Greifenfurt
Greifenfurt, 24. Phex
Die letzten Tage waren ereignisreich und aufwühlend.
Wir haben Greifenfurt in einem schlimmeren Zustand vorgefunden, als wir es erwartet haben.
Die Stadt liegt in Trümmern und wir haben bislang nur wenig gefunden, dass sich zu retten lohnt.
Eine kleine Schar Kinder, die Lancorian im Keller seines Etablissements verborgen hält. Ansonsten bloß ein paar Bewohner der Stadt, die größtenteils für die Orks Sklavenarbeiten verrichten.
Lancorian muss ein mächtiger Illusionist sein, hält er doch tagein tagaus mehrere beeindruckende Illusionen aufrecht. Zuerst haben wir ihn über einen Opportunisten gehalten, der hier mit den Orks paktiert. Glücklicherweise konnte er unseren Irrtum früh genug aufklären, bevor Yara und Jagwida ihm schaden konnten.
Die Kinder stehen unter der Obhut von Fildorn Federfuß, einem seltsamen, gedoch überaus angenehmen Mann. Er hat sein Leben dem Gott Aves gewidmet und geht mit einer Leichtigkeit durch's Leben, dass man nur staunen kann. Auch wenn ab und an - verständlicherweise - die Angst durchscheint, ziehe ich meinen Hut vor so viel Optimismus. Auch hat er zugestimmt sich unserer Sache anzuschließen. Einen Diener Aves bei uns zu haben, wird uns hoffentlich die nötige Portion Glück bringen.
Yara hat sich kurz darauf von uns verabschiedet. Marcian hatte einen wichtigeren Auftrag für sie. Wenn ich das richtig verstanden habe, geht sie mit einer anderen Kriegerin, die Marcian mitgebracht hat, auf Orkjagd außerhalb der Stadt. Die Nachschubwege unterbrechen oder so etwas. Nicht dass ich davon etwas verstehen würde. Aber es klang wichtig.
Stattdessen hat Marcian uns eine Magistra an die Seite gestellt. Sie kommt wohl von weit weg. Hat etwas von Mirham erzählt, was tief im Süden liegen soll. Ihre eigentliche Herkunft liegt bei den Rashtullahgläubigen. Ständig liegt sie uns in den Ohren, was wir aus der Sicht der Lehre ihres Gottes falsch machen.
Ob ihr Auftreten mit Ihrem Glauben oder Ihrer akademischen Ausbildung begründet ist, ist mir nicht ganz klar. In Lowangen gab es auch weniger arrogante Magier, wobei die meisten ihre Nase schon so hoch tragen, dass es beinahe reinregnet. Gerade die Magister aus der Halle der Macht.
Viel schlimmer finde ich allerdings ihre Einstellung zur Sklaverei. Sie scheint nicht wirklich ein Problem damit zu haben, dass die Orks die Bewohner der Stadt missbrauchen. Ich meine, sie hat die Menschen doch auf dem Praiosberg gesehen.
Zwar behauptete sie auch wo sie herkäme werden Sklaven gut behandelt, aber es fällt mir schwer das zu glauben.
Immerhin scheint sie sehr mutig zu sein. Ohne mit der Wimper zu zucken, untersuchte sie einen Beschwörungskreis und teilte mir fast beiläufig mit, hier sei ein Dämon beschworen worden.
Aber einmal zum wesentlichen. Zwar hat Marcian nichts gegenteiliges gesagt, aber ich frage mich, ob unser ursprünglicher Auftrag noch Bestand hat. Wen sollen wir hier mobilisieren? Da ich außer Desertation keine andere Option habe als hier zu bleiben, füge ich mich meinem Schicksal. In diesem Umfeld wäre ein Fluchtversuch ein Todesurteil.
Neue Rätsel haben sich aufgetan:
- Wie konnte die Stadt so schnell fallen?
- Wonach lassen die Orks unter dem Praiosberg so eifrig suchen?
- Wer sind die Elfenbergs und wo sind sie hin?
- Wer hat den Dämonen in ihrem Garten beschworen und wo ist er hin?
- Was ist das für ein Haus? Wurde es verzaubert?
Gerade sitzen wir im obersten dritten Stockwerk des Elfenberg'schen Anwesen. Ein Stockwerk, das es nicht gibt. Wie sich das lesen muss... Achja, das Haus hat uns gerade Tee serviert.
Immerhin haben wir hier weiche Betten gefunden. Unsere Rücken werden sich bedanken, wenn wir uns hier gleich niederlegen.