Adamanas Tagebuch

Das Tagebuch von Adamana Ladellantar, Magierin der Bruderschaft der Wissenden aus Al'Anfa.

Dieses Tagebuch entsteht im Rahmen einer Sandbox-Kampagne auf Basis von "Die Herren von Chorhop" von Anton Weste. Es gibt Abweichungen zu den Standard-Regeln in Aventurien, zum Abenteuer – und auch zu Details der Kampagne.

Prolog

Prolog

Al'Anfa, 17. Phex 1020 BF

Normalerweise rufen mich die Zornbrechts nicht mitten in der Nacht. Und sie schicken auch keine bewaffneten Männer, um mich zu einem ihrer Anwesen zu geleiten. Diesmal schon. Was bleibt mir, als mich ihnen anzuschließen.

Im Anwesen der Zornbrechts ist es still. Ich werde über einen dunklen Hof geführt, durch schweigende Hallen, in den Keller eines unscheinbaren Gebäudes am Rande eines kleinen Parks. Hier war ich noch nie. Offenbar ist das ein sehr privater Bereich des Anwesens. Der Keller erschreckt mich, hier wurden böse Dinge getan. Ich bemühe mich, das zu ignorieren. Es ist nicht meine Aufgabe zu werten und zu richten.

Fünf Menschen sind anwesend. Einer von ihnen ist Ovartoran Zornbrecht, der mich freundlich anlächelt. „Adamana, wir haben auf dich gewartet“. Sybillya, eine seiner Schwestern, ist hier und ein Mann, den ich nicht kenne. Ovartoran zeigt auf einen Mann, der am Boden liegt. Ein Gladiator mit schlimmen Verletzungen, die auf den ersten Blick so wirken, als hätten sich irgendwelche Pfuscher daran versucht.

„Adamana, wärst du so freundlich unseren Helden zu, retten? Sybillya würde das sehr glücklich machen.“ Er schnippt mit den Fingern und ein Junge, vielleicht zwölf Jahre alt, tritt neben mich. „Wir haben auch einen Freiwilligen für dich gefunden, der Partancus Wunden tragen wird.“ Ich nicke, solche Geschäfte sind durchaus üblich, und knie neben dem Gladiator nieder.

Er wurde tatsächlich schon behandelt, profan und magisch. Seine Wunden sind die schlimmsten, die ich jemals gesehen habe. Als hätte ein Dämon ihn von innen… Nein, so etwas darf ich nicht denken. Ich bin hier, um zu heilen, nicht im zu richten.

„Wer hat sich an ihm versucht?“ frage ich.

„Unser Heiler und Daro“, Ovartoran zeigt in eine Ecke. Dort liegen zwei tote Körper, die mir bisher nicht aufgefallen waren. Einer ist Daro.

„Daro…“, ich bin fassungslos. „Warum ist er… Was ist passiert…?“

„Daro hat versagt, sein Freiwilliger ist zu schnell gestorben. Daro hat sich geweigert, einen zweiten zu verwenden.“ Ovartoran blickt mich voller Unschuld an. Wie sehr ich ihn hasse, den ewig Unantastbaren, der über Menschen verfügt, als seien sie nichts als Dreck. Nach einem Blick auf die ausgemergelten Körper von Daro und seinem Freiwilligen schaue ich den Jungen an, der mein Freiwilliger sein soll.

„Er ist zu jung. Er wird das nicht überleben“, sage ich zu Ovatoran.

„Er wird genügen“, meint er knapp. Damit ist die Sache für mich entschieden. Ich stehe auf und schaue Ovatoran fest in die Augen. "Das werde ich nicht tun."

Stille. Der Kellerraum kühlt sich merklich ab. Widerspruch ist niemand von mir gewohnt. Ich erledige meine Aufträge gegen Geld, egal ob Heilen, Kurieren von Gift oder Aufhübschen. Ohne Wertung, ohne Urteil. Ovartoran entgleiten kurz die Gesichtszüge, bevor er den Wachen, die mich her begleitet haben, ein Wink gibt.

Sie brechen mich in weniger als zehn Minuten. Unter Tränen wirke ich den Leidensbund und die Wunden des Gladiators schließen sich. Der Junge, dessen Namen ich nicht kenne, bricht zusammen, schrecklich entstellt. Schließlich erlöst Boron ihn von seinem Leid. Ich weiß nicht, ob das Opfer des Jungen tatsächlich reicht, ob meine Macht reicht. Ich weiß nicht, wie viele Tränen ich in dieser Nach vergieße. Tsa wird mir nie verzeihen, was ich heute getan habe. Nachdem meine Aufgabe vollbracht ist, erlaubt mir Ovartoran zu gehen. Ich schleppe mich nach Hause und verbringe den nächsten Tag heulend in meinem Bett.

In der darauffolgenden Nacht erhalte ich erneut Besuch von den Zornbrechts. Der Hausmagier und ein Trupp Bewaffneter. Ich erwache in dem Moment, in dem ich geknebelt werde. Sie legen mir eiserne Fesseln an und der Magier zerbricht meinen Stab. Ich spüre noch einen Schlag. Danach nichts mehr.

Prolog

Irgendwo, einige Tage später

Ich wache auf, alles tut mir weh. Es riecht nach Holz, nach Urin und nach Erbrochenem. Um mich herum ist Feuchtigkeit und mein linker Fuß schmerzt niederhöllisch.

Ich fühle mich unendlich leer. Halb sitzen, halb liegend lehne ich an einer schrägen Wand. Ich höre leises Rauschen. Im Halbdunkel schaue ich mich um. und kann Schemen von Gittern ausmachen. Unendlich langsam, wie durch viele Lagen Seide, dämmert es mir: Ich bin auf einem Schiff. Einem Sklavenschiff.

Ich fasse nach meinem linken Fuß und ertaste einen Ring um den Knöchel. Er fühlt sich kalt an, leer und zieht an mir. Koschbasalt. Sie haben mir eine Fessel aus Koschbasalt angelegt, um mich am Zaubern zu hindern. Meine Welt bricht zusammen. Ich breche zusammen. Das darf nicht sein, das ist falsch. Ich habe mich Zornbrecht gefügt, er hat keinen Grund, mich auf diese Weise zu bestrafen. In meinem Kopf ruft eine leise Stimme: "Nicht Zornbrecht, Tsa ist es, die dich verstoßen hat."

Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist, Tage, vielleicht. Ich mühe mich ab, die Fessel zu lösen, aber es ist aussichtslos. Weder ein Scharnier noch ein Schloss kann ich ertasten. Der Ring muss magisch versiegelt sein. Wenn ich mir nicht den Fuß breche, kann ich sie nicht abnehmen. Wie makaber. Die große Heilerin müsste sich selbst verletzen um Magie zu wirken.

Es sind wohl einige Tage, die vergehen, irgendwann wird es heller und wieder dunkler. Außer mir sind noch weitere Menschen hier gefangen. Sie alle blicken stoisch ins Leere, haben sich aufgegeben. Es gibt ein wenig Stroh, aber wir haben noch nicht einmal eine Gelegenheit, um uns zu erleichtern. Meine direkten Nachbarn benutzen beide die Ecken ihrer Käfige, die an meinen Grenzen. Es ist fürchterlich, es ist ekelhaft, es ist widerlich. Ab und zu bringt man uns eine Schale mit Wasser und einen Napf mit Brei, den wir mit bloßen Händen essen müssen.

Die Zeit behäbig ist wie Treibsand. Auch so kann man Menschen brechen. Nach vier Schalen Brei zerren mich zwei brutal aussehende Männer aus meinem Käfig. Ich bekomme ein paar Tritte ab und werde über eine Holztreppe nach oben gezerrt. Ich bin tatsächlich auf einem Schiff, das jetzt irgendwo angelegt hat.

Ich werde vor einen Mann geführt, den fettesten Mann, denn ich jemals gesehen habe. Sein Kaftan platzt fast über seinem Bauch, die Backen sind feist unter kleinen Schweinsäuglein.

"Ist sie das?" fragt er jemanden hinter mir auf Tulamidya.

"Ja", kommt die Antwort von einer Fistelstimme.

Der fette Mann packt mich im Gesicht und zwingt mich den Mund zu öffnen. "Die Zähne sind in Ordnung." Dann begrapscht er mich von oben bis unten. "In Ordnung, ich übernehme sie. Das wird ein gutes Geschäft. Richtet Ovartoran meinen Dank aus."

Er klatscht in die Hände, eine kleine Frau tritt neben ihn. Er zeigt auf mich und sagt: "Haare."

Die Frau zieht eine grobe Schere hervor, die beiden Männer, die mich nach oben gezerrt haben, zwingen mich auf die Knie. Dann schneidet sie mir Strähne für Strähne meine Haare ab. Mit jedem Schnitt ist es, als bohrt sich die Schere in mein Selbst. Sie nehmen mit meine Haare, das letze bisschen Stolz, den letzten Rest Kraft. Mir treten die Tränen in die Augen.

"Gegen Läuse", sagt die Frau, die wohl denkt, dass ich wegen des Verlusts der Haare weine.

Dann zerren sie mich hoch und die beiden Männer schleifen mich von Bord in einen Käfig auf einem Wagen. Der Koschbasalt an meinem Fuß raubt mir fast die Sinne und der Verlust meiner gesamten magischen Kraft durch das Abschneiden meiner Haare führt dazu, dass ich schon wieder ohnmächtig werde.

Und diesmal heiße ich die Dunkelheit willkommen.

Versklavt

Versklavt

Eine Stadt ohne Namen, Vermutlich Anfang Peraine 1020 BF

Ich bin zerstört, ohne Hoffnung, ich weiß nicht einmal wo ich bin. Tsa hat mich verlassen, mein Stab ist zerbrochen. Der fette Novadi, Omar der Berg, an den sie mich verkauft haben, hat mir die Haare scheren lassen. Das Gefühl der Leere ist schrecklich, jeder Schnitt hat mir mehr Magie entrissen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist, die Fußfessel aus Koschbasalt, die mir Zornbrechts Magier verpasst hat, oder die Stoppeln auf meinem Kopf.

Ein weiterer Tag in Gefangenschaft, ich werde am frühen Morgen in das Zelt auf dem Basar gezerrt. Die Handlager Omars reißen mir die Kleider vom Leib, dann stehe ich in einer Reihe mit den anderen, die ich nicht kenne. Ein anderer Novadi kommt und die beiden unterhalten sich. Er will mich kaufen. Omar führt mich vor, demütigt mich. Er packt mich im Gesicht und zeigt meine Zähne. Ich muss meine Siegel zeigen. Dann fragt mich der andere, ob ich Echsenmagie beherrsche. Ich sage nein, aber ich bin mir nicht sicher, was er damit meint. Schließlich kauft er mich, als Lehrerin für seine Tochter. Er heißt Achmed, der Händler und hat eine Entourage von vier Leuten, zwei Waldmenschensklaven, die Waren schleppen, und zwei Wachen.

Ich bekomme ein Tuch, um mich zu bedecken, und dann werde ich an einer Leine hinter den anderen Sklaven von Achmed hergeführt. Meine Füße tun weh, die Steine der Straße schneiden und stechen. Ich habe keine andere Wahl, ich folge dem Zug, geführt an der Leine. Es wird noch schlimmer, Achmed kauft noch drei weitere Sklaven.

Einen Ziegendämon von den Zyklopeninseln, ein freches Mädchen und eine Waldmenschenfrau. Tsa hat mich endgültig verlassen. Mir die Freiheit auf diese Weise zu nehmen ist ihre gerechte Strafe für das, was ich getan habe.

Wir werden in das Anwesen von Achmed geführt und müssen warten. Nach eine Weile kommt eine Frau vorbei, die uns in eine Waschstube führt, wo wir uns reinigen sollen. Die Frau trägt goldenen Schmuck, wie ich ihn auch getragen habe. Ich berühre die Löcher in meiner Nase und meinen Ohren. Es ist fürchterlich. Das Wasser in den Zubern ist von anderen beschmutzt, da werde ich nicht hinein steigen. Also hole ich mir in einer Schüssel Wasser aus dem Brunnen im Hof und wasche mich. Danach gibt uns unsere Herrin Kleidung. Es ist keine Seide, es ist ein Kaftan aus groben Leinen. Immerhin erhalten wir Sandalen. Meine Füße sehen schrecklich aus, nachdem ich mich gewaschen habe, sind die Schnitte nur noch deutlicher zu sehen. Die Herrin fragt uns nach unseren Namen. Ich stelle mich vor, wie es sich gehört, mein Name und Titel stehen für Autorität. Aber nicht bei ihr, muss ich lernen. Tsa kennt keine Gnade mit denen, die sie sie verstößt.

Dann führt uns unsere Herrin in die Küche. Wir sollen hier arbeiten. Sie behandelt uns ganz selbstverständlich als Gruppe, dabei weiß ich nichts von den anderen. Ich versuche mich nützlich zu machen, so wie früher, als ich Illorius' Haushalt geführt habe. Als wie eine Pause haben, in der wir essen dürfen, versuche ich meine Fußfessel zu lösen. Es gelingt mir nicht, wie auch schon die Tage vorher.

Das blonde Mädchen, Hallah, will mir helfen, sieht aber ein, dass man eine Magierfessel nicht einfach öffnet. Ich könnte mir den Fuß brechen und aus dem Ring drehen, aber ich habe zu viel Angst vor den Schmerzen. Als Hallah mich fragt, warum es mich so beschäfigt, explodiere ich. Ich schreie sie an, dass ich nicht hierher gehöre, dass sie meinen Stab zerbrochen haben und dass Tsa mich verlassen hat. Vermutlich war das ihr gegenüber nicht fair, aber ich halte es nicht mehr aus.

Irgendwann beginnen wir mit unserer Aufgabe: Putzen. Als wir die Küche reinigen, bricht Chaos aus. Die anderen schaffen es nicht, auch nur die kleinsten Arbeiten richtig zu machen. Ich kann sie nicht anleiten, wie auch? Früher habe ich das alles allein gemacht.

Die Ziegendämonin, Anthelia, kippt einen Bottich Wasser über die Regale, alles schwimmt. Eine andere Sklavin, Ruschan, hilft uns, aufzuräumen. Warum muss ich hier sein? Ich sollte Menschen heilen, ich sollte Menschen ein schöneres Lebensgefühl geben. Es gäbe so viele andere Wege, auf denen Tsa mich bestrafen könnte.

Nach den Küche müssen wir die Waschstube reinigen. Hier stellen wir uns alle brauchbar genug an, dass es nicht wie in der Küche zur Katastrophe kommt.

Später werden wir schlafen geschickt. Zusammen mit Ruschan und einer weiteren Frau teilen wir uns ein Zimmer. Während die anderen sich über ihre Sandalen und Neras Stamm unterhalten, versuche ich noch einmal, die Fessel loszuwerden. Noch einmal kommt Hallah zu mir. Sie versteht es nicht. Morgen werde ich mir den Fuß brechen. Dann habe ich das Ding endlich los.

Versklavt

2. Tag im Hause des Ahmed Abdul

Ich wache am nächsten Morgen auf und es geht mir schlecht. Der steinerne Ring raubt mir alles Leben. Die anderen gehen in die Waschküche und baden. Das Wasser ist noch frisch, also nehme ich auch ein Bad.

Ruscha sagt uns, dass morgen hoher Besuch kommt und deshalb heute alles perfekt werden muss. Wer das genau ist, weiß sie allerdings auch nicht. Sie warnt uns vor Patme, die wir nicht anfassen dürfen. Ihre Mutter ist wohl sehr streng und würde uns bestrafen.

Patmes Mutter ist Djamila, eine der beiden Frauen von Ahmed Abdul. Die andere ist Phelippa, der ich später noch begegnen werde. Ruscha meint, beide Frauen sind sehr gemein zu den Sklaven, Phelippa ist aber die schlimmere, weil sie sich beweisen muss. Es erinnert mich unter den Zickenkrieg der Grandentöchter in Al'Anfa. Nicht einmal das bleibt mir hier erspart.

Als ich mich anziehe, kommt Anthelia und interessiert sich für meine Steinfessel. Sie meint, dass Feen dieses Gestein meiden, weil es ihnen die Kraft entzieht. Kluge Feen, ich möchte es auch meiden, werde es aber nicht los. Da ich die Fessel nicht lösen kann, erkläre ich ihr, dass es am geschicktesten wäre, mir den Fuß zu brechen. Das erschreckt Hallah, die das nicht nachvollziehen kann. SIe hat wohl noch nicht gelitten in ihrem Leben...

Hallah meint auch, dass ich aufhören sollte, daran herumzubasteln. Sie versteht es wirklich nicht, das dumme Kind. Und dumm ist sie tatsächlich. Sie erzählt, dass sie hätte fliehen können, es aber nicht getan hat, damit wir nicht bestraft werden. Das wäre mir sowas von egal gewesen, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte.

Damit ich nicht immer daran denke, umwickle ich den steinernen Ring mit etwas Stoff. Auf diese Weise reibt er wenigstens nicht ständig, auch wenn das Gewicht immer noch unangenehm ist und der Stein mir auch durch das Tuch meine Kraft raubt.

Die Herrin holt uns mit einem bösen Kommentar in die Küche, wir haben zu lange im Waschraum gesprochen. Auf dem Weg in die Küche drückt Anthelia kurz meine Hand. Damit habe ich nicht gerechnet.

In der Küche machen ich mich mit Hallah an den Abwasch. Nera räumt den Boden auf und Anthelia fragt mich was zu tun wäre. Ich schicke sie den Müll wegbringen. Dabei singt sie die ganze Zeit.

Wir erfahren, dass die andere Sklavin, die bei uns schläft, Laila heißt und oben arbeitet. Sie war wohl mal eine Haremsklavin, bis der Herr ihr überdrüssig war. Tja, ich hätte da sicherlich etwas tun können... Wie auch immer, Laila holt Anthelia und Nera, um das Essen nach oben zu tragen. Nach einer Weile kommen die beiden wieder und wir sitzen gemeinsam in der Küche. Wir essen gemeinsam und Anthelia meint, sie hat einen Plan, wie wir entkommen können. Sie meint, sie kann Feen rufen, wenn sie eine Flöte hat. Ich lasse sie reden, weil das natürlich ziemlicher Unsinn ist. Hallah meint, dass das kein Plan ist. Das sehe ich auch so, sage aber nichts. Dann erklärt Hallah, dass es drei Pferde gibt und die Wache eine Minute benötigt, um zu folgen. Die beiden diskutieren weiter über Fluchtpläne, Feen, Anthelias Vater und dass Tsa die Sklaverei abschaffen könnte. Tsa, die mich verstoßen hat und es zuließ, dass ich in die Sklaverei verkauft wurde. Nera meint, die beiden hätten beide nur Teile eines Plans, wie bei einem Boot. Wir hätten ein Segel, bräuchten aber noch einen Mast.

Da muss ich an Kerry denken. Er meinte, ich sei wie ein Segel im Wind.

Weil mir die Pläne der drei zu absurd erscheinen, erkläre ich, dass ich den Herrn darüber informieren möchte, dass Omar bei meinem Verkauf nicht ehrlich zu ihm war und es nicht legal ist, manche Leute als Sklaven zu halten. Ich behalte erstmal für mich, dass sich das natürlich nur auf mich bezieht. Omar hat dem Herrn auch nicht gesagt, dass er für mich noch mehr bezahlen muss. Dass es mir dabei um die Gildengebühr geht, erkläre ich den anderen nicht. Sie würden das nicht verstehen.

Irgendwann kommt Ruscha dazu und erzählt und, dass Sklaven aus dem Haus weiterverkauft werden, wenn sie Phelippa nicht gefallen. Wichtig ist vor allem, dass die Sklaven im Haus an Rastullah glauben. Wenn das die einzige Bedingung ist, kann ich das gerne tun. Tsa interessiert sich ohnehin nicht mehr für mich. Ich meine, dass es üblich und normal ist, Sklaven weiterzuverkaufen, wenn sie sich nicht angemessen verhalten und rate den anderen, zu behaupten, sie würden an Rastullah glauben. Die Gedanken sind frei, es reicht, wenn die Phelippa glaubt, dass ich an Rastullah glaube. Nera und Anthelia verstehen das nicht so ganz, fürchte ich.

Da kann ich ihnen auch nicht helfen. Anthelia erzählt wieder von Levthan und Ruscha überlegt, ob er eine der neun Frauen Rastullahs ist. Als ob das relevant ist, wenn man Glauben heuchelt. Wichtiger ist, dass Ruscha uns erzählt, dass einer der Gäste morgen ein Mawdli ist. Der bringt uns vielleicht die 99 Gesetze Rastullahs bei. Danach erzählt sie uns, dass Ahmed mit Farbe für Papier handelt. Oh, das freut mich sehr und ich erzähle, was man damit alles tun kann. Hallah kann auch lesen und schreiben – Ruscha, Nera und Anthelia nicht. Ich erkläre den beiden, dass man mit Papier und Tinte Lieder oder auch die 99 Gesetze aufschreiben kann. Nera möchte wissen, warum jemand ein Lied aufschreiben sollte und ich erzähle ihr von Kerrys Lied, das er mir geschrieben hat.

Der Gedanke an die Zeit mit ihm ist schön. "Du hast die Kraft einer Löwin", hat er für mich gesungen.

Dann ist die Pause auch schon vorbei und wir widmen uns wieder unseren Aufgaben. Während wir arbeiten, bekommen wir mit, dass Phelippa die Herrin ruft – sie nennt sie Zalina. Hallah fragt den alten Moha, der sich ums Feuer kümmert, wie er heißt und wie lange er schon hier ist. Nun, sein Name ist ein schlechter Scherz – er heißt Alrik – und ist schon seit 10 Jahren hier im Haus.

Dann kommt Laila und holt mich nach oben. Dort wartet Phelippa auf ein Gespräch mit mir. Sie gibt sich wie eine Grandessa, aber ihr Verhalten zeigt, dass sie keine sonderlich hohe Stellung haben kann. Vermutlich ist sie deshalb so bemüht, sich zu beweisen. Phelippa betrachtet mein Siegel und was es besagt und ob ich dienen kann. Ich erkläre, dass ich der Bruderschaft der Wissenden angehöre und dass ich bereits mein ganzes Leben lang diene. Dass ich üblicherweise nur gegen klingende Münze diene, behalte ich für mich. Dann möchte sie wissen, was ich Patme lehren könnte und ich berichte über das, was ich kann...  Lesen, Schreiben, Rechnen, Rechtskunde, Sternkunde, Heilkunde... Das Gespräch mit ihr ist unangenehm, es würde deutlich anders verlaufen, wenn ich frei wäre. Sie entscheidet, dass ich morgen beginnen soll, Patme zu unterrichten. Dann betrachtet sie meine Fußfessel. Sie fragt mich, was es damit auf sich hat und ich erkläre ihr die Auswirkungen und dass ich wesentlich nützlicher wäre, wenn ich den Ring nicht tragen müsste. Phelippa meint, der Mawdli solle mich prüfen und wenn ich keine echsische Magie in mir trage, könnte man den Ring entfernen. Im Moment trage ich gar keine Magie in mir, der Ring hat sie mir gestohlen – ich weiß aber auch nicht, was sie mit echsischer Magie meint, also halten sich Vorfreude und Angst die Waage.

Auf dem Weg zurück nach unten sehe ich ein Schlafzimmer und einen Raum, direkt neben der Treppe, der sehr aufwändig gesichert ist. Zurück in der Kuche, berichte ich Hallah davon und dann kommt uns Patme besuchen. Hallah lockt sie mit einem Trick in die Küche und führt ein Kunststück mit einem Löffel auf.

Irgendwann geht dann auch dieser Tag zu Ende und wir sitzen im Schlafraum. Ruscha ist bei uns und Nera ist entsetzt, weil sie verkauft werden soll. Als ob das etwas besonderes wäre. Wir diskutieren über Möglichkeiten zu bleiben und landen plötzlich beim Thema Sex und Jungfräulichkeit. Die anderen können nicht verstehen, warum ich Geld dafür nehme, die Jungfräulichkeit von Grandentöchtern wiederherzustellen. Die Familias bezahlen gut dafür, die Ehre zu bewahren. Als ich meine, das ich ihnen auch Rahjalieb gebe, ist zumindest Hallah erfreut. Nera nimmt es jedenfalls mit der Treue sehr ernst, mein Vorschlag, sich dem Herrn hinzugeben, scheint ihr nicht zu behagen. Dabei wäre das so einfach. Dann kommt Laila und Nera fragt sie nach Optionen. Laila meint, dass Patme bald zur Frau wird und dann eine Leibdienerin benötigt. Das wäre eine Möglichkeit, die aber voraussetzt, dass Patmes Mutter überzeugt ist, dass Nera die richtige für Patme ist. Immerhin hat Nera jetzt wieder Hoffnung.

So etwas wie Hoffnung habe ich auch und denke an Kerry. Dann schlafe ich fast friedlich ein.

Versklavt

3. Tag im Hause des Ahmed Abdul

Eine donnernde Stimme weckt mich.
Die Herrin ruft nach dem Ziegenmädchen.
Sie holen Anthelia nach oben, um Musik zu machen.
Ich will schlafen.

Nun gut, die anderen stehen auf, also schließe ich mich an.
Der Tagesablauf ist beinahe schon Routine.
Wir gehen uns waschen, danach in die Küche.
Hallah redet beim Waschen mit Ruscha, will sich entschuldigen und erklären.
Ich kann mir das nicht anhören, wickle wieder ein Tuch um den Ring an meinem Fuß und gehe an die Arbeit.

Laila sagt Nera-Ma'ta, sie soll ihr helfen.
Die beiden gehen nach oben und kommen mit Silbertellern wieder in die Küche.
Nera-Ma'ta weiß nicht, was Silber ist, und Hallah ist begeistert von dem Reichtum.
Meine Güte, es sind Silberteller.
Ich mache den Fehler und betrachte mein Spiegelbild in einem der Teller.
Ich sehe schrecklich aus, ohne Haare.
Ohne Magie.

Zalina kommt und sagt, wir sollen die Silberteller putzen, dürfen sie aber nicht zerkratzen.
Jeder der Silberteller ist wertvoller als wir.
Ich kann mir ein Prusten nicht verkneifen, woraufhin mich Hallah entsetzt fragt, was das soll.
Die Gute hat noch nicht verstanden, wer ich bin.
Also erkläre ich ihr, dass ich heute vielleicht nicht so aussehe, aber deutlich mehr wert bin als ein Silberteller.

Während wir Putzen, ruft mich Zalina nach oben.
Sie bringt mich zu Djamila, die in Patmes Zimmer auf mich wartet.
Da stehen ein kleines Bett und ein Schreibtisch.
Auf dem Schreibtisch sind zwei Lehrbücher, ein sehr schönes Wachstablett aus Holz, Papier, Federmesser, Schreibfedern und Pinsel.
Djamila schickt Zalina fort und versucht mich mit einem Blick einzuschüchtern.
Es ist der Blick, den ich schon tausendmal bei meinen Kunden gesehen habe, wenn sie ihre Sklaven unterwürfig halten.
Ich lasse den Blick über mich ergehen und nicke, als sie meint, ich würde zu Verantwortung gezogen, wenn Patme ein Haar gekrümmt würde.

Dann ruft die Patme und das Mädchen kommt fröhlich zu uns.
Ich frage Patme, ob sie mir zeigen möchte, was sie schon kann und sie ist sehr motiviert.
Sie ist traurig, als sie mir berichtet, dass ihr alter Lehrer kürzlich gestorben ist.
Als ich sie trösten möchte, herrscht Djamila mich an, dass ich sie nicht berühren darf.
Wie konnte ich das vergessen...
Ich lobe Patme für ihre gute Handschrift und frage, ob wir eine kleine Geschichte schreiben wollen.
Das macht sie sehr gut und mir macht die Arbeit mit ihr Spaß.
Es ist fast wie in alten Zeiten und ich vergesse beinahe, wo ich bin.

Nach dem Unterricht werde ich nach unten geschickt.
Als ich mich auf den Weg mache, sehen Patme und ich einen großen gelben Papagei aus dem Hof fliegen.
Wie sich beim Mittagessen herausstellt, ist der Papagei Nera-Ma'ta Seelentier.
Ich hätte nicht erwartet, dass sie eine Hexe ist.
Hallah will Nera-Ma'ta davor warnen, den Papagei hier einzuquartieren.
Die beiden diskutieren, meiner Meinung nach aus der völlig falschen Perspektive.
Ich schlage vor, dass ich mit Patme eine weitere Geschichte schreibe, über ein Mädchen, das einen Papagei füttert.
Nera-Ma'ta versteht den Gedanken, Hallah leider nicht.
Heute erzählt Nera-Ma'ta einiges von sich.
Ihre Großmutter war Schamanin, sie könnte das auch und Jaja – der Papagei – will sie davon überzeugen.
Nera-Ma'ta berichtet uns, dass Jaja einmal gefangen war und sie die Decke hochgelaufen ist, um sie zu befreien.
Seitdem möchte ihre Großmutter, dass sie Schamanin wird.

Als wir wieder an die Arbeit müssen, sage ich Nera-Ma'ta, dass ich sie verstehe.
Sie versteht mich nun auch, warum es so schlimm für mich ist, dass meine Haare abgeschnitten wurden und was es mit dem Ring auf sich hat.

Dann holt uns Laila nach oben, um den Raum für die Gäste vorzubereiten.
Wir machen sauber und Hallah reinigt alle Ecken, in denen mach sich verstecken kann.
Warum auch immer sie das tut.
Danach werde wir wieder nach unten geschickt.
Nur Ruscha und Laila sollen oben bleiben.

Die Gäste kommen und wir müssen in der Küche arbeiten.
Da wir alle sehr erschöpft sind, versucht Hallah Alrik zu helfen.
Nera-Ma'ta kommt zu mir und meint, dass eine Dame sie gefragt hat, ob sie noch wild ist.
Das ist ein gutes Zeichen, offensichtlich hat sie Gefallen an Nera-Ma'ta gefunden.
Leider hat Nera-Ma'ta ihr gesagt, dass ihre vorherige Besitzerin meinte, sie hätte ihr die Wildheit ausgetrieben.
Also versuche ich ihr zu zeigen, mit welchen kleinen Bewegungen sie der Dame zeigen kann, dass sie noch wild ist.
Das will mir leider überhaupt nicht gelingen – wie auch, ohne Haare.
Ruscha macht das richtig gut und zeigt ihr wie man anbandelt.
Dann weist uns die Köchin zurecht, sie will sogar die Wache rufen.
Wir kommen gerade noch so davon.
Fürchterliche Zustände.
Ich muss hier weg.

Wir arbeiten weiter in der Küche.
Irgendwann wird Alrik zum Öl holen geschickt.
Hallah findet einen Weg ihm zu helfen, aber als er wieder in die Küche zurückkehrt, stolpert er, kippt das Öl aus und ein Feuer bricht aus.

Wir können es mit vereinten Kräften löschen.
Während wir das Haus retten, ruft uns die Köchin zu, wir sollten das Silber raustragen.
Ruscha macht das und ich meine zu ihr, sie soll aufpassen, dass es nicht zerkratzt.

Danach stehen alle auf dem Hof, auch die Besucher.
Zalina befiehlt uns, uns zu reinigen und dann das Silber zu tragen.
Ich meine auch zu ihr, dass wir darauf achten, dass es nicht zerkratzt, woraufhin sie mir eine Ohrfeige geben will.
Das klappt nicht und sie trifft sich irgendwie selbst.
Ich ignoriere sie, wohlwissend, dass das noch ein Nachspiel für mich haben wird.

Als wir uns gerade daran machen wollen, das Silber zu holen, ruft uns Ahmed Abdul zu sich.
Hallah wirft sich vor ihm in den Sand.
Er möchte wissen, was passiert ist und ich meine, dass es ein Unfall war.
Dabei schaue ich die Köchin an, die Alrik die Schuld gibt.
Hallah redet sich um Kopf und Kragen, als Ahmed Abdul sie unterbricht.
Er will wissen, ob wir das Feuer gelöscht haben.
Ich bejahe das und bereite mich schon darauf vor, zu argumentieren, das alles andere dem Auftrag von Djamila widersprochen hätte, dass Patme kein Haar gekrümmt werden darf.
Er meint, wir hätten eine Belohnung verdient und sollten morgen ein Los ziehen und ihn dann begleiten.
Dann werden wir in den Waschraum geschickt.
Nera-Ma'ta macht noch die besprochene Geste zu der Frau und diese meint zu Ahmed Abdul, dass sie ihm Nera-Ma'ta abkaufen würde, wenn sie morgen noch lebt.

Ich gehe davon aus, dass das Los entscheidet, wer von uns ausgepeitscht wird – oder getötet.
Eine angemessene Belohnung für alle, nur einen von den Dreien zu bestrafen, die dein Haus gerettet haben, Ahmed Abdul...

Versklavt

Am Abend des 3. Tag im Hause des Ahmed Abdul

Wir sitzen in den Waschzubern, um uns zu waschen.
Es tut gut, das Öl und den Rauch vom Körper zu wischen.
Anthelia kommt zu uns, sie hat das Feuer verpasst – ein Glück für sie.
Sie setzt sich zu Hallah in den Zuber.
Nera-Ma'ta macht sich gerade die Haare, als die Zalina hereinkommt.

Sie packt mich am Arm und zerrt mich aus dem Zuber und aus dem Waschraum.
Abu, der Wache, die mit ihr gekommen ist, befiehlt sie, die anderen daran zu hindern, ihr zu folgen.
Sie zerrt mich über den Hof und die Treppe hoch.
Meine Versuche, mich zu entwinden, scheitern alle.
Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Nera-Ma'ta ein Tuch nimmt und uns folgen will.
Abu packt sie am Arm und hält sie auf.
Anthelia will Abu deshalb treten und er schafft es nicht, sie auch noch zu halten.
Dann hat Zalina mich so weit gezerrt, dass ich nichts mehr sehen kann.

Als wir weiter oben auf der Treppe sind, hören wir Kampfgeräusche aus dem Hof und Zalina schaut über das Geländer.
Dort bedroht Abu Anthelia und Hallah mit einem Säbel.
Ich rufe ihnen zu: Bitte hört auf! und wundere mich, was sie da machen – und warum.
Nera-Ma'ta will Abu überreden, aufzuhören, aber eine weitere Wache, Arram, tritt zu ihr und befiehlt ihr, ebenfalls nach oben zu gehen.
Abu befiehlt Anthelia und Hallah auch, nach oben zu gehen.
Das haben sie davon.

Zalina zerrt mich aufs Dach und sperrt mich in einen eisernen Käfig.
Erneut scheitere ich mit dem Versuch, mich zu wehren.
Unter anderen Umständen würde mich das stören, aber mit der Fußfessel ist mir das Eisen egal.

Dann kommen die anderen, zuerst Nera-Ma'ta, von Arram grob am Arm gepackt.
Sie versucht, Zalina zu überreden, dass alles ein Missverständnis ist.
Zalina geht nicht darauf ein und sperrt sie zu mir.
Zuletzt kommen Anthelia und Hallah, sie werden von Abu mit einem Säbel in den Käfig dirigiert.
Dann verschließt Zalina den Käfig.

Nun sitzen wir zu viert in dem Käfig auf dem Dach.
Ich bin nackt und noch nass, wie Zalina mich aus dem Zuber gezerrt hat.
Mein Arm, wo sie mich gepackt hatte, tut höllisch weh.
Nera-Ma'ta reicht mir ein Tuch, damit ich mich wenigstens bedecken kann.
Ich nicke ihr dankbar zu.

Es folgt eine kurze Diskussion darüber, wer Schuld ist, dass wir alle im Käfig sitzen.
Ich bin das Risiko bewusst eingegangen.
Warum die anderen gefolgt sind, weiß ich nicht und kann es auch nicht nachvollziehen.
Ich hätte es nicht getan.
Hallah heult, Anthelia schimpft, Nera-Ma'ta schweigt.
Wir sitzen in einem Eisenkäfig.
Lächerlich.

Es beginnt zu regnen.
Irgendwann betrachtet Nera-Ma'ta Anthelias verletzen Knöchel und spuckt darauf, um ihn zu heilen.
Es funktioniert, aber Anthelia und Hallah sind etwas irritiert.
Hallah beginnt, den Käfig zu untersuchen und im Dreck zu wühlen.
Ich weiß nicht, warum sie das tut, vermutlich ist sie einfach von der Situation überfordert.
Anthelia beginnt zu singen und Nera-Ma'ta tanzt.
Ich schließe mich Nera-Ma'ta an.
Tanzen erscheint mir das sinnvollste zu sein, was ich tun kann.
Hallah erklärt, dass sie ein kleines Ding braucht, um das Schloss zu knacken.
Nera-Ma'ta schlägt vor, das Yaya ihr dabei helfen kann, so etwas zu finden.
Leider ist Yaya zu weit weg, um den Ruf zu hören.

Irgendwann lässt der Regen nach und Wind kommt auf.
Wir frieren jämmerlich, sogar Anthelia hört auf zu singen.
Zu viert kuscheln wir uns zusammen und schlafen irgendwann zitternd ein...

Am nächsten Morgen erwachen wir vom Sonnenschein.
Die anderen drei hängen ihre Kleidung auf – ich habe nur das kleine Tuch und möchte es behalten.
Hallah gibt mir ihre Sandalen, das finde ich sehr nett von ihr.
Ich sage den dreien, sie sollten ihre Kleidung lieber anbehalten, nicht dass sie ihnen noch weggenommen wird.

Sie ziehen sich gerade rechtzeitig an, bevor Zalina mit Ruscha und Alrik kommt.
Die beiden schleppen einen Bottich und Zalina weist sie an, uns mit Wasser zu übergießen.
Erneut sind wir klatschnass.
Dann lässt uns Zalina den Käfig verlassen.

Sie führt uns in den Hof, wo wir mit einem Seil gefesselt und dann bei den Palmen abgestellt werden.

Patme saba Ahmed kommt vorbei und ist erstaunt, was mit uns passiert ist.
Sie bietet uns Essen an, ich lehne das aber ab.
Nicht, dass die Kleine noch Ärger bekommt – oder wir.
Anthelia ist deswegen jedenfalls sauer auf mich.

Ahmed Abdul ben Sharif kommt zu uns und fragt: "Ihr werdet mir keine Schade bereiten?"
Ich verneine das und dann lässt er uns von Abu wie Hunde an einer Leine aus dem Haus zerren.
Eine weitere Wache begleitet uns, ebenso wie Laila und Alrik.
Wir laufen die Straße entlang durch das Novadi-Viertel, es ist still und sauber hier.
Als wir das Novadi-Viertel ändert sich dieser Eindruck.
Die Stadt ist bunt und laut und überall sind Bilder von Mungos und Füchsen.
Wir erfahren, dass ein Fest zu Ehren von Phex gefeiert wird.
Menschenmassen sind unterwegs, währen wir zum Marktplatz laufen.

Wir kommen vor einem prächtigen Haus an und Ahmed Abdul ben Sharif meint, dass er für uns Lose gekauft hat.
Die Lose sind kunstvoll geschnitzte Holzbretter mit edlen Verzierungen.
Auf Anthelias Frage, warum er Lose für uns hat, weiß ich keine Antwort.
Ahmed Abdul ben Sharif betritt mit uns das Gebäude und drinnen sind viele gut betuchte Leute.
Früher wären viele von ihnen meine Kunden gewesen, aber heute bin ich nichts mehr.
Ansonsten laufen Diener mit Fuchsmasken durch den Raum.
Das Haus ist offenbar ein Casino, die Spieltische sind zur Seite geräumt.
In der Haupthalle ist ein großer Kelch aufgestellt.

Ich spüre, dass wie sehr es Ahmed Abdul ben Sharif quält, dass er uns die Lose gekauft hat.
Er möchte das nicht, muss aber sein Gesicht wahren und sich auf den Zirkus einlassen, der hier dargeboten wird.
Dann gibt es uns die Lose.
Hallah bekommt die 5, Nera-Ma'ta bekommt die 13, ich bekomme die 22.
Anthelia bekommt kein Los, Ahmed Abdul ben Sharif schaut sie verwirrt an und scheint erst jetzt zu realisieren, dass sie uns begleitet hat.
Hallah schafft es irgendwie, dass einer der Diener uns etwas zu Essen und zu Trinken reicht.
Das ist nach dieser Nacht auch bitter nötig.
Ahmed Abdul ben Sharif schaut sie deswegen böse an, unternimmt aber nichts.

Dann beginnt die Glücksfee an dem Kelch zu sprechen.
Mir fällt auf, dass es sich um Melyssa di Zeforika handelt, eine der schönsten Frauen Aventuriens.
Ihr Vater, der Vogtvikar von Chorhop, ist auch einer der reichsten Männer Aventuriens.

Anthelia unterhält sich mit zwei Herren, die neben uns stehen und erfährt, dass ein Los 100 Dublonen kostet.
Das ist eine Menge Geld.
Vielleicht hat Ahmed Abdul ben Sharif doch verstanden, dass wir sein Haus gerettet haben.
Sie erfährt auch, dass mit den Losen die Herren der Stadt bestimmt werden, die ein Jahr lang regieren sollen.
Anthelia meint, dass sie kein Los hat und brüskiert damit Ahmed Abdul ben Sharif.
Ich finde das beinahe amüsant.
Er hat es in gewisser Weise verdient.
Ahmed Abdul ben Sharif erklärt ihr, dass wir drei die Lose erhalten haben, weil wir das Feuer gelöscht haben und dass Anthelia nur versehentlich mit hierher genommen wurde.
Ich biete Anthelia mein Los an, aber sie lehnt ab.
Stattdessen gibt sie Hallah, ein paar Zahnstocher, um sie zu verstecken.

Melyssa di Zeforika eröffnet die Lotterie zum Tag des Glücks.
Es werden einige Posten besetzt, zuerst der oberste Kadi mit Norikoni, was den Novadis nicht passt, weil er aus ihrer Sicht ein Ungläubiger ist.
Norikoni erhält, wie die anderen auch, ein monatliches Entgeld von 100 Dublonen.
Schutzprätorin wird Fetaka, Marizia Delaplana wird Meisterin der Kloake und Leon ya Pestero Meister der Spiele.
Phex ist Hallah gewogen, denn sie wird ebenfalls eine Schutzprätorin – die Kommandantin der Stadtwache.

Hallah geht zu Melyssa di Zeforika und legt einen peinlichen Auftritt hin.
Dann erklärt sie Ahmed Abdul ben Sharif, dass sie mit ihm handeln will, um uns frei zu kaufen, aber er nimmt sie nicht ernst.
Wozu auch?
Dann kommt Leon ya Pestero zu ihr, der später noch zum Meister der Spiele gelost wird.
Er bietet Hallah an, uns freizukaufen, wenn sie ihm danach einen Gefallen schuldet.
Hallah lässt sich darauf ein.
Dummes Ding.

Leon ya Pestero und Ahmed Abdul ben Sharif verhandeln und wir wechseln erneut den Besitzer.
40 Dublonen lässt sich Ahmed Abdul ben Sharif für uns ausbezahlen – kein schlechtes Geschäft.
Dann verlässt uns Ahmed Abdul ben Sharif frustriert und meint zum Abschied "Ihr seid auf euch gestellt".
Unsere Situation ändert sich schnell.
Jetzt wird uns offen Essen angeboten und wir greifen natürlich zu.

Melyssa di Zeforika kommt zu uns und meint der Listige wäre mit uns.
Er hätte uns zunächst alles genommen und jetzt alles gegeben.
Ich weiß, dass ich Phex egal bin und die, die mir alles genommen hat, in Wahrheit Tsa ist, die ich verraten habe.
Sie lässt einen Mann kommen, der Hallah mit "Exzellenz" anspricht und uns zu ihrem Anwesen führt.

Anthelia bietet mir ihr Kleid an, aber ich lehne ab.
Sie wollte auch mein Los nicht und ich bin zu stolz.
Hallah erklärt Anthelia und Nera-Ma'ta die Situation, wir wären frei.
Ich beherrsche mich, um nicht loszulachen.
Hallah hat uns gekauft und hat uns in der Hand.
Sie erklärt auch, dass wir bei ihr wohnen werden – so viel zur Freiheit.

Das Anwesen ist nicht weit weg.
Ein schönes Stadthaus, aus Marmor gebaut, mit riesigem Portal und einem Garten.
Hallah erhält die Schlüssel und öffnet die Türe.
Drinnen begegnen wir einem Mann um die 60.
Er heißt Jasper und ist der Verwalter.
Hallah erklärt ihm, dass er sie nicht Exzellenz nennen soll.
Ich denke mir: Titel sind wichtig, ich will meinen auch wieder führen dürfen.
Anthelia stellt uns alle vor.
Jasper meint, dass noch noch 4 Männer und 2 Frauen im Haus arbeiten und Hallahs Sänfte tragen.

Hallah kommt – für mich erfreulich schnell – zur Sache und fragt Jasper, ob jemand da ist, der mir den Ring abnehmen kann.
Jasper meint, wir sollen ihm folgen und führt uns in den Stall.
Dort arbeitet ein Sklave, Privo, der diese Aufgabe übernehmen soll.
Privo bedeutet mir, mein Bein auf einem Amboss zu platzieren und benutzt Hammer und Meißel, um den Ring zu zerstören.
Er rutscht ab und rammt mir den Meißel ins Bein.
Aber der Ring ist ab.
Ich bemerke noch, dass Nera-Ma'ta mir auf die Wunde spuckt um sie zu heilen.
Dann bricht die astrale Kraft wie eine Sturmflut über mich.
Ich breche zusammen, fange an zu zittern, ich kann die Tränen nicht kontrollieren.
Ich weiß nicht, wer mich im Arm hält, als ich zitternd am Boden liege.
Ich sehe nichts, ich höre nichts, aber ich spüre, wie ich wieder in die Welt finde.

Verpflichtet

Verpflichtet

Chorhop, 11. Peraine 1020 BF

Ich komme langsam wieder zu mir, Primo hält mich fest.

Hallah reicht mir die Hand und ich stehe auf.

Ich fühle die Magie wieder und muss es wissen: Nagellack!
Mein Fingernägel glänzen wieder schwarz, meine Fußnägel auch – bis auf die beiden, die Ovartoran Zornbrecht mir vor beinahe drei Wochen ausreißen lies...
Hallah findet die neuen Fingernägel auch toll, Nera-Ma'ta wohl nicht, denn sie will kochen.

Eine Tulamidin kommt mit Kleidung zu uns und stellt sich als Tulamed vor. 
Sie hat schwarze Haare und grüne Augen (nicht so ein intensives Grün wie meines).
Eines der Kleidungsstücke ist ein türkiser Sari, wirklich ein gutes Stück, mit freiem Rücken.
Ich finde, dass Hallah diesen Sari tragen sollte und zupfe noch ein wenig daran herum, nachdem Tulamed ihr dabei geholfen hat, ihn anzuziehen.
Hallah ist diese Art Kleidung offensichlich nicht gewohnt – was hat sie nur ihr ganzes Leben lang getrieben...

Wir folgen Tulamed ins Ankleidezimmer um Hallahs Haare zu machen.
Unterwegs begegnet uns Merago, eine ehemalige Diebin.
Sie soll im Haus putzen und Tulamed meint, man muss auf sie aufpassen.
Merago fehlen drei Finger an der rechten Hand und sie trägt das horasische Zeichen für Diebe auf der Hand.
Nunja, sie hat wohl den entscheidenden Fehler gemacht, sich erwischen zu lassen.

Während Tulamed sich an Hallahs Haaren zu schaffen macht, durchsuche ich den Kleiderschrank.
Es gibt viel Kleidung, für Männer und für Frauen.
Besonders schick ist eine Paradeuniform mit dem Chorhoper Wappen.
Ich beobachte immer wieder, was Tulamed mit Hallahs Haaren macht.
Das ganze ist so unbeholfen, dass ich das nicht zulassen kann und irgendwann übernehme.
Ich weiß – im Gegensatz zu Tulamed – was ich tue und Hallah sieht sehr hübsch aus, als ich fertig bin.
Sie ist sogar selbst überrascht, als sie sich im Spiegel sieht.

Nera-Ma'ta ruft uns zum Essen, sie hat eine riesige Schale mit Obst für uns alle gemacht.
Hallah ruft Merago zu uns um mit uns zu essen.
Sie greift mit den Fingern in die Schale und ich erkläre ihr, wie man eine Gabel benutzt.
Manieren machen uns eben zu Menschen, darauf sollte man immer achten.
Merago kommt aus Kuslik, erfahren wir im Gespräch.
Sie hat Käse und Brot gestohlen und deshalb ihre Finger verloren.
So etwas unnützes, man hätte sie auch einfach als Freiwillige für einen Leidensbund nehmen können.
Ich mag es nicht, wenn auf diese Weise gesunde Körper verschwendet werden.

Als Jasper erscheint, flüchtet Merago.
Hallah spricht mit ihm und lässt in Merago zurückrufen.
Ich bin mir nicht sicher, ob das klug war – Jasper hält das Haus am Laufen und es ist sicher besser, ihn als Verbündetern zu haben denn als Gegner.

Wir unterhalten uns über Hallahs Aufgaben mit der Stadtgarde und ich erkläre Nera-Ma'ta anhand von Merago, was nun ihre Aufgabe ist.
Nera-Ma'ta fragt, ob ich die Finger von Merago nachwachsen lassen könnte.
Das kann ich leider nicht.
Aber vielleicht gelingt mir irgendwann doch so etwas.
Ich beginne, über Chimärenfinger nachzudenken...

Eine weitere Küchensklavin namens Selema kommt zu uns und schenkt uns Wein ein.
Nera-Ma'ta fragt, ob sie uns Gesellschaft leisten will, aber sie verneint.
Hallah fragt sie nach einer Pfeife und Tabak und sie bringt uns eine Shisha und zündet sie an.
Wir rauchen fröhlich vor uns hin, leider erfahren wir dann, dass "Tabak" im Haus ein Codewort für Schwarzen Pfeffer ist.
Nicht, dass ich etwas gegen Schwarzen Pfeffer hätte, aber ich werde ungern von so etwas überrascht.

Also ergebe ich mich erstmal der Illusion und sehe lauter falsche Farben.
Leicht irritiert gehen Nera-Ma'ta und ich ins Ankleidezimmer, wo Nera-Ma'ta ein weißes Kleid erhält unter dem sie barfuß gehen kann, ohne dass man es sieht.
Ich nehme das dunkle Kleid von Tulamed, ein Paar Pantoffeln und lasse mir von ihr ein Tuch um den Kopf wickeln.
Morgen kümmere ich mich um meine Haare, das ist wichtig!
Wir rauchen wieder, Merago kommt dazu und bringt Boronwein, den Nera-Ma'ta und Hallah gut leeren.
Ich bleibe beim Wein und der Shisha und schaue mir irgendwann das Haus an.

Hallahs neues Arbeitszimmer ist toll, da würde ich mich auch wohl fühlen.
Ein riesiger Schreibtisch und ein Sessel aus weichem Leder.
Im Regal liegen Papyrusrollen über die Stadtgarde, 120 Leute hat Hallah unter sich.
An der Wand hängt noch ein Bild, auf dem ein Waldmensch auf einem Elefanten eine Schneise durch einen Wald zieht.
Oben im Haus sind die Zimmer der Sklaven, Jaspers Arbeitszimmer und ein Raum, den ich mir schnappen werde – da werde ich arbeiten!
Pläne reifen, ich kann hier wieder Geld verdienen.
Es gibt auch eine Glocke im Obergeschoss, die man von unten läuten kann.
Das Haus gefällt mir: Es wurde wirklich an alles gedacht.

Die anderen beiden stehen mittlerweile gut im Stoff, so dass ich mich in das riesige Bett in Hallahs Zimmer lege.
Das ist mein Bett.
So eines wollte ich schon immer haben.
Hallah und Nera-Ma'ta werden von Tulamed und Merago zum Baden hereingeführt und ich beobachte sie.
Die beiden sind wirklich weit weg von der Welt.

Hallah überlässt mir das große Bett, aber ich lade sie ein, denn es ist Platz genug für zwei.
Ab morgen ist es dann meines.

Wir schlafen und zum ersten Mal seit Wochen fühle ich mich richtig gut.
Heute ist viel Gutes passiert und vielleicht, wenn Hallah mich wirklich freilässt, ist es auch noch nicht vorbei.

Am nächsten Morgen weckt Nera-Ma'ta mich wie ein tolles Kind.
Ich will nicht aufstehen, sehe aber irgendwann ein, dass ich das wohl tun muss.
Im Kleiderschrank sind viele Dinge zu finden, aber kaum etwas nach meinem Geschmack.
Ich nehme schließlich die Uniformhose und ein schwarzes Hemd und gehe in Hallahs Arbeitszimmer.

Dort sind Hallah, Nera-Ma'ta und Hauptfrau Dominga, die nicht sehr angetan davon ist, dass ich die Uniformhose des Schutzprätors trage.
Aber es waren keine anderen eleganten Hosen da.
Wir verabreden mit Dominga, dass wir die Wache besuchen und vorher noch Hallahs Vorgängerin.
Sie stellt uns noch eine Wache in Ausbildung zur Seite: Fiorella, eigentlich fast zu hübsch für die Stadtwache und definitiv zu vorlaut.
Mal schauen, was das wird...

Verpflichtet

Chorhop, 12. Peraine 1020 BF

Bevor wir aufbrechen, färbe ich Hallahs Fingernägel noch in den Farben des Regenbogens.
Es ist fast tragisch meine Kraft dafür aufzuwenden, aber vielleicht hält sie Wort und lässt mich doch noch frei.
Ich suche mir ein Paar Stiefel, meine zwei ausgerissenen Zehennägel sind mit zu peinlich, um Sandalen zu tragen.

Dann folgen wir Dominga zum Gardehaus.
Es ist nicht weit weg von Hallahs Anwesen und wir schauen uns um.
Das Haus ist ein einfaches Lehmgebäude, langgezogen und offenbar von vielen Leuten bewohnt.
Etliche Wachleute sind anwesen, einige haben frei und geben sich Vergnügungen hin.

Bevor wir es betreten, steckt Hallah ihre Brosche an.
Auf meine Frage, warum sie sie überhaupt abgemacht hat, erklärt sie im Tonfall der Magiedozenten der Halle der Erleuchtung, dass man mehr über die Leute lernt, wenn man nicht wie ein Grande auftritt.
Ich habe meine Zweifel an ihren Einsichten, nicht nur wegen des Dozierens.

Drinnen hält Hallah eine Ansprache.
Nachdem sie sichergestellt hat, dass sie niemand sonderlich ernst nehmen wird, besuchen wir ihre Vorgängerin.
Die reist gerade ab und packt ihre Sachen.
Das Zimmer, in dem wir sie finden, ist voller Rauchschwaden.
Hallah macht als erstes die Fenster auf, so dass man wenigstens etwas sehen kann.
Mir tränen die Augen, so stickig ist die Luft.

Der Raum ist nicht nur verqualmt, sondern auch unordentlich, Tintenflecke sind auf dem Boden.
Hier hat jemand eher gewütet als gearbeitet.
Dazu stehen überall Schnitzereien.
Die stammen von Hallahs Vorgängerin, wie wir erfahren.

Sie rät Hallah, alles Dominga zu überlassen und nur das Geld einzusacken.
Das klingt in meinen Ohren vernünftig.
Also nach genau dem Gegenteil dessen, was ich mittlerweile von Hallah erwarte.
Wir erfahren auch, dass Hallah jede Woche an den Ratssitzungen teilnehmen muss.
Dazu darf Hallah bis zu vier Berater mitnehmen.
Ich sehe Arbeit auf mich zukommen.
Arbeit, die ich einerseits nicht will und für die ich andererseits nicht bezahlt werde.
Sie gibt Hallah auch noch einen Auftrag.
Im Hafen gibt es einen Bretterverschlag, den Hallah entfernen lassen sollte – wegen der "Brandgefahr".
Das klingt noch sonderlich seriös, da ist bestimmt irgendeine krumme Geschichte verborgen...

Dann will sie los, zum Hafen und ihr Schiff erreichen.
Sie meint, sie hat sich Feinde gemacht, weil sie nicht alles so gemacht hat, wie bestimmte Leute es wollten.
Zum Abschied erhält Hallah zwei Dinge von ihr – sie identifiziert Hallah als Straßengöre und schenkt ihr eine selbst geschnitzte Pfeife.
Die Pfeife würde ich auch nehmen und mit der Straßengöre hat sie einfach nur recht.
Uns andere bezeichnet sie als Hallahs Harem.
Naja, es gibt schlimmeres, das ich mir in den letzten Wochen anhören musste.

 Achja, amüsant ist, dass Fiorella erst jetzt Anthelias Hörnchen aufgefallen sind.

Sie meint, sie sei an Nichtmenschen gewöhnt, aber als wir nach Beispielen fragen, wird es schnell dünn.
Naja, sie ist halt ein junges Ding, die Fiorella.
Es gibt eine Debatte über Schuld und Unschuld, was der Kadi entscheidet und wo der Vogtvikar zustimmen muss.
Sicher nützlich zu wissen, aber gerade sehr langweilig für mich.
Jedenfalls meint Fiorella, dass sie sehr stolz auf die Stadt ist.

Da Hallah sich die Stadt unauffällig anschauen will, soll Fiorella sich umziehen.
Ich bin gespannt, was das wird.

Während wir warten, kommt ein 2 Schritt großer Hühne zu uns, der sich an Nera vorbeischiebt als wäre sie nicht da.
Dass alle prinzipiell davon ausgehen, sie sei eine Sklavin, könnte noch sehr nützlich werden.
Das ist wirksamer als jeder Visibili.
Der Mann stellt sich als Rodero vor.
Er ist Gruppenführer bei der Garde und bietet Hallah an, sie im Waffengang auszubilden.
Hallah lehnt ab und haut ganz schön auf den Putz.
Mich würde schon mal interessieren, wie viel sie wirklich kann.
Dann bietet er uns eine Führung durch das Gardehaus an, die Hallah mit dem Hinweis auf die Stadtbesichtigung ablehnt.

Als er sich verabschiedet, versucht Anthelia mit ihm zu flirten.
Das geht gründlich schief, ich denke ich werde ihr mal ein paar Tricks beibringen.
Just in dem Moment kommt ein Junge herein, er trägt einen Turban und hat zu zusammengewachsene Augenbrauen.
Er stellt sich als Tukko vor und ist Hallahs Botenjunge.

Ich frage, wo man Briefe versenden kann.
Ein Beilunker Reiter wäre sehr nützlich für mich.
Er meint, sowas gäbe es in Chorhop nicht, ich sollte stattdessen meine Briefe mit den Kapitänen versenden.
Nunja, mal schauen, wie gut das funktioniert.

Nera ruft inzwischen nach Fiorella.
Sie hat sich umgezogen.
Ein fürchterliches Kleid, eher für eine zwölfjährige als für eine angehende Frau.
Das Rapier hat sie natürlich trotzdem umgegürtet.
Sehr unauffällig, die kleine Fiorella.

Da niemand weiß, was wir uns anschauen sollten, schlage ich vor, Schneider abzuklappern, Schmuckhändler und die örtlichen Heiler.
Die Kombination schein zumindest Hallah zu irritieren, aber Marktsondierung und Auswahl von Geschäftspartnern will geplant sein.

Dann brechen wir auf.
Vor der Wache ist ein  Prangerplatz.
Aktuell ist dort ein junger Moha eingeschlossen.
Natürlich unterhalten wir uns mit ihm.
Er hat zwei Äpfel gestohlen, weil er Hunger hatte.
Hallah will ihn befreien.
Ich rate davon ab.
Unauffällig und so.
Das ist ihr egal.
Nera nimmt ihm das Versprechen ab, zu warten, nachdem Hallah das Schloss geknackt hat.
Der Junge stimmt zu, Hallah knackt das Schloss und der Rotzbengel rennt einfach los.
Ich schüttele den Kopf und weiß nicht, wer von beiden dümmer ist...

Nach dieser unglaublich unauffälligen Aktion gehen wir weiter zum Markt.
Anthelia fragt Hallah, ob wir dort etwas stehlen.
Wo bin ich nur hineingeraten...
Satinav möge dieses Jahr schnell vergehen lassen!

Auf dem Markt ist viel los.
Anthelia will Flachs kaufen, um eine Schleuder zu basteln.
Fiorella führt uns zur teuersten Schneiderin im Ort, die allerdings nur Spitzenwäsche herstellt.
Ich werde sie definitiv noch aufsuchen, aber nicht heute.
Also gehen wir zum zweitbesten Schneider, Alriksander von den Zyklopeninseln.
Das Angebot im Laden ist riesig, aber beinahe ...antik.

Ein kurzes Gespräch mit Alriksander zeigt, dass er nicht der richtige für mich ist.
Er kenn den Codex nicht und kann mit meinen Wünschen nicht viel anfagen.
Insbesondere, dass ich Ramiestoff haben will, stößt bei ihm auf völliges Unverständnis.
Da aber Anthelia unbedingt einen zyklopäischen Mantel haben möchte.

Das Gespräch mit ihm ist ganz amüsant.
Anthelia will unbedingt einen weißen Mantel.
Er meint, dass stünde ihr gar nicht – ich stimme dem zu.
Er bietet ihr ein hellblaues Kleid, sie besteht auf einem weißen Mantel.
Am Ende soll es ein hellblauer Mantel werden.

Wir warten darauf, dass Alriksanders Gesellen bei Anthelia Maß nehmen.
Währenddessen skizziere ich ihm noch einmal, was ich mir vorstelle und er meint, dass er so etwas aus Seide herstellen könnte.
Da Hallahs Anzahlung für Anthelias Mantel mehr als großzügig war – zwei Dublonen –, lasse ich auch noch Maß nehmen.
Einen passenden Hut sichert er mir auch zu.
Natürlich alles in schwarz, mit weißen Borten abgesetzt.

Als wir den Laden verlassen, ist Nera wegen der Leute irritiert.
Eine Stadtgarde, die nicht die Leute schützt, ein Schneider, der nicht schneidert was man will.
Sie möchte jetzt gerne Sklaven befreien oder Kindern Äpfel geben.
Beides halte ich für wenig zielführend, solche Dinge muss man langfristig angehen.
Aber ich merke schon, dass meine neuen Gefährtinnen eher kurzfristig orientiert sind.
Die jahrelange Schule der Magie, in der man lernt, monatelang über einem Zauber zu brüten, der dann nach einer Ewigkeit zum ersten Mal funktioniert, kennen sie nicht.
Geduld ist ihre Sache nicht.

Wir diskutieren, wo wir als nächstes hingehen und streichen den Schmuckhändler von der Liste.
Stattdessen schlage ich vor, dass Fiorella uns einfach geradewegs durch die Stadt führt und auf alle relevanten Orte hinweise.
Sie führt uns als erstes noch einmal zum Haus des Listigen, das wir zwecks einer Spende auch noch einmal betreten.
Hallah spendet Geld, Anthelia Zahnstocher, Nera-Ma'ta eine Feder – ich habe im wahrsten Sinne des Wortes nichts, was ich spenden könnte.
Ich werde es nachholen, Phex möge mir verzeihen.
Zu Anthelias Enttäuschung wird das Haus heute als Casino genutzt und es gibt keine Häppchen mehr.

Als wir weiter durch die Stadt gehen, frage ich Hallah, ob ich mir ihr Briefpapier borgen kann.
Ich möchte zwei Briefe schreiben und, nach Möglichkeit, mit ihrem Siegel versenden.
Anthelia möchte zukünftig auf der Terasse schlafen, weil ihr das Bett zu weich ist.
Hallah findet meine Idee nicht gut, ihr Arbeitszimmer als Behandlungszimmer zu verwenden – dabei hat sie ja im Gardehaus noch ein Büro.
Dann kommt Fiorella auf die Idee, sie möchte auch in Hallahs Haus einziehen, immerhin ist sie ja Leibgarde.

Während dieses Gesprächs laufen wir weiter in Richtung Hafen.
Wir kommen an einem Pfandhaus vorbei, ein sehr interessanter Laden, den ich mir unbedingt anschauen muss.
Hallah meint das auch.
Am Hafen sehen wir die große Werft des Vogtvikars.
Das Wasser stinkt gewaltig, es ist unangenehm, sich hier aufzuhalten.
Hoffentlich falle ich nie in dieses Wasser.
Fiorella zeigt mir noch das Büro des Hafenmeisters, wo ich Briefe aufgeben kann.

Wir laufen in Richtung Fluss und kommen an einem Efferdzeichen vorbei, das aus Treibholz gebaut wurde.
Chorhop ist vermutlich die einzige Hafenstadt Aventuriens ohne Efferdtempel.
Es wird heißer und Anthelia nutzt ihr Tuch jetzt als Kopftuch und läuft barbusig durch die Stadt.
Die Leute starren sie an, aber das scheint ihr egal zu sein.
Uns gegenüber preist sie die Vorzüge eines zyklopäischen Mantels.
Sie ist wirklich seltsam.

Fiorella zeigt uns diverse Etablissements, unter anderem ein Spielhaus für Matrosen namens 6 Kelche.
Sie zeigt uns auch den Palast, in dem die wöchentlichen Ratssitzungen stattfinden.
Wir überqueren den Fluss und nähern uns dem Armenviertel auf der Südseite.
Das Viertel hier wird offensichtlich regelmäßig überflutet.
Die Holzhütten sind alle ärmlich, stehen aber noch nicht lange.
Ich frage mich erneut, warum man keinen Efferdschrein errichtet.

Fiorella zeigt auf ein Haus, das aus der Menge heraussticht.
Es ist ein Fachwerkhaus, das sehr gut gepflegt ist.
Sie erklärt mir, dass da der beste Heiler Chorhops lebt und arbeitet.
Den muss ich aufsuchen, Anthelia will mich begleiten.
Das Haus ist innen sehr gut ausgestattet, fast noch besser als Meister Illorius' Labor.
Ein kleiner Mann kommt hinter einem Tresen hervor – ein Grolm, auch das noch.
Wir unterhalten uns und ich zeige ihm meine beiden Zehen, wo mir die Fußnägel fehlen.
Er bietet mir eine Salbe an.
Wenn das der beste Heiler der Stadt ist, werde ich hier reich.
Er befragt mich nach meiner Herkunft und ich bejahe, dass ich aus Al'Anfa komme.
Auch mein Magiersiegel erkennt er und ich erfahre, dass er Meister Illorius kennt.
Als ich ihm sage, dass ich keine Salbe kaufen will, meint er, ich würde seine Zeit verschwenden und wir verabschieden uns.
Ja, wenn das hier die Konkurrenz ist, werde ich gutes Geld machen.

Drausen hat sich Nera ans Flussufer gesetzt und lässt die Füße ins Wasser baumeln.
Das wäre mir zu eklig, aber sie läuft auch die ganze Zeit barfuss durch die Gegend.
Als Hallah mit Fiorella zurückkommt, meint Nera, dass sie Hunger hat und nach Hause zurück möchte.
Das finde ich gut, weil ich meine Briefe schreiben muss.
Fiorella meint, wir sollten ins tulamidische Badehaus gehen, um uns verwöhnen zu lassen.
Und Hallah entscheidet das wir dem Vorschlag folgen.
Nunja, es bleibt eine Hierarchie.


Fiorella führt uns zum Novadiviertel und dann erreichen wir das Badehaus.

Verpflichtet

Chorhop, 12. Peraine 1020 BF, Nachtrag

Unterwegs ist Fiorella besorgt, dass wir abhanden kommen, das wiederum macht Nera misstrauisch.
Sie ist auch gar nicht von der Idee mit dem Badehaus angetan, weil sie befürchtet, dass wir dort den Frauen von Abdul begegnen könnten.
Ich sehe darin kein Problem, aber wer weiß schon, was Nera sich so überlegt...

Bevor wir das Badehaus betreten möchte Anthelia unbedingt noch Flachs kaufen.
Sie erklärt, dass sie daraus Schleudern und Taschen basteln will und ich frage mich, warum sie solche Dinge nicht einfach fertig kauft.
Es werden insgesamt vier Bündel Flachs, die Hallah bezahlen soll.
Sie weiß aber auch nicht, was Anthelia damit anstellen will und stellt die Fragen, die ich mir auch schon überlegt habe.
Nachdem Hallah den Flachs bezahlt hat, trägt Anthelia die Bündel stolz auf ihren Armen, bis Hallah ihr eine Schnur gibt, mit der sie sie auf den Rücken binden kann.

Wir gehen zum Badehaus zurück und Fiorellaa führt uns zum Fraueneingang.
Hallah bezahlt den Eintritt und bestellt auch Schreibzeug für mich.
Das gibt es zunächst nicht, ebensowenig wie etwas zu essen.
Das ändert sich schlagartig als Hallah ihre Brosche zur Aufbewahrung übergibt.
Plötzlich ist sie wieder die Exzellenz und uns wird alles, was wir benötigen, zugesichert.

Essen gibt es in Form von Früchten und Fladenbrot.
Hallah ist nicht begeistert, aber wir anderen sind zufrieden.

Wir erhalten markierte Holzstäbchen.
Nera befürchtet, dass es wieder eine Verlosung gibt, es sind aber nur Markierungen für die Körbe, in denen unsere Kleidung aufbewahrt wird.
Wir gehen in die Umkleide und tauschen unsere Kleidung gegen Badetücher.

Dann gehen wird ins Bad und ich muss eine makabere Szene ertragen, bei der Anthelia, Nera und Obsalat die Hauptrollen spielen.
"Das wird ein anstrengendes Jahr" seufze ich, Nera meint, dass sie das auch denkt.
Ich denke, wird sind zwar einer Meinung, aber aus sehr unterschiedlichen Gründen.

Während wir im Bad sitzen, beobachten wir die Frauen um uns herum.
Ich sehe etliche sehr gepflegte Damen, einige tragen edlen Schmuck und mit mindestens ebenso viel Stolz ihren Wohlstandsspeck.
Ich denke mir, dass das alles potentielle Kundinnen sind und sage vor mich hin, dass ich da zukünftige Geschäfte sehe.
Anthelia und Nera verstehen das falsch – sie haben kaum etwas von dieser Welt verstanden, aber dass manche Leute vom Geschäft sprechen, wenn sie den Abort besuchen, das kennen die beiden.

Nachdem dieses Missverständnis ausgeräumt ist, unterhalten wir uns über Schmuck.
Ich meine, dass ich früher auch welchen getragen habe, woraufhin Anthelia das Loch in meiner Nase begutachtet.
Fiorella bietet an uns einem Schmuckhändler vorzustellen, der auch Piercings macht.
Sobald ich über eine eigene Barschaft verfüge, wird das mein erster Anlaufpunkt sein.

Eine Sklavin führt uns dann in eine private Nische.
Der Raum ist aus Marmor gebaut, mit Holzvertäfelung und enthält ein Becken für fünf Personen.
Anthelia hüpft ins Wasser – sie kann sich einfach nicht benehmen.
Nera folgt ihr, Hallah und ich setzen uns an den Rand.

Wir unterhalten uns und ich muss Hallah, die sonst alles über das Leben weiß, tatsächlich erklären, warum Sklaven ängstlich reagieren, wenn man sie nach ihrem Namen fragt.
Die Sklaven heißt Naomi – nicht, dass das relevant wäre, aber @Hallah ist es wichtig.

Wir sprechen über Sandalen und Magie, ich erkläre ein bisschen von dem, was ich kann.
Dann meint Anthelia, sie könne Luft gut riechend machen.
So nützliche Sachen kann ich natürlich nicht.
Von Fiorella erfahren wir, dass es unter der Stadt eine alte Kanalisation gibt, die wurde von Jahrhunderten aufgegeben, ursprünglich von Grolmen erbaut wurde.
Ansonsten nervt Fiorella einfach nur.
Sie biedert sich Hallah mehrfach als Freundin an und möchte Geld von ihr.
Offenbar versteht Fiorella nicht, dass sie nur als Leibwache für Hallah abgestellt ist.
In der Zwischenzeit hat die Sklavin mir Schreibzeug gebracht und ich kann endlich die beiden Briefe schreiben.

Der erste Brief ist an meinen alten Meister Magister Illorius Heltoritan gerichtet.

An den hochgeschätzten
Magister Illorius Heltoritan
A'Anfa

Werter Magister Illorius,

Euch ist sicherlich zu Ohren gekommen, dass ich Mitte Phex überstürzt die Stadt verlassen musste.
Daher ist meine Tantieme für den Monat ausgeblieben.

Ich bitte ergebenst um Verzeihung für die daraus folgenden Umstände.
Leider war ich als Resultat der Abreise einige Wochen nicht arbeitsfähig.

Die Tantieme werde ich euch inklusive des üblichen Zins zukommen lassen, sobald es meine Situation mir erlaubt.
Das sollte Ende Ingerimm, spätestens im Rahja der Fall sein.

Mit ergebensten Grüßen

Adamana Ladellantar,
Adepta minor

Der zweite Brief ist für meine gute Freunding Vaya saba Setareh.

An Adepta Major
Vaya saba Setareh
Al'Anfa

Liebe Vaya,

bitte entschuldige, dass ich nicht zu unserem Treffen kommen konnte.
Die Umstände ließen es nicht zu, vielleicht hast du davon erfahren.

Ich werde wohl auf absehbare Zeit nicht nach Al'Anfa zurückkehren und wollte dich bitten, meine Sachen auf die Reise zu schicken.
Die Miete für mein Zimmer ist noch bis Ende Rahja bezahlt und mein Vermieter ist ein ehrlicher Mann.
Daher denke ich, dass du alles noch vorfinden wirst.
Ich bräuchte die Bücher, die ich dir gezeigt hatte, und die kleine Schatulle.
Und alles an Kleidung und Schmuck, was du finden kannst.

Schicke bitte alles an den Sitz des Schutzpärtors der Stadtwache von Chorhop.
Die Unkosten kannst du über den üblichen Weg begleichen.
Wenn du Lust auf eine andere Welt hast, bist du herzlichst hierher eingeladen.
Ich vermisse dich.

Ich danke dir und sende dir Grüße und Küsse

Adamana

Hallah berichtet, welche großen Pläne sie für die Stadt hat.
Ich meine, sie sollte dann nicht jeden am Pranger befreien, weil sie das davon abhält, die Pläne umzusetzen.

Hallah siegelt die Briefe mit der Brosche und will vorher noch wissen, was drin steht.
Ich biete ihr an, sie zu lesen, da ich das für unkrisch halte.
Sie meint, ich soll es ihr einfach nur sagen.
Vielleicht kann sie gar nicht lesen und hat es immer nur behauptet?

Als wir das Badehaus verlassen, will Anthelia noch einmal auf den Markt.
Sie will Hölzer kaufen und überredet Hallah, mitzukommen, weil ich auch einen neuen Zauberstab benötige.
Einen Zauberstab finde ich nicht, aber ich weiß nun aus welchem Holz mein neuer Zauberstab sein soll: Ebenholz.
Die Bäume sind sehr selten, daher muss ich wohl noch etwas warten, bis ich einen passenden Baum finde.

Danach gebe ich meine Briefe im Haus der Kapitäne ab.
Hallah möchte noch ins Pfandhaus.
Die Besitzerin namens Fini hat nur einen Arm und ist Zyklopäerin.
Im Keller gibt es wohl einige spezielle Dinge zu kaufen – vielleicht sogar Sklaven –, die darf man aber nur auf Einladung beschauen.
Die Einladung gibt es nur auf Empfehlung durch einen anderen Kunden.

Hallah kauft  eine Drehleier, währen dich die Schmuckauslage in einer Vitrine bewundere.
Andere interessante Sachen kann ich nicht finden.
Ich frage nach Chirurgiebesteck und Magierstäben.
Beides gibt es nicht bis Anthelia uns die Türe zum Keller öffnet in dem sie klar macht, dass Hallah zu genau der Obrigkeit gehört, mit der Fini keinen Ärger haben möchte.
Fini führt uns in ihren Keller und dort in einen Raum mit einem Tisch.
Sie stellt sich auf die andere Seite, hier werden ganz offensichtlich "Sachen" verkauft.
Fini will dass Hallah nicht in ihre Geschäfte interveniert, wenn sie uns etwas verkauft.
Hallah fragt mich nach meiner Meinung und ich stimme zu.
Zwar denke ich, dass Fini irgendetwas großes und geheimnisvolles vor uns verbirgt, aber das ist zu erwarten.
Ich denke nicht, dass sie eine Bedrohung ist.

Wir willigen ein und Hallah erhält einige Dietriche zur Auswahl.
Mir bietet Fini mehrere Zauberstäbe an, die sind aber alle nur armlang – ich hätte gerne wieder einen einen Zauberstab meiner Größe.

Nachdem das alles erledigt ist, kehren wir in Hallahs Domizil zurück.

Verpflichtet

Ende

Adamanas Bericht aus Chorhop endet hier, da sich die Gruppe aufgelöst hat.

Das Ereignis bedaure ich sehr, da ich die die Runden mit Nera, Hallah und Anthelia sehr genossen habe.

Adamanas Leben wird noch eine Weile weitergehen, der Epilog ist schon geschrieben...

Epilog

Epilog

A'Anfa, 12. Phex 1042 BF

"Adamana, Kind, du bist da."

Er liegt auf dem Bett, der Alte, dem ich so viel zu verdanken habe und den ich so sehr hasse.
Er ist grau geworden und faltig. Aus trüben Augen schaut er in meine Richtung.
Sieht er mich noch oder hat er mich an meinen Schritten erkannt?
Nachdem er so oft Lebensjahre von Sklaven auf ihre Herren übertragen hat, war er doch nicht in der Lage, sein eigenes Leben zu strecken.

"Ich hielt es für meine Pflicht, zurückzukehren."
Mein Blick ruht auf diesem alten Körper.
Ich kann mich nicht überwinden, ihm zu sagen, dass ich mich von ihm verabschieden will.
Es zerreißt mich, wenn ich ihn sehe.
Er hat mir alles beigebracht, doch wünschte ich dass ich einen großen Teil meiner Fähigkeiten nie gelernt hätte.

Illorius hat mir beigebracht, wie ich Magie nutze, um einen Körper neu zu gestalten.
Er hat mich gelehrt, Verletzungen von einer Person mit Hilfe von Magie auf eine andere zu übertragen.
Und er hat mich gelehrt, das gleiche auch für Lebensjahre zu tun.
Ich war die einzige, der er das jemals beigebracht hat.
Sein Lebenswerk, wie er mir damals erklärt hat.
Die Modifikation eines solchen Rituals ist eine Leistung, die ich damals nicht verstanden habe.
Heute verstehe ich es.
Respektieren kann ich es umso weniger.

Da liegt er, mein alter Meister.
Er hat Kinder benutzt, um das Leben von Leuten zu verlängern, die es sich leisten konnten.
Die Lebensjahre von Sklaven, die ihr Eigentum waren, hat er für horrende Summen ihren Herren gegeben.
Wie oft haben Illorius Schüler, zu denen ich auch gehört habe, dann die toten Körper dieser Sklaven verbrannt.
Alt, ausgemergelt, nur noch Haut und Knochen.

Mit einem Ächzen hebt er seinen Arm in meine Richtung.

"Adamana, Kind, gib mir deine Hand."
Seine Stimme ist ein flüsterndes Krächzen.

Ich ziehe einen Schemel neben sein Bett, setze mich und reiche ihm meine Hand.
Ich will ihn nicht berühren, aber ich kann nicht anders.
Ich schulde es ihm.
Sein Daumen beginnt, meinen Handrücken zu streicheln, wie er es getan hat, als ich noch klein war und Trost brauchte.

Heute brauche ich keinen Trost mehr.
Ich wende das, was er mir beigebracht hat, nicht mehr an.
Ich weiß heute, wie ich heilen kann, ohne die Lebenskraft von anderen zu verwenden.
Es kostet mich immer etwas, aber das gebe ich freiwillig.
Ich bin niemandes Sklavin.
Nicht mehr.

Da liegt er, mein alter Meister und starrt aus blinden Augen in die Richtung, in der er mich vermutet.
Der Atem rasselt aus seinem Körper.
Ich kann ihm nicht mehr helfen, selbst wenn ich es wollte.
Und ich will es nicht.

"Adamana, Kind, ich muss dir etwas sagen."
Zwischen den Worten macht er immer wieder Pausen.
Es kostet ihn viel Kraft, zu sprechen.

"Sprich", antworte ich.
Bin ich neugierig?
Oder lasse ich es einfach über mich ergehen, als letzte Pflicht gegenüber einem Herrn, der nicht mehr der meine ist?

Er hält immer noch meine Hand und ich spüre, dass seine Magie versucht, die Kraft für seine letzten Worte von mir zu nehmen.
Ich lasse meine Kraft in diesen alten Körper fließen.
Heute habe ich die Kontrolle, nicht wie damals.

Er atmet ruhiger, seine Stimme wird etwas fester.

"Adamana, du kamst zu mir, bevor du geboren wurdest.
Du solltest die Quelle der Lebenskraft sein, die ich auf andere übertrug.
Das war der Wunsch deiner Mutter, als sie mir das Ei gab, in dem du warst.
Aber ich konnte es nicht.
Ich konnte dich nicht anrühren.
Deshalb mussten so viele sterben.
Es tut mir leid."

Ich entreiße ihm meine Hand.
All die Jahre war ich…
Was bin ich?
Wer bin ich?
Warum hat er mir das nicht früher gesagt?
Ich konnte mich als Kind nicht daran erinnern, was vor meinem zehnten Geburtstag passiert ist, weil ich eigeboren bin.
Weil es vor diesem Tag kein Leben gab, an das ich mich hätte erinnern können.

Mein Kopf rauscht, mir wird schwindlig.
Ich hätte es sein sollen, die Quelle für die Lebensjahre der Granden.
Ich hätte die Wunden der Verletzten tragen müssen.
Ich hätte es sein sollen.
Bis heute habe ich gehasst, weil er mich benutzt hat.
Hasse ich ihn jetzt, weil er mich nicht benutzt hat?
Hasse ich ihn überhaupt noch?
Mir wird schlecht und ich übergebe mich.
Alles dreht sich.
Ich glaube ich schwanke, stolpere über den Schemel, auf dem ich eigentlich noch sitze.

Dann ist alles schwarz.


Es müssen Stunden vergangen sein, als ich wieder erwache.
Illorius atmet nicht mehr.
Mein alter Meister ist tot.
Ich möchte ihn noch so vieles fragen, aber diese Gelegenheit ist vorüber.
Heiße Tränen rinnen mir über das Gesicht, aber das spielt keine Rolle mehr.
Das letzte, was er in seinem Leben getan hat, war der schlimmste aller Zauber.
Ein Zauber, der gänzlich ohne Magie daherkommt, weil er an meiner Seele frisst.
Ich hätte es sein sollen, der er Lebensjahre entzieht, nicht die Sklaven, nicht die Kinder.
Meine Lebensjahre erschöpfen sich nicht.
Wie soll ich damit leben?

Ich werfe einen letzten Blick auf Illorius’ toten Körper.
Ein tiefer Atemzug, dann verlasse ich das Zimmer und das Haus.
Die Mittagssonne blendet mich kurz und ich schirme meine Augen vor ihren warmen Strahlen ab.
Die Sonne, ich werde sie jeden Tag sehen.
Ich lausche dem Treiben der Stadt, den Kindern, den Händlern, so vielen, denen ich etwas geben kann.
Ich atme den Duft des Lebens ein, eines Lebens, das viel geben kann.
Dann lächle ich das Lächeln einer Eigeborenen.

Anhang