupthalle ist ein großer Kelch aufgestellt. Ich spüre, dass wie sehr es Ahmed Abdul ben Sharif quält, dass er uns die Lose gekauft hat. Er möchte das nicht, muss aber sein Gesicht wahren und sich auf den Zirkus einlassen, der hier dargeboten wird. Dann gibt es uns die Lose. Hallah bekommt die 5, Nera-Ma'ta bekommt die 13, ich bekomme die 22. Anthelia bekommt kein Los, Ahmed Abdul ben Sharif schaut sie verwirrt an und scheint erst jetzt zu realisieren, dass sie uns begleitet hat. Hallah schafft es irgendwie, dass einer der Diener uns etwas zu Essen und zu Trinken reicht. Das ist nach dieser Nacht auch bitter nötig. Ahmed Abdul ben Sharif schaut sie deswegen böse an, unternimmt aber nichts. Dann beginnt die Glücksfee an dem Kelch zu sprechen. Mir fällt auf, dass es sich um Melyssa di Zeforika handelt, eine der schönsten Frauen Aventuriens. Ihr Vater, der Vogtvikar von Chorhop, ist auch einer der reichsten Männer Aventuriens. Anthelia unterhält sich mit zwei Herren, die neben uns stehen und erfährt, dass ein Los 100 Dublonen kostet. Das ist eine Menge Geld. Vielleicht hat Ahmed Abdul ben Sharif doch verstanden, dass wir sein Haus gerettet haben. Sie erfährt auch, dass mit den Losen die Herren der Stadt bestimmt werden, die ein Jahr lang regieren sollen. Anthelia meint, dass sie kein Los hat und brüskiert damit Ahmed Abdul ben Sharif. Ich finde das beinahe amüsant. Er hat es in gewisser Weise verdient. Ahmed Abdul ben Sharif erklärt ihr, dass wir drei die Lose erhalten haben, weil wir das Feuer gelöscht haben und dass Anthelia nur versehentlich mit hierher genommen wurde. Ich biete Anthelia mein Los an, aber sie lehnt ab. Stattdessen gibt sie Hallah, ein paar Zahnstocher, um sie zu verstecken. Melyssa di Zeforika eröffnet die Lotterie zum Tag des Glücks. Es werden einige Posten besetzt, zuerst der oberste Kadi mit Norikoni, was den Novadis nicht passt, weil er aus ihrer Sicht ein Ungläubiger ist. Norikoni erhält, wie die anderen auch, ein monatliches Entgeld von 100 Dublonen. Schutzprätorin wird Fetaka, Marizia Delaplana wird Meisterin der Kloake und Leon ya Pestero Meister der Spiele. Phex ist Hallah gewogen, denn sie wird ebenfalls eine Schutzprätorin – die Kommandantin der Stadtwache. Hallah geht zu Melyssa di Zeforika und legt einen peinlichen Auftritt hin. Dann erklärt sie Ahmed Abdul ben Sharif, dass sie mit ihm handeln will, um uns frei zu kaufen, aber er nimmt sie nicht ernst. Wozu auch? Dann kommt Leon ya Pestero zu ihr, der später noch zum Meister der Spiele gelost wird. Er bietet Hallah an, uns freizukaufen, wenn sie ihm danach einen Gefallen schuldet. Hallah lässt sich darauf ein. Dummes Ding. Leon ya Pestero und Ahmed Abdul ben Sharif verhandeln und wir wechseln erneut den Besitzer. 40 Dublonen lässt sich Ahmed Abdul ben Sharif für uns ausbezahlen – kein schlechtes Geschäft. Dann verlässt uns Ahmed Abdul ben Sharif frustriert und meint zum Abschied "Ihr seid auf euch gestellt". Unsere Situation ändert sich schnell. Jetzt wird uns offen Essen angeboten und wir greifen natürlich zu. Melyssa di Zeforika kommt zu uns und meint der Listige wäre mit uns. Er hätte uns zunächst alles genommen und jetzt alles gegeben. Ich weiß, dass ich Phex egal bin und die, die mir alles genommen hat, in Wahrheit Tsa ist, die ich verraten habe. Sie lässt einen Mann kommen, der Hallah mit "Exzellenz" anspricht und uns zu ihrem Anwesen führt. Anthelia bietet mir ihr Kleid an, aber ich lehne ab. Sie wollte auch mein Los nicht und ich bin zu stolz. Hallah erklärt Anthelia und Nera-Ma'ta die Situation, wir wären frei. Ich beherrsche mich, um nicht loszulachen. Hallah hat uns gekauft und hat uns in der Hand. Sie erklärt auch, dass wir bei ihr wohnen werden – so viel zur Freiheit. Das Anwesen ist nicht weit weg. Ein schönes Stadthaus, aus Marmor gebaut, mit riesigem Portal und einem Garten. Hallah erhält die Schlüssel und öffnet die Türe. Drinnen begegnen wir einem Mann um die 60. Er heißt Jasper und ist der Verwalter. Hallah erklärt ihm, dass er sie nicht Exzellenz nennen soll. Ich denke mir: Titel sind wichtig, ich will meinen auch wieder führen dürfen. Anthelia stellt uns alle vor. Jasper meint, dass noch noch 4 Männer und 2 Frauen im Haus arbeiten und Hallahs Sänfte tragen. Hallah kommt – für mich erfreulich schnell – zur Sache und fragt Jasper, ob jemand da ist, der mir den Ring abnehmen kann. Jasper meint, wir sollen ihm folgen und führt uns in den Stall. Dort arbeitet ein Sklave, Privo, der diese Aufgabe übernehmen soll. Privo bedeutet mir, mein Bein auf einem Amboss zu platzieren und benutzt Hammer und Meißel, um den Ring zu zerstören. Er rutscht ab und rammt mir den Meißel ins Bein. Aber der Ring ist ab. Ich bemerke noch, dass Nera-Ma'ta mir auf die Wunde spuckt um sie zu heilen. Dann bricht die astrale Kraft wie eine Sturmflut über mich. Ich breche zusammen, fange an zu zittern, ich kann die Tränen nicht kontrollieren. Ich weiß nicht, wer mich im Arm hält, als ich zitternd am Boden liege. Ich sehe nichts, ich höre nichts, aber ich spüre, wie ich wieder in die Welt finde.