Die Schlacht auf den Silkwiesen Gareth, 19. Tsa 1012 BF Ich bin in Gareth angekommen und vermisse Bethana aufs neue. Mein Abschied aus Ragath damals war ein guter Schritt, was die Rückkehr angeht, muss sich das erst noch zeigen. Korporal Zoltan zeigt sich in meinen Augen als ziemlich unfähig, ich weiß nicht, ob es an den Umständen oder seiner Person liegt. Meine Truppe ist kein Vergleich zur meinen Kürassieren aus Ragath. Am schlimmsten ist aber, dass ich als Weibel rekrutiert bin. Ich! Als Weibel. Ich bin verdammt nochmal Leutnant der Ragather Kürassiere und kein Weibel. Gareth, 20. Tsa 1012 BF Ich lerne meinen Trupp etwas besser kennen. Heute lasse ich die Jungs und Mädels mit Säbeln üben. Es ist ein schrecklicher Anblick. Da ist Durabosch, ein Zwergenveteran, mürrisch wie ich es von seinesgleichen kenne. Es muss die anderen anleiten, wenn sie eine Chance haben sollen. Eine andere Zwergin, Agmorra, passt eher in ein Bethaner Juweliergeschäft als in die Armee. Noch aussichtsloser im Kampf scheint mit Sylvia zu sein. Armes Ding, ich hoffe, sie flieht, bevor es in die Schlacht geht und schafft es, sich zu verstecken. Ich würde ihr Fehlen jedenfalls nicht bemerken. Die anderen können sich irgendwie behaupten, Salda, eine Thorwalerin, räumt ordentlich auf, braucht aber jemanden, der sie deckt. Vaya tut sehr geheimnisvoll, kann aber passabel Armbrust schießen. Leider sind die Dinge auf dem Feld nicht zu gebrauchen, weil das Laden ewig dauert. Sie scheine eine militärische Ausbildung zu haben, rückt aber nicht so richtig raus, wo sie gedient hat. Armando hat im Khom-Krieg gedient und ist ein recht guter Bogenschütze. Damit sind er und Durabosch die beiden einzigen, auf die ich bauen kann, wenn es ernst wird. Und dann ist da noch Brenno. Der Bursche macht mit Spaß... 10 Jahre alt und will an der Frontlinie kämpfen. Ich werde ihn erstmal einsetzen, um Gerüchte zu sammeln. Gareth, 21. Tsa 1012 BF Heute steht Bogenschießen auf dem Programm. Armando ist sehr gut, Vaya weigert sich, den Bogen zu benutzen und schießt mit der Armbrust. Sie trifft, das ist etwas wert. Die anderen sind in dieser Disziplin nicht zu gebrauchen. Schade, damit hätte es für Sylvia und Agmorra eine Chance gegeben, zu überleben. Gareth, 22. Tsa 1012 BF Korporal Zoltan ist ein Idiot. Es hätte gestern bei der Tagesabschlussbesprechung sagen können, dass heute eine Parade auf dem Programm steht. Immerhin jubeln die Leute der Truppe zu. "Rache für Orkenwall" ist der Schlachtruf. Und während wir durch die Straßen ziehen, merke ich, dass ich nicht mit dem Herz dabei bin. Ich will einfach, dass es vorbei ist, überleben und nach Hause. Gareth, 23. Tsa 1012 BF Heute war der schlimmste Tag meines Lebens. Zoltan hat mich in einen Schlachtenplan eingewiesen, der fragiler kaum sein könnte. Wir haben Verstärkung durch Jadwiga bekommen. Sie ist in gewisser Weise genauso kompliziert wie Vaya, aber sehr nützlich, wenn wir Leute einschüchtern wollen. Sie hat auch irgendwas gruseliges an sich und Brenno hat Angst vor ihr. Wirklich gefährlich für ihn schätze ich sie aber nicht ein. Mit Jadwiga und Brenno wollte ich dann zur Baronin, um Zoltans leidliche Planung zu korrigieren. Die war aber nicht da, stattdessen war da ein Junker, der wenig motiviert erschien. Von ihm haben wir erfahren, dass die Baronin für längere Zeit in Gareth im Rondratempel zu einer Besprechung ist. Brenno hat noch ein Papier mitgehen lassen, mit einer Materialliste mit minderwertigen Säbeln aus Lowangen. Agmorra hat, während wir da unterwegs waren, die Schmiede im Hippodrom aufgesucht und dort minderwertige Säbel und angesägte Schilde gefunden. Das riecht nacht Verrat und Sabotage. Immerhin zahlt Lowangen ja Tribut an die Orks, warum sollten sie dann nicht auch die Waffen für das Reich manipulieren? Da ich ohnehin mit der Baronin sprechen wollte – ich muss es zumindest versuchen –, nehme ich Jadwiga, Vaya, Agmorra und Brenno mit. Am Tor wollte uns die Wache nicht rauslassen. Deppen. Ich kann nichts, ich bin nichts – gebt mir eine Hellebarde! Und dann wollen sie mich rumkommandieren. Naja, schlußendlich sind wir nach Gareth zum Rondratempel gelaufen. Da war die Löwengarde und wollte uns zunächst nicht einlassen. Die waren dann aber leichter zu überreden als die Wachen am Hippodrom. Im Tempel mussten wir eine Weile warten. Ich habe Brenno losgeschickt, er hat herausgefunden, wo die Besprechung ist. Weil mir die Geduld ausgegangen ist, habe ich irgendwann den Sekretär des Tempelvorstehers gebeten, der Baronin zu sagen, dass wir eine dringende Meldung für sie haben. Nach ein bisschen Verhandeln hat er sich auch bereit erklärt, zu helfen und schon nach kurzer Zeit wurden wir von einer Akolythin in einen Raum geführt. Natürlich kam nicht die Baronin, sondern jemand anders. Er hat sich als Baron von Ulmenhain vorgestellt und war einer der Leute, die Brenno in dem Besprechungsraum gesehen hatte. Nun, Agmorra hat ihm von der Entdeckung mit den Säbeln und den Schilden berichtet. Ich bin froh, dass sie dabei ist, weil sie wirklich Ahnung von den Details der Waffenherstellung hat. Er hat sehr verschlossen reagiert. Typisch Adelige, sie sind es ja nicht, die bluten und verrecken. Wir haben ihm dann noch gesagt, wo er uns findet, wenn wer noch Beweise möchte. Und dann kannte er meinen Namen. Verdammt, warum weiß der, wer ich bin? Ich bin unwichtig, ich wurde ohne ersichtlichen Grund zum Weibel degradiert. Danach hat Jadwiga mich noch an den Vorschlag erinnert, den ich der Baronin wegen der Aufstellung machen wollte. Ich denke, mit meinem Trupp könnte ich die Brücke in Silkwiesen so manipulieren, dass die Orks in den Fluss stürzen und ihre Armee geteilt wird. Damit sollten sie leichte Ziele sein. Da fragt mich dieser Graf doch ganz hochnäsig, wie ich mir vorstelle, dass die kaiserlichen Truppen dann ans andere Ufer kämen. Als hätte ich noch nie planen müssen. Ich habe ihm von der Furt erzählt, die auf der Karte zu sehen ist und warum ich es für taktisch klüger halte, die Truppen nicht über die schmale Brücke im Dorf zu führen. Häuserkampf habe ich in Bethana kennengelernt. Das braucht wirklich niemand. Ich weiß nicht, ob das klug war. Jedenfalls meint er, dass er den Vorschlag prüfen wird – und wenn es klappt, die ganze Sache als Fürstenbacher-Manöver in die Geschichte eingeht. Das war zu viel für mich, ich glaube, meine Leute haben mich dann irgendwie aus dem Zimmer geführt... Im Rondra-Tempel haben wir einen Kor-Geweihten gesehen, der der Götting geopfert hat. Wir leben in seltsamen Zeiten. Draußen habe ich allen erstmal zwei Stunden frei gegeben. Danach müssen wir zurück ins Hippodrom, aber ich muss das ganze erstmal verdauen. Ich hatte den Nachmittag in Gareth dann doch noch für ein paar Vergnügungen genutzt. Solange noch Zeit ist, hat Hernold in Ragath immer gesagt... Im Hippodrom gab es dann auch noch eine Überraschung. Ein Neuzugang für meinen Trupp. Bredo, genauso wenig kriegstauglich wie die meisten der anderen. Er kann ein paar nette Jahrmarkttricks, immerhin versteht er sich mit Brenno. Ich hoffe, damit kann er den Jungen von seinen Heldenfantasien ablenken. Gareth, 24. Tsa 1012 BF und folgende Tage Die nächsten Tage sind langweilige Routine. Üben, üben, üben, damit sich die Neulinge mit den schartigen Säbeln nicht selbst verletzen. Viel Hoffnung habe ich nicht, das Sylvia das ganze überlebt. Bei Agmorra und Bredo schaut es nicht viel besser aus. Wer rekrutiert solche Leute für die Plänkler? Wobei mich das nicht wunder sollte. Bredo wurde genauso wie etliche andere durch Tricks rekrutiert. Dieses ganze "Freiwilligenregiment" ist eine einzige Tragödie. Silkwiesen, 1. Phex 1020 BF Es beginnt. Wir rücken aus, die Orks haben das Kloster Marano überrannt. Wenn ich mir die Heerführung anschaue, habe ich wenig Hoffnung, dass das was wird. Die sind schlimmer als der Isbort, der mir damals in Unau das Leben zur Hölle gemacht hat. Ich hätte einfach in Bethana bleiben sollen. Aber jetzt muss ich schauen, dass mein Trupp irgendwie durch das bevorstehende Chaos kommt. Mal schauen, ob ich danach noch etwas schreiben werde oder ob das mein letzter Eintrag ist. Die Heerführung ist so unfähig, wie ich vermutet habe. Die Schlacht ist ein Schlachten – warum nur habe ich kein Pferd und keine Reiterschwadron. Da könnte ich was ausrichten. Hier bei den Plänklern stapfe ich mit unbeholfenen Leuten, die völlig fehl am Platze sind, durch den Matsch und kann nur hoffen, dass wir irgendwie überleben. Sylvia fällt noch vor der ersten Aufeinandertreffen mit den Orks. Wir stellen uns den Orks, aber sie sind uns überlegen. Irgendwann setzen sie auch noch Oger ein, von denen einige von einem Trupp Reiterei niedergestreckt werden. Irgendwann wird zum Rückzug geblasen. Kor-Geweihte, von denen keiner zurückkehrt, decken uns. Was für ein sinnloses Gemetzel, angeführt von ahnungslosen Adligen ohne militärische Erfahrung. Als es dunkel wird, ziehen sich beide Armeen zurück. Wir schlagen unser Lage westlich des Silz auf, die Orks bleiben östlich. Da alle bis an die Grenzen erschöpft sind, lasse ich würfeln, wer Wache halten muss. Die Würfel fallen für Jadwiga, Bredo und mich. Wir beziehen Position bei einer Reihe von Feuerschalen, die die Nacht erleuchten. 60 Schritt müssen wir im Auge behalten, keine leichte Aufgabe, so müde wie wir sind. Irgendwann hören wir Trommeln der Orks. Es ist gespenstisch und ich habe Angst. Dann entdeckt Bredo einen Schatten, der über das Schlachtfeld huscht. Jadwiga und ich verfolgen ihn. Dazu nutzen wir eine Salbe, die Jadwiga dabei hat und die unseren Geruch vor den Orks verbergen soll. Erst, als wir schon ein gutes Stück auf dem Schlachtfeld sind, realisiere ich, dass die Salbe uns unsichtbar macht. Ich kann Jadwiga genauso wenig sehen wie sie mich. Toll, das hätte sie mir auch vorher sagen können. Wir schleichen also über das Schlachtfeld und finden den Schatten. Ein Ork, der Leichen plündert. Ich strecke ihn nieder. Wir schleichen noch etwas weiter voran, finden aber keinen Zugang zum Orklager. Als die Trommeln schneller schlagen, kehren wir zurück. Aus unserem Lager hören wir die Wachfanfare. Mitten in der Nacht ist das sehr ungewöhnlich. Als wir zu Bredo zurückgekehrt sind, meinte er, dass er das gewesen sei. Er bittet darum, das nicht zu melden – wozu auch? Wir ahnen in dem Moment noch nicht, wie klug seine Idee war. Silkwiesen, 2. Phex 1020 BF Ähnlich klug war auch Agmorra, aber auch ihre Idee wird sich erst später in der Nacht bewähren. Bredo, Jadwiga und ich stellen fest, dass die Leichen der Gefallenen sich erheben. Die Orks haben unsere Toten in untote Streiter verwandelt, diese unheiligen Schufte! Dank Bredos Fanfare überollen sie jedoch nicht unsere Truppen. Die sind wach und stürmen den Untoten entgegen. Ich sammle meine Gruppe und in dem Moment, wo wir uns den anderen anschließen wollen, wird hinter dem Lager ein Alarm ausgelöst. Den Alarm hatte Agmorra installiert und das war die größte Leistung an diesem Tag, denn aus der Dämonenbrache fallen uns Orks in den Rücken. Sie haben uns in die Zange genommen. Ich lasse Jadwiga die Gefangenen aus dem nördlichen Lager gen Norden evakurieren. Bredo soll das gleiche für die Leute im südlichen Lager tun. Die beiden sollen auch die Offiziere informieren. Die beiden und Agmorra kehren mit den Verwundeten zum Hippodrom zurück. Mit den anderen stelle ich mich erneut den Orks. Es ist grauenvoll. Durabosch und Salda fallen in dieser Nacht. Nur Armando und ich kehren zurück, verwundet, aber am Leben. Die Orks sind zurückgeschlagen. Es ist vorbei. Gareth, 3. Phex 1012 BF und folgende Wir rasten im Hippodrom und lecken unsere Wunden. Es kehrt Ruhe ein, einige feiern den Sieg, andere trauern um die Toten. Für einige der Verwundeten wird das Leben schwieriger werden. Erfreulicherweise war Brennos Verletzung nicht so schlimm, so dass sich der Bursche erholen wird. Der Dienst ist wieder langweilig wie eh und jeh. Es gibt wenig zu tun, mit Verwundeten trainiert sich schlecht. In meinem Bericht erwähne ich die großartige Idee Agmorras mit dem Alarm und die Initiative von Bredo, Alarm zu schlagen, als die Untoten sich genähert haben. Dass das zeitlich etwas anders verlief, als ich es vermerke, weiß außer uns dreien niemand. Auch die Erkundungsmission mit Jadwiga erwähne ich. Immerhin konnten wir dadurch früher entdecken, dass es diese Untoten gibt. Am 8. Phex erhält Agmorra eine Einladung in den Praiostempel, unterzeichnet von D.N.. Es sei ihr gegönnt, die Idee mit dem Alarm war wirklich gut. Sie soll am 10. Phex dort erscheinen, die anderen wollen sie begleiten. Von mir aus. Gareth, 10. Phex 1012 BF Brenno quengelt so lange, bis ich auch mit zum Tempel gehe. Es stellt sich heraus, dass es sich bei D.N. um den Baron von Ulmenhain handelt, der uns schon im Rondratempel begegnet ist. Er meint, er sei der Leiter der KGIA. Wer's glaubt. Als ob er das zugäbe, wenn er es wäre. Er bittet uns an einen Tisch und dann erscheint ein weiterer Gast, der als Oberst Marcian vorgestellt wird. Dieser Oberst weiß sehr vieles über die Leute aus meinem Trupp, er kennt alle mit Namen und auch einige Hintergründe. Auch von mir weiß er Dinge aus der Vergangenheit. Von Hauptmann vom Pflug und vom Stein scheint er nichts zu wissen, jedenfalls erwähnt er nichts davon. Das hätte mich wirklich aus dem Konzept gebracht. So kann ich ihn behandeln wie jeden höhergestellten Offizier. Immerhin erkennt er an, dass meine Verwendung als Weibel ein Fehler war. Die Diskussion mit dem Baron und dem Oberst fühlt sich seltsam an. Sie wollen die ganze Gruppe für ihre Mission "Greifenschlag" rekrutieren. Es geht darum, die in Greifenfurt einen Aufstand anzuzetteln, um die Stadt von den Orks zu befreien. Ich schlage vor, dass sie mir eine Schwadron Reiterei geben, aber das halten sie nicht führ zielführend. Naja, die beiden haben auch nicht auf den Silkwiesen geblutet. Der Baron hat sogar eine Freistellung vom Dienst für mich. Diese Agentenschufte denken auch an alles. Alle lassen sich darauf ein, ich bin allerdings skeptisch. Wir dürfen Wunschlisten erstellen, welche Ausrüstung wir dafür benötigen. Ich bestelle ein Pferd, damit ich mich wieder vollständig bin. Am 18. Phex soll es Richtung Greifenfurt losgehen, bis dahin werden wir von Sartassa, eine Elfe ausgebildet. Für die anderen ist es sicher hilfreich, etwas Reiten und Kriegskunst zu lernen. Ich lerne, mich zu verkleiden. Das ist eindeutig nichts für mich, ich bin dafür zu geradlinig.