# Laila ar’Rashid des 6. Gottenamens nach dem Tag des Fastens, 253 Rastullah, Nachts Greifenfurt, 25. Phex Am nächsten Morgen kehren wir in die Fuchshöhle zurück. Marcian hat Besuch von Lysandra und Sartassa. Die drei planen, die Burg im Hafen von den Orks zurück zu erobern. Es gibt wohl etliche Greifenfurter, die sich verstecken und die sollen rekrutiert werden. Dazu soll es ein Treffen in einem Lagerhaus im Hafen geben. Meine Gefährten schlagen vor, einige der Vorräte, die sie gefunden haben, dorthin zu bringen. Mir bleibt wenig anderes, als sie zu begleiten. Bredo tarnt sich als Ork, Fildorn will auf Orkisch seine Stimme geben. Gemeinsam wollen sie den Wagen erst zum Lagerhaus mit den Vorräten, danach zum Hafen lenken. Wir anderen sollen uns im Wagen verstecken. Eine Probe der Tarnung scheitert an Beleidigungen gegenüber Agmorra und einem geringen Talent der beiden für solche Szenen. Nun, wir brechen dennoch auf und laden den Wagen in dem Lagerhaus voll. Ich beschränke mich aufs Beobachten. Als ich dazu aufgefordert werden, suche eine Kiste mit Kartoffeln. Dann rumpeln wir mit dem Wagen gen Hafen. Das auf einer Strecke zu tun, die niemand kennt, ist riskant, aber wer bin ich schon, als dass ich gehört würde. Vom Versteck im Wagen aus bekomme ich wenig mit, aber irgendwann sind wir wohl and diesem Lagerhaus. Drinnen sind Leute, Marcian ist ebenfalls da. Die anderen beginnen, die Vorräte zu verteilen. Ich setze mich auf eine Kiste und schaue zu. Nach einer Weile kommt Bredo zu mir. Die Illusion als Ork zu erscheinen, scheint ihn erschöpft zu haben. ### Das Gespräch mit Bredo Calarel: "Du willst etwas über meine Heimat wissen... Ich weiß nicht, was meine Heimat ist. Vielleicht ist es Unau, dort wurde ich geboren. Eine Stadt am großen Cichanebi-Salzsee. Sie gehört dem Kalifen und ist der prächtigste Ort in ganz Aventurien. Alle dort wollen leben wie der Kalif. Meine Mutter musste aber mit mir fliehen, weil sie an eine Legende glaubt. Die Legende besagt, dass Rastullah einst nur eine Frau hatte, Calariel. Lange bevor sich Rastullah den Beni Novad offenbart hat, beschlossen er und Calariel sich zu trennen, um die Welt aus der Nacht zu führen. Calariel stieg in den Himmel auf und strahlt jeden Tag als Sonne über die große Khom. Als meine Mutter mich nach Calariel benannt hat, haben einige Mawdlis sie als Ketzerin bezeichnet und wir wurden verfolgt. Deswegen sind wir nach Khunchom geflohen. Unau ist aber ungleich prächtiger, die gleißende Wüste, die Sonne, die wenn sie am Morgen aufgeht, die Wolken über den Unauer Bergen zerreißt. Dattelpalmen, der Kamelmarkt, der Salzmarkt, die Gerüche von Tee, Zimt und Ziegen." Bredo: "Wunderbar! Dann habe ich jetzt nicht nur ein Bild von Eurer Heimat," *Bredo reißt seine violett schimmerne Kugel mit der rechten Hand in die Höhe und erzeugt eine Illusion der eben beschriebenen Perle der Khom. Flirrend liegt sie vor Euch, als könntet ihr die Hitze spüren*, "sondern auch eine Geschichte die ich untermalt mit Bildern auf dem nächsten Markt und Spiele in Lowangen vorführen kann. Meister Harlun wird begeistert sein." *Seine Miene verfinzert sich etwas* "Wenn ich es schaffe ihn zu befreien." *Er lässt die Hand mit der Kugel sinken, die Illusion verschwindet.* Calarel: "Ist er ein Meister oder ein Freund?" Bredo: "Familie." Calarel: "Ja, Familie. Wir Novadi tun alles für die Familie. Wir würden sogar bis nach Greifenfurt gehen." *Sie lacht verschmitzt.* Bredo: "Deswegen bin ich hier. Obwohl fliehen viel einfacher wäre. Meister Harlun wurde auf der Flucht von Orks entführt. Ich habe mich versteckt und zugesehen. Und ich werde nicht noch einmal feige sein!" Calarel: "Verstecken und fliehen ist keine Schande, es kommt immer darauf an, welche Chancen zu überleben man hat. Hättest du dich nicht versteckt, könntest du ihn nicht befreien. Wäre meine Mutter nicht geflohen, wäre ich nicht mehr am Leben." Bredo: "Eure Mutter hat die Initiative ergriffen. Ich hatte bloß Angst. Vielleicht hätte ich die Orks mit einer Illusion vertreiben können. Aber ihr habt Recht. Wie standen schon meine Chancen gegen vier Orks. Aber hier! Hier sind so viele Menschen, die jemanden verloren haben. Und solche, die ihre Familie aus den Händen der Orks befreien wollen. Gemeinsam haben wir eine Chance." Calarel: "Eine Chance, noch mehr Tod zu bringen? Menschen sollen sterben um andere Menschen zu retten? Ist das eine Chance? In Mirham hat man uns gelehrt, dem Tod aus dem Weg zu gehen. Warum Leben opfern um Leben zu retten? Das ist kein gerechter Handel. Wem du das Leben nicht geben kannst, dem darfst du es nicht nehmen. Die Orks hier sind wie die Al'Anfaner im Süden. Sie beherrschen Menschen und fügen ihnen Leid zu. Es ist klug, ihnen auszuweichen, aber nicht, sich ihnen entgegen zu stellen." Bredo: "Eine Chance die Orks zurückzuschlagen. Zurückzudrängen hinter die Gebirge wo sie herkamen. Um noch mehr Leid wie das in Greifenfurt zu verhindern. Sie sind viele Meilen weiter ins Mittelreich eingedrungen und hätten dort ähnliches angerichtet wie hier. Wenn sie nicht aufgehalten worden wären." Calarel: *nach einer längeren Pause* "Wenn die Gilde erfährt, dass ich getötet habe, werden sie mich ausbrennen. Die Zauber, die ich in Mirham gelernt habe, können sehr gefährlich sein. Sie können viel Leid verursachen, aber auch viel Gutes tun. Deshalb müssen wir schwören, niemanden jemals zu verletzen. Das habe ich getan, als wir diesen Ork überwältigt haben. Wenn das hier vorbei ist, bin ich also wieder abhängig von Marcians Willen. Wenn ich noch mehr tue, das Leben gefährdet, sieht es nur schlechter aus für mich. Jemand sagte einmal: wichtige Siege erlangst du nicht allein durch Können im Kampf, du erlangst sie durch Opfer. Aber wie viel Opfer darf man von anderen verlangen? Wie viel Opfer für andere muss man bereit sein zu leisten?" Bredo: "Wieso hat Marcian euch überhaupt herbestellt? Ich nehme an er weiß von Eurem Eid, er scheint euch immerhin gut zu kennen. Er wird kaum davon ausgegangen sein, dass man die Orks mit Worten davon überzeugen könnte die Stadt zu verlassen." Calarel: "Wie soll ich es sagen. Marcian hat eine gewisse Verfügungsmöglichkeit. Er hat mich schon in Al'Anfa eingesetzt, um in Gebäude zu gelangen. Ich vermute, er hat meine Ausbildung finanziert oder zumindest dazu beigetragen. Genau weiß ich das nicht. Ich weiß aber, dass Mutter nicht nach Khunchom gelangt wäre, wenn er oder jemand aus seinen Reihen nicht dabei geholfen hätte. Auf jeden Fall hat er den Kontakt zwischen Onkel Yerdawan und Rhayodan de Porcupino hergestellt. Und wenn ich mir die Trümmer hier anschaue, erscheint es plausibel, dass er erwartet, dass ich eine Armee von Golems heraufbeschwöre, die für ihn kämpfen. Er ist zwar Inquisitor, hat aber seit Al'Anfa keine Skrupel mehr, solche Mittel einzusetzen. Ich kann mich auch schlecht weigern. So weit weg von zu Hause bleibt mir kaum etwas anders, als ihm zu dienen. Das muss mir aber keine Freude bereiten. Und das kann ich ihn wissen lassen." Bredo: "Also seid Ihr genauso wenig freiwillig hier, wie wir anderen. Habt ihr denn auch ein Abkommen mit Marcian, dass er euch nach der Befreiung von Greifenfurt freigibt? Falls nicht, sollten wir das fordern! Wenn ihr schon gegen alles verstoßen müsst, was Eure Lehre und Euer Gewissen von Euch verlangt." Calarel: "Wir haben kein Abkommen. Ich fordere auch nichts von Marcian. Ich werde einen Weg finden, nicht gegen meine Werte und Rastullahs Gebote zu verstoßen." Bredo: "Vielleicht schaffen wir es mit Eurer Hilfe irgendwo in die Feste einzudringen, während Marcian mit der Bevölkerung die Orks am Eingang ablenkt. Wenn wir einen wichtigen Ork festsetzen, ergibt sich der Rest vielleicht. So könnten wir viele Leben schonen." Calarel: "Ich bin vor vielen Jahren mit Marcian in Al'Anfa in ein Haus eingedrungen. Ich habe die Türe geöffnet, so wie bei den Elfenbergs. Danach mussten wir aus einem Fenster klettern und ich bin gefallen. Eine Türe kann ich öffnen oder jemanden versinken lassen. Ich kann Stille erschaffen, wo ein Flüstern zu laut ist. Aber ich werde niemanden verletzen oder töten." Bredo: "Das sind mächtige Fähigkeiten, die uns - geschickt eingesetzt - in vielen Situationen helfen können Blutvergießen zu verhindern. Auch wenn ich dem Leben der Orks hier wenig Wert beimesse, so möchte ich Kämpfe doch um unser Willen umgehen. Was wolltet ihr in Al'Anfa, wofür man in ein Haus einbrechen muss?" Calarel: "Marcian hat Dokumente benötigt, ich weiß nicht, wozu genau. Es ist besser, keine Fragen zu stellen, wenn es um seine Aufträge geht." Bredo: "Da habt ihr vermutlich Recht. Bis vorhin war mir nicht klar, dass er zur Inquisition gehört. Ich dachte er wäre einfach einer hoher Angehöriger des Militärs." Calarel: "Oh nein, er ist ein Inquisitor, aber ein seltsamer... In Al'Anfa gab es Gerüchte, dass er mit einer Hexe liiert war. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber man sagt, er musste selbst den Scheiterhaufen anzünden. Seitdem ist er ein anderer. Sein Schmerz ist so tief wie die Wüste weit ist." Bredo: *Bredos Augen weiten sich vor Entsetzen. Sein Mund steht eine Zeit offen, bevor er antwortet.* "Was könnte einen Menschen zu so einer Tat treiben?" Calarel: "Pflicht? Angst? Verzweiflung? Eifer? Machtgier? Ich weiß es nicht. Ich durchschaue ihn nicht. Ich verstehe auch den Hass auf Hexen nicht. In Aranien sind sie hoch angesehen, so wie in meiner Heimat die Rahkisa. In Mhanadistan leben sie ganz normal, wie alle anderen auch. Sicher, sie haben Macht, aber dieser Wunsch, Hexen brennen zu sehen, ist mir unverständlich." Bredo: "In Lowangen ist man Hexen gegenüber im Allgemeinen auch positiv gegenüber eingestellt. Wenn man manchen Leuten auf den Dörfern allerdings Glauben schenkt, so gibt es auch welche, die Kinder verschleppen und essen. Wie bei allen Menschen, gibt es sicher auch bei Hexen gute und böse. Da Jadwiga noch nicht auf dem Scheiterhaufen stand, nehme ich an, dass die Inquisition nicht alle Hexen verbrennt. Immerhin stand sie vor dem Großinquisitor und der schien sehr gut informiert über sie. Und sind wir mal ehrlich. Ein nettes Kräuterweibelein ist sie nicht gerade." *Bredo lacht verlegen und kratzt sich am Hinterkopf, wird aber direkt wieder ernst.* "Ich mag Verallgemeinerungen nicht. Zum Guten wie zum Schlechten. Nicht jeder Schwarzmagier ist ein Dämonenbeschwörer, nicht jeder Dieb hat bloß seinen Vorteil im Sinn. Viele lassen sich nicht genug Zeit, um das eigentliche Wesen seines Gegenübers zu ergründen." Calarel: "Weise Worte. Wenn du so sprichst, könntest du in meiner Heimat ein Mawdli sein. Sie wägen auch immer ab, wie die 99 Gesetze auszulegen sind und argumentieren stundenlang, wie eine Handlung zu bewerten ist. Aber du hast recht, selbst in Al'Anfa habe ich Menschen getroffen, die anständig waren. Und auch in der großen Khom gibt es Räuber und Banditen. Dämonenbeschwörung lehrt man übrigens in Mirham. Es zu können ist ein wichtiger Schritt, wenn man es verhindern will. Wenn man nicht erkennt, welcher Dämon beschworen wird, kann man nichts gegen ihn unternehmen. Alles hat mindestens zwei Seiten." Bredo: *Bredo erschrickt kurz bei der Erwähnung der Dämonenbeschwörung in Mirham. Fängt sich aber nach der anschließenden Erklärung, sichtlich erleichtert.* "Ich schätze meine Einstellung ist meinem Leben im Svelttal geschuldet. Dort sieht man Leute unterschiedlichster Völker und Gesinnungen. Thorwaler, Nivesen, Bornländer, Zwerge, Elfen,... Und irgendwie leben alle beieinander und miteinander. Aber sagt, wird man nicht versucht, wenn man Einblicke in diese dunklen Seiten der Magie erhält? Ich hörte die Versuchung ist die stärkste Waffe des Namenlosen auf der stetigen Suche nach neuen Dienern." Calarel: "Die Versuchung ist nur groß, wenn man keinen klaren Geist hat. Ich glaube nicht, dass Magie an sich eine dunkle Seite hat, es sind vielmehr die Absichten der Zaubernden. Und da unterstellen viele Leute den Angehörigen der Schwarzen Gilde Bösartigkeit, wo sie eigentlich nur Toleranz lehrt. Neugier und Wissen treiben uns an, nicht Macht oder Bösartigkeit. Formal betrachtet ist die Erschaffung eines Golems auch dämonische Magie. Wenn aber der Golem hilft, Greifenfurt aufzubauen, ist seine Beschwörung dann etwas Böses? Die Schwarze Gilde sagt: Nein, der Zweck ist es, der entscheidet. Die Weiße Gilde sagt: Ja, der Zweck ist egal, die Art des Zaubers ist entscheidend. Damit vertreten sie die gleiche Position wie einige Mawdlis und Marcians Kirche. Ich für meinen Teil folge der Lehre meiner Akademie: Nimm kein Leben, wenn du es nicht erschaffen kannst." Bredo: "Ich habe ein anderes Bild der Schwarzen Gilde kennengelernt. In Lowangen gibt es die Akademie Hallen der Macht. Skrupelose Menschen, ganz im Gegensatz zu dem von Euch beschriebenen Bild sehr wohl von Machthunger getrieben. Da sind mir die Magier der Grauen Akademie um einiges lieber." Calarel: "Wie du gesagt hast: Nicht jeder Dieb stiehlt nur wegen seines eigenen Vorteils. Ich kenne dieses Lowangen nicht, nur die Akademien in Mirham und Khunchom." Bredo: "Es ist schön jetzt auch ein anderes Bild der schwarzen Gilde zu haben. Da die Frage bleibt, ob Mirham die wenigen weißen Schafe unter vielen schwarzen sind oder umgekehrt, bleibe ich bei Magiern der schwarzen Gilde vorsichtig." Calarel: "Das kann ich nicht beantworten, aber wenn du so offen auf Magier zugehst, wie die Angehörigen der Schwarzen Gilde, wirst du die Wahrheit sicher herausfinden. Oh, ich glaube, die anderen wollen los." Bredo: "Du hast Recht, die Versammlung beginnt gleich."