Calarels Tagebuch
Calarel ist mein zweiter Charakter für das Jahr des Greifen. Sie kommt dazu, als Yara die Gruppe verlässt.
Sie hatte bereits vorher ein bewegtes Leben: Als Novadi in Mirham zu studieren, ist alles andere als der Normalfall.
- Prolog
- Greifenfurt
- Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah
- Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Nachtrag
- Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Abends
- Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Nachts
- Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Spätnachts
- Laila ar’Rashid des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Nachts
Prolog
Der Brief ist so kurz wie klar:
Cal, nimm das nächste Schiff nach Perricum und reise von da weiter nach Gareth.
Bei der Nordlandbank ist ein Spesenkonto für die Reisekosten hinterlegt.
Weiteres, wenn wir uns sehen.
M.
Ich seufze, denke an unseren letzten Ausflug vor zwei Jahren und frage mich, aus welchem Fenster er mich diesmal fallen lassen will.
Und ich hasse es, wenn er mich Cal nennt.
Aber der Schuft der Worte kann es einfach nicht lassen, Rastullah möge seine Locken glätten!
Ich packe also das nötigste in meine Tasche und sage Onkel Yerdawan, dass ich man nächsten Morgen aufbrechen werde.
Schiffe von Khunchom nach Perricum fahren fast jeden Tag, am Morgen eines im Hafen zu erwischen, sollte kein Problem sein.
Am Morgen verabschiede ich mich noch von Mutter, sie ist – wie immer – wenig glücklich wenn ich gehe.
Aber da sie auch nicht glücklich ist, wenn ich bleibe, nehme ich das einfach hin.
Ich finde ein Schiff, dass in vier Tagen Perricum erreichen wird.
Von dort, erfahre ich vom Kapitän, sind es zehn Tage bis Gareth, wenn ich dem Fluss und der Reichsstraße folge.
In Perricum werde ich erst einmal aufgehalten.
Ich werde verdächtigt, Dämonen zu beschwören und zur Schule der Austreibung gebracht.
Es kostet mich zwei Tage, die Collegae zu überzeugen, dass ich weder Dämonen beschwöre noch Untote erwecken kann.
Ich beschließe, die weitere Reise meinen Kaftan zu tragen und die Robe und den Hut zu verpacken.
Die restliche Reise bis Gareth verläuft wie ich es gewohnt bin.
Abgesehen davon, dass es sehr kalt ist, erzeuge ich die größte Irritation, wenn ich mein eigenes Geschirr verwende.
Dass ich nichts essen darf, das von Ungläubigen berührt wurde, habe ich bereits in Mirham aufgegeben.
Ich halte mir einfach die Augen zu, wenn ich Tee aus den üblichen Holzschalen oder Zinnbechern in meine Porzellantasse umfülle.
Die Sitten hier sind rau und grob, ganz anders als zu hause.
Aber Pflicht und Neugier lassen mich weiter reisen.
Tatsächlich erreiche ich nach zehn Tagen Gareth.
Von Marcian ist keine Spur zu finden, ich erfahre aber, dass er sich wohl in einer Stadt aufhält, die Wehrheim genannt wird.
Das ist wieder typisch für ihn, aber Rastullah sagt, ich solle mit Ungläubigen geduldig sein.
Der Weg nach Wehrheim benötigt weitere vier Tage, die meiste Zeit benötige ich, jemanden zu finden, der mir helfen kann, den Weg zu finden.
Ich werde angespuckt und als Sandfresser beschimpft, wenn die Leute denken, dass ich ihre Sprache nicht verstehe.
Enkel der Dummheit, Söhne und Töchter der Arroganz, diese Ungläubigen.
Als ich Wehrheim erreiche, freue ich mich fast, Marcian zu sehen.
Auch wenn ich ihn für einen Chaoten halte, hat er sich meinesgleichen gegenüber immer gebührend wertschätzend verhalten.
Er erklärt mir, dass wir noch weiter müssen und gibt mir etwas, dass er als "meine Ausrüstung" bezeichnet.
Ein Sack, in dem ich schlafen soll und eine Zeltplane.
Ich frage ihn, ob er das ernst meint und er nickt nur knapp.
Informationen erhält man von ihm nur, wenn man insistiert, also insistiere ich.
Er plant, eine Operation gegen die Orks.
Orks kenne ich nicht, ich habe nur von ihnen gehört, dass sie eine Mischung aus Menschen und Wölfen sind.
Ich erfahre, dass sie wohl doch den Menschen ähnlicher sind, als den Wölfen und dass sie einen Feldzug gegen das Mittelreich führen.
Wenn ich daran denke, wie sich die Mittelreicher mir gegenüber verhalten haben, kann ich mir vorstellen, dass einige von ihnen Orks sind.
Marcian möchte eine Stadt erobern und ich soll ihm helfen.
Wie, weiß er noch nicht, aber das hat sich auch in der Vergangenheit immer sehr spontan ergeben.
Zusammen mit einer echten Elfe, die Sartassa heißt, brechen wir auf.
Wir ziehen fast einen Gottesnamen durch die Wildnis.
Es ist kalt, es ist nass, es ist matschig und überhaupt ganz grauenvoll.
Ich vermisse den Sand, die Sonne und die Wärme meiner Heimat.
Unterwegs müssen wir immer wieder Orks ausweichen, Sartassa führt uns dabei.
Sie scheint sich gut in der Wildnis auszukennen.
Nach einigen Tagen treffen wir auf einen Trupp Menschen, die sehr brutal sind.
Sie werden von einer Frau angeführt, die Lysandra heißt.
Ich erfahre, dass ihre Mission ist, Orks zu ermorden.
Die Berichte über ihre Gemetzel sind grausam, während das, was sie von den Orks berichten, diese fast vernünftig erscheinen lässt.
Die Orks erobern Siedlungen und nehmen Menschen als Sklaven.
Das ist definitiv sinnvoller, als sie zu töten.
Ich sage nichts dazu, weil ich Lysandra für gefährlich halte.
Sie würde mir sicherlich ohne zu zögern die Kehle durchschneiden.
In ihrer Gruppe sind auch einige, die mich als Sandfresser und Götzendienerin bezeichnen.
Ich bin froh, dass Sartassa da ist, sie ist auch ein wenig eine Außenseiterin, ähnlich wie ich.
Marcian und Lysandra diskutieren über Greifenfurt, unser Ziel.
Dann erklärt er mir, dass wir zu dritt weiterreisen werden – aber mit Lysandra statt Sartassa.
Wieder einer seiner Pläne.
Ich erkläre ihm, dass ich Lysandra nicht vertraue, aber er meint, dass sie loyal zur Sache sei.
Nun, eine Sache bin ich nicht, mir gegenüber wird sie vermutlich nicht loyal sein.
Rastullah schenke mir Gleichmut, dass ich mich meinem Schicksal ergeben kann.
Wir reisen nun also mit Lysandra weiter und erreichen nach weiteren zwei Tagen am Abend Greifenfurt.
Marcian und Lysandra beschließen, dass wir uns in die Stadt schleichen sollen.
Was ich sehe, ist ein Trümmerfeld.
Ich weiß nicht, was Marcian hier zurückerobern will, aber vielleicht ergibt sich morgen etwas.
An diesem Abend schlafe ich in einer Ruine inmitten einer zerstörten Stadt ein.
Ich friere nicht einmal mehr, so erschöpft bin ich nach den letzten Tagen.
Greifenfurt
Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah
24. Phex, 1012 BF
Nachdem wir in einer gräßlichen Ruine übernachtet haben, erreichen wir am Morgen die Fuchshöhle.
Marcian ist hoch erfreut und umarmt den Mann, den er uns als Lancorian vorstellt.
Lysandra erscheint wenig begeistert, sie hält nicht viel von Zauberkundigen, das hat sie mich in den letzten Tagen immer wieder spüren lassen.
Lancorian führt uns in der Turmruine nach oben und bittet uns an einen Tisch.
Marcian erzählt Lancorian von unserer Reise.
Er leidet weitaus weniger unter den Nächten im Zelt als ich.
Lysandra erzählt von den Taten ihrer Schar.
Sie ist sehr stolz auf die Morde, die sie begangen hat.
Ich sitze schweigend neben den dreien.
Rastullah, schenke mir den Gleichmut, die Untätigkeit zu ertragen.
Nach einer Weile geht Lancorian wieder nach unten und wir warten zu dritt.
Marcian erklärt Lysandra, dass er sie für irgendetwas braucht, das ich nicht verstehe.
Sie diskutieren heftig und Marcian mein immer wieder, dass Yara Lyrsandras Trupp mindestens so gut führen könne wie sie.
Wer auch immer dieser Yara ist, er muss Marcian beeindruckt haben.
Er ist sonst mit Komplimenten ja sehr zurückhaltend, auch wenn seine Einschätzungen doch häufig zutreffend sind.
Lysandra beruhigt sich wieder, ihr Temperament ist einer Ahmad'sunni würdig.
Kurz darauf kommt Lancorian zurück und bringt eine illustre Gruppe von Leuten mit.
Ein bunt gekleider Mann mit Hut, ein bunt gekleideter Mann ohne Hut, eine kleine Frau, eine große Frau und eine Frau mit spitzen Ohren, die böse schaut.
Die drei Frauen und den Mann mit Hut scheint Marcian zu kennen.
Es stellt sich heraus, dass sie seine Agenten sind.
Den bunten Mann ohne Hut lernt er auch gerade erst kennen.
Ich lerne: Yara ist die große Frau.
Sie sagt nicht viel, aber sie schaut mich seltsam an.
Die anderen schauen auch seltsam, sagen aber mehr.
Ich warte schweigend ab.
Was soll ich bei diesem Durcheinander auch sinnvolles sagen?
Als Marcian Yara und Lysandra zur Seite bittet, werde ich plötzlich interessant.
Man fragt mich woher ich komme und ob ich zu Rastullah bete.
Ich erkläre geduldig das Wesen der 99 Gesetze und bemühe mich, die Ungläubigen nicht zu beleidigen.
Sie sind immer sehr empfindlich, das habe ich gelernt.
Marcian meint, ich soll sie zu einem Schmied begleiten.
Was ich bei einem Schmied soll, weiß ich nicht, aber wenn ich Marcian so für eine Weile los werde, soll es mir recht sein.
Ich gehe mich umziehen und als ich zurückkomme, kommentiert niemand meine Robe, was schon überraschend ist.
Lancorian werde ich gleich noch um Verzeihung bitten.
Ich habe ihn beleidigt, als ich Marcian nach dem Hotel gefragt habe, in dem wir übernachten werden.
Er hätte mir sagen können, dass er Lancorians Freudenhaus gemeint hat.
Aber meine Unwissenheit entschuldigt nicht die Missachtung der Pflichten des Gastes.
Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Nachtrag
Ich bitte Lancorian um Verzeihung, weil ich die Pflichten des Gastes missachtet habe.
Er teilt sein Wasser und sein Dach mit uns und ich frage ihn, ob ich noch eine Nach bleiben darf.
Er akzeptiert die Enschuldigung.
Wir gehen zum Haus des Magistrats, wo Jadwiga und Fildorn die Türen öffnen.
Sie war von einem großen Schank blockiert.
Dann können wir in den Keller des Hauses.
Dort riecht es unangehen, nach menschlichen Abfällen und Verwesung.
Ich mache erst einmal Licht.
Bredo, der bunte Mann mit dem Hut, findet einen Abort und will ihn untersuchen.
Ich weigere mich, da näher ranzugehen als notwendig.
Bredo bleibt nichts anderes übrig, als seine Öllampe anzuzünden.
Gemeinsam mit Jadwiga stellt er fest, dass da neben menschlichen Abfällen auch die Knochen einer Katze liegen.
Fildorn untersucht derweil einige Zettel, die an die Wand neben den Abort genagelt sind.
Es handelt sich um Seiten aus einem Märchenbuch, die wohl zur Reinigung genutzt werden.
Es gibt Dinge, die will ich nicht wissen und ich kann die Faszination der Nordländer an diesen Dingen nicht nachvollziehen.
Bei den Novadi lernen die Kinde spätestens mit zwei Jahren, dass sich das nicht gehört.
Ich muss den Rest des Tages darauf achten, nichts mehr zu berühren, das Jadwiga und Bredo angefasst haben.
Anschließend klettern wir die Treppe hoch.
Oben angekommen, mache ich das Licht aus, indem ich mit meinen Stab einmal auf den Boden stampfe.
Im Nachbarraum hören wir das Schaben eines Stuhls auf Holzdielen.
Fildorn ruft nach dem Magistrat und ein älterer Mann schaut aus einer Türe.
Er hat ein Stuhlbein in der Hand, was aber wohl kaum hilfreich wäre, wenn er überfallen würde.
Fildorn gibt ihm eine Wurst, dann stellen wir uns vor.
Der Mann heißt Glombo Brohm und die Orks haben ihn hier eingesperrt.
Sie verprügeln ihn regelmäßig und wollen Dinge von ihm wissen.
Allerdings kann er sie nicht verstehen.
Er zeigt uns etwas, das sie auf den Boden gemalt haben.
Bredo und ich erkennen darin einen Stadtplan.
Es folgt ein längeres Gespräch mit ihm, in dem Bredo und Fildorn ihm von dem Lagerhaus erzählen, dass sie geplündert haben.
Er meint, dass die Elfenbergs keine Lagerhäuser betreiben, sondern dass diese einem Bäcker und der Garnison gehören.
Auch die Schrift in dem Kontorbuch deutet darauf hin, dass die Elfenbergs keine Kollaborateure sind - es ist keine ihrer Handschriften.
Wir erfahren, dass die Elfenbergs Elfen sind und wollen danach Brohm zu seinem Haus begleiten.
Er holt mehrere Bücher und seine Amtskette vom Obergeschoss.
Fildorn hat eine merkwürdige Haltung zu Städten und den Ämtern, die mit ihnen verbunden sind.
Dann verlassen wir das Magistrathaus durch den Keller und gehen zu Brohms Villa.
Fildorn öffnet mit Brohms Schlüssel die Türe, dann schleichen wir uns alle hinein.
Wir folgen ihm der Reihe nach und drinnen zeigt uns Brohm mehrere Karten von Greifenfurt.
Eine ist zwei Jahre als, die zweite ungefähr 50 Jahre und die dritte stammt noch aus der Zeit vor Rastullahs Offenbarung.
Dann gehen wir nach oben in seine Bibliothek.
Die Menge der Bücher ist beachtlich, ebenso wie das Fehlen eines Index problematisch ist.
Ich mache mich also erstmal daran, die Bücher nach Datum des Erscheinens zu sortieren.
Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Abends
Greifenfurt, 24. Phex
Wir sortieren noch eine Weile Bücher bis es dämmert.
Dann wollen wir aufbrechen zu den Elfenbergs.
Jadwiga will unbedingt den Henkerturm sehen.
Sie ist total begeistert davon und erinnert mich an die Magierinnen aus Brabak.
Die sind zwar größtenteils harmlos, aber ihre Faszination für das Morbide kann auf viele Leute irritierend wirken.
Mir scheint, Jadwiga ist hier ebenso fremd wie ich.
Brohm meint, der Henker hat bei der Verteidigung geholfen.
Er soll ganz allein 20 Orks getötet haben, ist aber seitdem verschwunden.
Fildorn möchte lieber nicht zu dessen Behausung, aber letztendlich setzt sich Jadwiga durch.
Es liegt ohnehin fast auf dem Weg, weil wir einen Bogen schlagen müssen, da wir nicht über den Platz der Sonne gehen können.
Wir gehen also zu dem Turm und schauen uns um.
Der Turm selbst hat keine Türen, es gibt nur ein paar Häuser die dran gebaut sind.
Also probieren wir es dort.
Jadwiga öffnet eine Türe zu einem der Häuser.
Drinnen ist es stockfinster, aber bevor ich Licht machen kann, ruft Jadwiga einen Vogel.
Der Vogel schaut aus als hat er einen menschlichen Totenkopf als Schädel.
Fildorn erschrickt fürchtlich.
Jadwigas Eule kann nichts weiter entdecken, also betrete ich den Raum und mache Licht.
Drinnen stehen zwei Betten, darauf liegen zwei Skelette, beide mumifiziert.
Wir schauen uns noch etwas um, aber wirklich viel ist hier nicht zu finden.
Also gehen wir weiter zu den Elfenbergs.
Wir nähern uns dem Gebäude von hinten und kämpfen uns durch eine Hecke.
Dann stehen wir in einem sehr schönen Garten, in dessen Mitte ein Springbrunnen aus Marmor steht.
Der Springbrunnen ist trocken und in der Mitte war wohl mal eine Statue, die fehlt.
Die Fassade der Villa ist mit rotem Efeu bewachsen.
Eine große Eichentür ist umrandet von zwei Bäumen, die aufeinander zu wachsen.
Auf unser Klopfen reagiert niemand und wir können die Türe nicht öffnen.
Ich biete mehrfach an, die Türe zu öffnen, aber die anderen meinen, das dauert zu lange.
Jadwiga klettert geschickt aufs Dach.
Mir wird schon vom zuschauen schwindelig.
Als ich noch einmal anbiete, die Türe zu öffnen, schickt Bredo mich zum Brunnen.
Diese Nordländer sind alle sehr unhöflich, aber ich dränge mich nicht auf.
Ich schaue mir den Brunnen an und denke, dass irgendwas an ihm nicht stimmt.
Die Statue in der Mitte wurde entfernt, aber das ist nicht das einzig Seltsame hier.
Als ich mich weiter umschaue, läuft mir ein Schauer mir den Rücken hinunter.
Ich suche nach der Ursache, aber hier ist nichts Auffälliges.
Dennoch... es ist ein komisches Gefühl hier zu sein...
Ich steige in den Springbrunnen und sehe, dass Streifen auf dem Boden sind.
Eine kurze Untersuchung zeigt: Blut.
Bredo kommt zu mir, die anderen sind wohl mittlerweile auf dem Dach angekommen.
Ich untersuche, ob ich ein Muster in den Streifen finde und tatsächlich.
Hier wurde Magie gewirkt: nichts Untotes, dafür sind es zu viele Linien auf dem Boden.
Aber es riecht nach Feuer – auch wenn Bredo das nicht bemerkt.
Ich setze mich an den Brunnenrand und denke nach.
Bredo ist schon wieder zum Haus gegangen, als mir einfällt, wo ich das Muster schon einmal gesehen habe.
Hier wurde Taifelel gerufen, ein Feuerdämon der beseelen und animieren kann!
Mit dieser Erkenntnis gehe ich zu Bredo.
Der steht vor dem Haus, die anderen beiden drinnen kommen wohl nicht raus, weil sich weder Fenster noch Türen öffnen lassen.
Ein letztes Mal schlage ich vor, ein Fenster zu öffnen und diesmal stimmt Bredo zu.
Also konzentriere ich mich und spreche "widharcal esar-i-koph-ethra".
Bredo erkennt das Zhayad nicht, das ist vermutlich auch besser so.
Nachdem ich das Fenster geöffnet habe, klettern wir durch, aber die anderen sind verschwunden.
Nach einer kurzen Suche sehen wir Licht im Keller und folgen den beiden.
Sie untersuchen einen Vorratsraum und Fildorn wundert sich, wie wir reingekommen sind.
Er hat wohl mein Angebot, die Türe zu öffnen, nicht ernst genommen.
Bei Rastullahs Lockenpracht, diese Nordländer sind wirklich seltsam.
Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Nachts
Greifenfurt, 24./25. Phex
Wir untersuchen den Keller und bis auf eine magisch verschlossene Kiste mit seltsamen Knollen darin, gibt es wenig interessantes zu finden.
Die restliche Hausdurchsuchung überlasse ich geduldig den anderen und warte.
Irgendwann werde ich gerufen, Fildorn und Bredo haben wohl eine weitere Etage entdeckt, die es eigentlich gar nicht geben dürfen.
Hier sind einige hochinteressante Bücher zu finden, auch magietheoretische Abhandlungen, die ich mir gerne ausborgen möchte um sie zu lesen.
Die beiden können die Bücher nicht lesen, weil auf Tulamidisch verfasst sind.
Also übersetze ich einige Titel.
Bredo möchte direkt eines der Bücher haben, ich frage mich wozu, weil er es ja nicht lesen kann.
Nunja, Bredo und Jadwiga untersuchen, ob die Etage von außen sichtbar ist.
Man kann auf beiden Seiten auf den Platz der Sonne und den Garten blicken, aber vom Garten aus sind die Fenster nicht zu sehen.
Außen hat das Haus zwei Etagen, innen drei.
Wenn das nicht seltsam ist.
Als Jadwiga zurückkommt, versucht sie einen Zauber, um festzustellen, was es mit der Etage auf sich hat.
Ich versuche das parallel ebenfalls und erschrecke ziemlich, als sie plötzlich zu schreien anfängt.
Meine Analyse ergibt: Der Raum besteht aus Magie.
Offensichtlich eine Globule oder etwas vergleichbares.
Dann trinkt Fildon plötzlich Tee, der auf einem Tisch steht.
Pfefferminztee.
Einfach so.
Laila-ar-Ra'ad des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Spätnachts
Greifenfurt, 25. Phex
Hier sitzen wir also und trinken Tee.
Dieser Raum ist wirklich bemerkenswert.
Bredo fallen Zuckerstückchen in den Tee, Fildorn findet Honigplätzchen auf einem Teller.
Dann taucht plötzlich eine rothaarige Frau auf.
Wie sich herausstellt, ist sie die Quelle der Magie hier und auch die Erschafferin dieses Raumes.
Ich bin etwas erstaunt, dass sie perfektes Tulamidya spricht, aber noch mehr, dass die anderen sich mit ihr problemlos auf Garethi unterhalten.
Während sie mit Fildorn diskutiert, meint Bredo, er wüsste gerne mehr über mich und bietet mir einen Sitzplatz neben sich an.
Ich möchte nicht unhöflich sein und nehme Platz.
Er stellt mir ein paar Fragen und gerade als ich antworten möchte, taucht dieser Brenno wieder auf.
Der Junge hat ein großes Talent immer dann zu erscheinen, wenn ich mich mit jemandem unterhalten will.
Eigentlich sollte er das Fenster bewachen, das ich geöffnet hatte, aber er hat einen Stuhl hineingestellt.
Der poltert auch just in dem Moment, als er uns davon berichtet.
Fildorn und Bredo wollen nachsehen, ob ein Ork eingedrungen ist.
Nach eine Weile kommt Bredo wieder und meint, dass vor dem Haus ein Steinwesen gegen die Türe poltert und ein Ork im Garten zaubert.
Ich vermute, dass es die Statue vom Brunnen ist, die eindringen will.
Die Rothaarige erklärt, dass die Türe halten wird, weil sie von einer Dryade wachsen gelassen wurde und Stein ihr nichts anhaben kann.
Während die anderen Pläne schmieden, die allesamt zum scheitern verurteilt sind, warte ich ab, bis sie das erkennen.
Dann schlage ich vor, den Ork mit einem Zauber, der ihn in den Boden sinken lässt, außer Gefecht zu setzen.
Ich kann ihn auch zum schweigen bringen.
Bredo ist außer sich, weil ich das nicht früher gesagt habe.
Ich verstehe nicht, warum er meine Höflichkeit nicht zu schätzen weiß.
Außerdem denke ich mir, das er einen Eindruck meiner Fähigkeiten hätte, wenn uns Brenno nicht unterbrochen hätte.
Ich erkläre mich also bereit, den Ork zu beschäftigen, während die anderen ihn sich schnappen wollen.
Diese rothaarige lädt Bredo und Agmorra ins Haus ein, damit sie die Türe öffnen können.
Wir gehen nach unten, wo ich feststelle, dass die Rothaarige das Fenster, das ich geöffnet habe, wieder ordentlich eingesetzt hat.
Duch die Gitter spreche ich zuerst einen Silentium auf den Ork und dann einen Sumpfstrudel.
Es kostet viel Kraft, aber es funktioniert.
Fildorn, Agmorra und Jadwiga stürmen nach draußen und überwäligen den Ork.
Dann kommt Bredo und zündet ihn an.
Jetzt bin ich an einem Mord beteiligt.
Wie konnte ich das zulassen?
Als sie den Ork nach drinnen bringen, fällt mir auf, dass der Golem aufgehört hat, auf die Türe einzuschlagen.
Da er nun keinen Herrn mehr hat, gehe ich zu ihm und befehle ihm "Schlaf" auf Zhayad.
Er antwortet mir, ebenfalls auf Zhayad "A'Granaphon" und bedankt sich für die Befreiung.
Dann sagt er, dass die Erschaffer am Wasser sind.
Gerade als ich ihm dazu eine Frage stellen will, beginnt schwarzer Rauch von seiner Gestalt aufzusteigen und der Körper fällt in sich zusammen.
Wieder im Haus setze ich mich auf die Treppe und reibe mir die Schläfen.
Ich habe an einem einzigen Tag fast meine gesamte astrale Kraft verbraucht.
Dieses Greifenfurt schafft mich.
Ich will wieder in meine Heimat.
Morgen werde ich Marcian sagen, dass ich abreisen werde.
Laila ar’Rashid des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Nachts
Greifenfurt, 25. Phex
Am nächsten Morgen kehren wir in die Fuchshöhle zurück.
Marcian hat Besuch von Lysandra und Sartassa.
Die drei planen, die Burg im Hafen von den Orks zurück zu erobern.
Es gibt wohl etliche Greifenfurter, die sich verstecken und die sollen rekrutiert werden.
Dazu soll es ein Treffen in einem Lagerhaus im Hafen geben.
Meine Gefährten schlagen vor, einige der Vorräte, die sie gefunden haben, dorthin zu bringen.
Mir bleibt wenig anderes, als sie zu begleiten.
Bredo tarnt sich als Ork, Fildorn will auf Orkisch seine Stimme geben.
Gemeinsam wollen sie den Wagen erst zum Lagerhaus mit den Vorräten, danach zum Hafen lenken.
Wir anderen sollen uns im Wagen verstecken.
Eine Probe der Tarnung scheitert an Beleidigungen gegenüber Agmorra und einem geringen Talent der beiden für solche Szenen.
Nun, wir brechen dennoch auf und laden den Wagen in dem Lagerhaus voll.
Ich beschränke mich aufs Beobachten.
Als ich dazu aufgefordert werden, suche eine Kiste mit Kartoffeln.
Dann rumpeln wir mit dem Wagen gen Hafen.
Das auf einer Strecke zu tun, die niemand kennt, ist riskant, aber wer bin ich schon, als dass ich gehört würde.
Vom Versteck im Wagen aus bekomme ich wenig mit, aber irgendwann sind wir wohl and diesem Lagerhaus.
Drinnen sind Leute, Marcian ist ebenfalls da.
Die anderen beginnen, die Vorräte zu verteilen.
Ich setze mich auf eine Kiste und schaue zu.
Nach einer Weile kommt Bredo zu mir.
Die Illusion als Ork zu erscheinen, scheint ihn erschöpft zu haben.
Das Gespräch mit Bredo
Calarel: "Du willst etwas über meine Heimat wissen... Ich weiß nicht, was meine Heimat ist. Vielleicht ist es Unau, dort wurde ich geboren. Eine Stadt am großen Cichanebi-Salzsee. Sie gehört dem Kalifen und ist der prächtigste Ort in ganz Aventurien. Alle dort wollen leben wie der Kalif.
Meine Mutter musste aber mit mir fliehen, weil sie an eine Legende glaubt. Die Legende besagt, dass Rastullah einst nur eine Frau hatte, Calariel. Lange bevor sich Rastullah den Beni Novad offenbart hat, beschlossen er und Calariel sich zu trennen, um die Welt aus der Nacht zu führen. Calariel stieg in den Himmel auf und strahlt jeden Tag als Sonne über die große Khom. Als meine Mutter mich nach Calariel benannt hat, haben einige Mawdlis sie als Ketzerin bezeichnet und wir wurden verfolgt.
Deswegen sind wir nach Khunchom geflohen. Unau ist aber ungleich prächtiger, die gleißende Wüste, die Sonne, die wenn sie am Morgen aufgeht, die Wolken über den Unauer Bergen zerreißt. Dattelpalmen, der Kamelmarkt, der Salzmarkt, die Gerüche von Tee, Zimt und Ziegen."
Bredo: "Wunderbar! Dann habe ich jetzt nicht nur ein Bild von Eurer Heimat," Bredo reißt seine violett schimmerne Kugel mit der rechten Hand in die Höhe und erzeugt eine Illusion der eben beschriebenen Perle der Khom. Flirrend liegt sie vor Euch, als könntet ihr die Hitze spüren, "sondern auch eine Geschichte die ich untermalt mit Bildern auf dem nächsten Markt und Spiele in Lowangen vorführen kann. Meister Harlun wird begeistert sein." Seine Miene verfinzert sich etwas "Wenn ich es schaffe ihn zu befreien." Er lässt die Hand mit der Kugel sinken, die Illusion verschwindet.
Calarel: "Ist er ein Meister oder ein Freund?"
Bredo: "Familie."
Calarel: "Ja, Familie. Wir Novadi tun alles für die Familie. Wir würden sogar bis nach Greifenfurt gehen." Sie lacht verschmitzt.
Bredo: "Deswegen bin ich hier. Obwohl fliehen viel einfacher wäre. Meister Harlun wurde auf der Flucht von Orks entführt. Ich habe mich versteckt und zugesehen. Und ich werde nicht noch einmal feige sein!"
Calarel: "Verstecken und fliehen ist keine Schande, es kommt immer darauf an, welche Chancen zu überleben man hat. Hättest du dich nicht versteckt, könntest du ihn nicht befreien. Wäre meine Mutter nicht geflohen, wäre ich nicht mehr am Leben."
Bredo: "Eure Mutter hat die Initiative ergriffen. Ich hatte bloß Angst. Vielleicht hätte ich die Orks mit einer Illusion vertreiben können. Aber ihr habt Recht. Wie standen schon meine Chancen gegen vier Orks. Aber hier! Hier sind so viele Menschen, die jemanden verloren haben. Und solche, die ihre Familie aus den Händen der Orks befreien wollen. Gemeinsam haben wir eine Chance."
Calarel: "Eine Chance, noch mehr Tod zu bringen? Menschen sollen sterben um andere Menschen zu retten? Ist das eine Chance? In Mirham hat man uns gelehrt, dem Tod aus dem Weg zu gehen. Warum Leben opfern um Leben zu retten? Das ist kein gerechter Handel. Wem du das Leben nicht geben kannst, dem darfst du es nicht nehmen. Die Orks hier sind wie die Al'Anfaner im Süden. Sie beherrschen Menschen und fügen ihnen Leid zu. Es ist klug, ihnen auszuweichen, aber nicht, sich ihnen entgegen zu stellen."
Bredo: "Eine Chance die Orks zurückzuschlagen. Zurückzudrängen hinter die Gebirge wo sie herkamen. Um noch mehr Leid wie das in Greifenfurt zu verhindern. Sie sind viele Meilen weiter ins Mittelreich eingedrungen und hätten dort ähnliches angerichtet wie hier. Wenn sie nicht aufgehalten worden wären."
Calarel: nach einer längeren Pause "Wenn die Gilde erfährt, dass ich getötet habe, werden sie mich ausbrennen. Die Zauber, die ich in Mirham gelernt habe, können sehr gefährlich sein. Sie können viel Leid verursachen, aber auch viel Gutes tun. Deshalb müssen wir schwören, niemanden jemals zu verletzen. Das habe ich getan, als wir diesen Ork überwältigt haben. Wenn das hier vorbei ist, bin ich also wieder abhängig von Marcians Willen. Wenn ich noch mehr tue, das Leben gefährdet, sieht es nur schlechter aus für mich. Jemand sagte einmal: wichtige Siege erlangst du nicht allein durch Können im Kampf, du erlangst sie durch Opfer. Aber wie viel Opfer darf man von anderen verlangen? Wie viel Opfer für andere muss man bereit sein zu leisten?"
Bredo: "Wieso hat Marcian euch überhaupt herbestellt? Ich nehme an er weiß von Eurem Eid, er scheint euch immerhin gut zu kennen. Er wird kaum davon ausgegangen sein, dass man die Orks mit Worten davon überzeugen könnte die Stadt zu verlassen."
Calarel: "Wie soll ich es sagen. Marcian hat eine gewisse Verfügungsmöglichkeit. Er hat mich schon in Al'Anfa eingesetzt, um in Gebäude zu gelangen. Ich vermute, er hat meine Ausbildung finanziert oder zumindest dazu beigetragen. Genau weiß ich das nicht. Ich weiß aber, dass Mutter nicht nach Khunchom gelangt wäre, wenn er oder jemand aus seinen Reihen nicht dabei geholfen hätte. Auf jeden Fall hat er den Kontakt zwischen Onkel Yerdawan und Rhayodan de Porcupino hergestellt. Und wenn ich mir die Trümmer hier anschaue, erscheint es plausibel, dass er erwartet, dass ich eine Armee von Golems heraufbeschwöre, die für ihn kämpfen. Er ist zwar Inquisitor, hat aber seit Al'Anfa keine Skrupel mehr, solche Mittel einzusetzen. Ich kann mich auch schlecht weigern. So weit weg von zu Hause bleibt mir kaum etwas anders, als ihm zu dienen. Das muss mir aber keine Freude bereiten. Und das kann ich ihn wissen lassen."
Bredo: "Also seid Ihr genauso wenig freiwillig hier, wie wir anderen. Habt ihr denn auch ein Abkommen mit Marcian, dass er euch nach der Befreiung von Greifenfurt freigibt? Falls nicht, sollten wir das fordern! Wenn ihr schon gegen alles verstoßen müsst, was Eure Lehre und Euer Gewissen von Euch verlangt."
Calarel: "Wir haben kein Abkommen. Ich fordere auch nichts von Marcian. Ich werde einen Weg finden, nicht gegen meine Werte und Rastullahs Gebote zu verstoßen."
Bredo: "Vielleicht schaffen wir es mit Eurer Hilfe irgendwo in die Feste einzudringen, während Marcian mit der Bevölkerung die Orks am Eingang ablenkt. Wenn wir einen wichtigen Ork festsetzen, ergibt sich der Rest vielleicht. So könnten wir viele Leben schonen."
Calarel: "Ich bin vor vielen Jahren mit Marcian in Al'Anfa in ein Haus eingedrungen. Ich habe die Türe geöffnet, so wie bei den Elfenbergs. Danach mussten wir aus einem Fenster klettern und ich bin gefallen. Eine Türe kann ich öffnen oder jemanden versinken lassen. Ich kann Stille erschaffen, wo ein Flüstern zu laut ist. Aber ich werde niemanden verletzen oder töten."
Bredo: "Das sind mächtige Fähigkeiten, die uns - geschickt eingesetzt - in vielen Situationen helfen können Blutvergießen zu verhindern. Auch wenn ich dem Leben der Orks hier wenig Wert beimesse, so möchte ich Kämpfe doch um unser Willen umgehen. Was wolltet ihr in Al'Anfa, wofür man in ein Haus einbrechen muss?"
Calarel: "Marcian hat Dokumente benötigt, ich weiß nicht, wozu genau. Es ist besser, keine Fragen zu stellen, wenn es um seine Aufträge geht."
Bredo: "Da habt ihr vermutlich Recht. Bis vorhin war mir nicht klar, dass er zur Inquisition gehört. Ich dachte er wäre einfach einer hoher Angehöriger des Militärs."
Calarel: "Oh nein, er ist ein Inquisitor, aber ein seltsamer... In Al'Anfa gab es Gerüchte, dass er mit einer Hexe liiert war. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber man sagt, er musste selbst den Scheiterhaufen anzünden. Seitdem ist er ein anderer. Sein Schmerz ist so tief wie die Wüste weit ist."
Bredo: Bredos Augen weiten sich vor Entsetzen. Sein Mund steht eine Zeit offen, bevor er antwortet. "Was könnte einen Menschen zu so einer Tat treiben?"
Calarel: "Pflicht? Angst? Verzweiflung? Eifer? Machtgier? Ich weiß es nicht. Ich durchschaue ihn nicht. Ich verstehe auch den Hass auf Hexen nicht. In Aranien sind sie hoch angesehen, so wie in meiner Heimat die Rahkisa. In Mhanadistan leben sie ganz normal, wie alle anderen auch. Sicher, sie haben Macht, aber dieser Wunsch, Hexen brennen zu sehen, ist mir unverständlich."
Bredo: "In Lowangen ist man Hexen gegenüber im Allgemeinen auch positiv gegenüber eingestellt. Wenn man manchen Leuten auf den Dörfern allerdings Glauben schenkt, so gibt es auch welche, die Kinder verschleppen und essen. Wie bei allen Menschen, gibt es sicher auch bei Hexen gute und böse. Da Jadwiga noch nicht auf dem Scheiterhaufen stand, nehme ich an, dass die Inquisition nicht alle Hexen verbrennt. Immerhin stand sie vor dem Großinquisitor und der schien sehr gut informiert über sie. Und sind wir mal ehrlich. Ein nettes Kräuterweibelein ist sie nicht gerade." Bredo lacht verlegen und kratzt sich am Hinterkopf, wird aber direkt wieder ernst. "Ich mag Verallgemeinerungen nicht. Zum Guten wie zum Schlechten. Nicht jeder Schwarzmagier ist ein Dämonenbeschwörer, nicht jeder Dieb hat bloß seinen Vorteil im Sinn. Viele lassen sich nicht genug Zeit, um das eigentliche Wesen seines Gegenübers zu ergründen."
Calarel: "Weise Worte. Wenn du so sprichst, könntest du in meiner Heimat ein Mawdli sein. Sie wägen auch immer ab, wie die 99 Gesetze auszulegen sind und argumentieren stundenlang, wie eine Handlung zu bewerten ist. Aber du hast recht, selbst in Al'Anfa habe ich Menschen getroffen, die anständig waren. Und auch in der großen Khom gibt es Räuber und Banditen. Dämonenbeschwörung lehrt man übrigens in Mirham. Es zu können ist ein wichtiger Schritt, wenn man es verhindern will. Wenn man nicht erkennt, welcher Dämon beschworen wird, kann man nichts gegen ihn unternehmen. Alles hat mindestens zwei Seiten."
Bredo: Bredo erschrickt kurz bei der Erwähnung der Dämonenbeschwörung in Mirham. Fängt sich aber nach der anschließenden Erklärung, sichtlich erleichtert. "Ich schätze meine Einstellung ist meinem Leben im Svelttal geschuldet. Dort sieht man Leute unterschiedlichster Völker und Gesinnungen. Thorwaler, Nivesen, Bornländer, Zwerge, Elfen,... Und irgendwie leben alle beieinander und miteinander. Aber sagt, wird man nicht versucht, wenn man Einblicke in diese dunklen Seiten der Magie erhält? Ich hörte die Versuchung ist die stärkste Waffe des Namenlosen auf der stetigen Suche nach neuen Dienern."
Calarel: "Die Versuchung ist nur groß, wenn man keinen klaren Geist hat. Ich glaube nicht, dass Magie an sich eine dunkle Seite hat, es sind vielmehr die Absichten der Zaubernden. Und da unterstellen viele Leute den Angehörigen der Schwarzen Gilde Bösartigkeit, wo sie eigentlich nur Toleranz lehrt. Neugier und Wissen treiben uns an, nicht Macht oder Bösartigkeit. Formal betrachtet ist die Erschaffung eines Golems auch dämonische Magie. Wenn aber der Golem hilft, Greifenfurt aufzubauen, ist seine Beschwörung dann etwas Böses? Die Schwarze Gilde sagt: Nein, der Zweck ist es, der entscheidet. Die Weiße Gilde sagt: Ja, der Zweck ist egal, die Art des Zaubers ist entscheidend. Damit vertreten sie die gleiche Position wie einige Mawdlis und Marcians Kirche. Ich für meinen Teil folge der Lehre meiner Akademie: Nimm kein Leben, wenn du es nicht erschaffen kannst."
Bredo: "Ich habe ein anderes Bild der Schwarzen Gilde kennengelernt. In Lowangen gibt es die Akademie Hallen der Macht. Skrupelose Menschen, ganz im Gegensatz zu dem von Euch beschriebenen Bild sehr wohl von Machthunger getrieben. Da sind mir die Magier der Grauen Akademie um einiges lieber."
Calarel: "Wie du gesagt hast: Nicht jeder Dieb stiehlt nur wegen seines eigenen Vorteils. Ich kenne dieses Lowangen nicht, nur die Akademien in Mirham und Khunchom."
Bredo: "Es ist schön jetzt auch ein anderes Bild der schwarzen Gilde zu haben. Da die Frage bleibt, ob Mirham die wenigen weißen Schafe unter vielen schwarzen sind oder umgekehrt, bleibe ich bei Magiern der schwarzen Gilde vorsichtig."
Calarel: "Das kann ich nicht beantworten, aber wenn du so offen auf Magier zugehst, wie die Angehörigen der Schwarzen Gilde, wirst du die Wahrheit sicher herausfinden. Oh, ich glaube, die anderen wollen los."
Bredo: "Du hast Recht, die Versammlung beginnt gleich."