Twergenhausen Am nächsten Morgen trieben wir die gefesselte Bande vor uns her bis nach Twergenhausen. Der dortige Büttel nahm die Piraten mit grimmigem Vergnügen entgegen. Während die Kerle in die Zellen geschleift wurden, spuckten sie noch eine letzte Information aus: Der Hehler, dem sie die Bücher verkauft hatten, sei ein Südländer gewesen – vermutlich ein Tulamide mit dunkler Haut und weiter, fremdartiger Kleidung. Einen Namen kannten sie nicht. Amir, der seine Ohren immer am Boden des Marktes hatte, ließ beiläufig fallen, dass in Twergenhausen reger Handel mit Koschbasalt getrieben wurde. Er beobachtete amüsiert, wie Callan bei dieser Erwähnung merklich zusammenzuckte – magieresistentes Gestein war für ihre Zunft schließlich alles andere als ein angenehmer Nachbar. „Amir ist großzügig“, sagte der Halbelf mit einem schiefen Lächeln und reichte Callan seinen Anteil am Kopfgeld für die Piraten: zwei glänzende Dukaten. Er konnte es sich leisten, schließlich wogen die 700 Dukaten in seinem geheimen Versteck deutlich schwerer. Der Weibel von Twergenhausen erklärte uns zudem, dass man in Albenhus händeringend nach Kopfgeldjägern suche, da die Flusspiraten zu einer echten Plage für den Handel geworden seien. Zum Mittagessen kehrten wir in eine Taverne ein. Myrkon, offenbar in Spendierlaune, lud die gesamte Gruppe ein. Zwischen Braten und Dünnbier schnappten wir weitere Neuigkeiten auf: In Albenhus, nahe dem Ingerimmtempel, gab es einen angesehenen Edelsteinhändler namens Alfiwir. Amirs Augen funkelten bei dieser Information kurz auf – eine perfekte Adresse, um die zwei „besonderen“ Steine aus der Zwergenbinge zu Gold zu machen. Vom tulamidischen Hehler fehlte in Twergenhausen jedoch jede Spur. Amir sah Callans besorgte Miene und rückte mit seinem Wissen heraus: „Amir weiß, dass Albenhus das Stapelrecht besitzt. Jede Ware, die den Fluss passiert, muss dort angeboten werden. Vielleicht liegen die Bücher der Dame mit dem Hut bald auf einem legalen Marktstand?“ Es war ein Hoffnungsschimmer, auch wenn Callan bezweifelte, dass ihre speziellen Folianten als normale Handelsware galten. Doch Amir war noch nicht fertig. Er war für eine Weile in den schattigen Ecken der Stadt verschwunden und kehrte mit einem Tipp zurück: „Wenn man in Albenhus Leute treffen will, die Dinge verkaufen, die sie nicht besitzen sollten, dann ist der ‚Honigtopf‘ die richtige Schenke.“ Wir setzten unsere Reise flussaufwärts fort. Der Weg war mühsam, die Beine wurden schwer, und der Wind vom Großen Fluss blies uns beständig entgegen. In dem kleinen Ort Weidleith hörten wir Gerüchte über die Mündung der Galebra. Dort solle ein mystischer Ort liegen, an dem sich Druiden zu geheimen Zusammenkünften träfen. „Amir hat genug von Druiden und wandelnden Bäumen“, stellte er klar und blickte zu den anderen. Die Gruppe war sich einig: Der mystische Ort blieb links liegen. Unser Ziel war Albenhus – die Stadt des Stapelrechts, der Edelsteine und des „Honigtopfs“.