andere Geheimnisse

Wir schlüpften hinein und gelangten in eine natürliche Höhle. Die Luft war hier feuchter, und von weitem war bereits ein leises, stetiges Rauschen von Wasser zu hören. Doch der Weg war nicht frei. Ein klebriges, weißes Gespinst überzog die Wände: ein Spinnennest. Als die achtbeinigen Jäger aus den Schatten krabbelten, zog Amir sofort seinen Schlagring. Callan rief uns zu, wir sollten die Tiere verschonen und sie nur vertreiben, doch Amir hörte nicht auf sie. „Amir lässt sich nicht einwickeln! Amirs Leben ist wertvoller als das von Krabbelviechern!“, zischte er und schlug zu.

Im Kampfgetümmel wurde Amarosch von einer der Spinnen gebissen. Als die letzte Kreatur im Staub lag, eilte Amir sofort zu dem Zwerg. Mit besorgtem Blick untersuchte er die Bisswunde. „Amir schaut nach dem Gift. Wenn der Zwerg blau wird, ist das schlecht für die Gruppe“, sagte er und atmete erleichtert auf. Phex sei Dank – die Wunde war sauber, kein Gift war in Amaroschs Adern gelangt.

Wir setzten unseren Weg fort, bis wir das Ende der Höhle erreichten. Doch dort blieb Amir das Herz stehen. Ein donnernder Wasserfall stürzte direkt vor dem Ausgang herab und bildete einen Vorhang aus schäumender Gischt. Für jemanden, der das Meer und die Tiefe fürchtete, war dies die Hölle.

„Nein! Amir geht zurück! Amir läuft lieber durch zehn Statuen-Hallen als durch dieses Wasser!“, rief er panisch und wollte bereits umkehren. Seine Knie zitterten, und das Bild des bleichen Auges aus seinem Traum flackerte vor seinem geistigen Auge auf. Doch dann spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Jemand sprach beruhigend auf ihn ein, eine Stimme, so sanft, dass Amir in seinem Schock gar nicht registrierte, wer es war. Wie in Trance ließ er sich führen. Gemeinsam schlüpften sie hinter dem Wasserfall vorbei. Das kalte Wasser peitschte gegen seine Kleidung, und Amir wurde klatschnass, doch er erreichte das rettende Ufer des Sees vor der Binge.

Die Gruppe machte am Seeufer Rast, um die Kleider zu trocknen und Atem zu holen. Amir saß zitternd im Gras, als das Unfassbare geschah: Ohne Vorwarnung schoss ein Arm aus flüssigem Wasser aus dem See, packte Myrkon und riss den kräftigen Krieger mit einem Ruck unter die Oberfläche.

Die Panik schlug bei Amir mit voller Wucht zu. „Das Wasser! Es kommt uns holen!“, schrie er. Sein Überlebensinstinkt übernahm das Kommando. Er rannte los, so schnell ihn seine flinken Beine trugen, weg vom See, weg vom Tod. In seiner blinden Angst geschah etwas Seltsames: Seine Magie, die er sonst so mühsam kontrollieren musste, brach intuitiv hervor. Mitten im Lauf verschwammen seine Umrisse, bis er für das Auge völlig unsichtbar wurde. Er war nur noch ein Windhauch, der durch das Unterholz floh.

Es dauerte lange, bis Amir wieder zu Sinnen kam. Er hockte in einem Gebüsch, die Unsichtbarkeit war längst abgeklungen. Schließlich knackten Zweige, und Myrkon – durchnässt, aber lebendig – fand ihn. Der Krieger hatte das Elementar wohl vertreiben können.


Revision #1
Created 2026-05-14 13:27:59 UTC by Silas
Updated 2026-05-14 13:29:55 UTC by Silas