11. Peraine 1020 BF
Ich komme langsam wieder zu mir, Privo hält mich fest.
Hallah reicht mir die Hand und ich stehe auf.
Ich fühle die Magie wieder und muss es wissen: Nagellack!
Mein Fingernägel glänzen wieder schwarz, meine Fußnägel auch – bis auf die beiden, die Ovartoran mir vor beinahe drei Wochen ausreißen lies...
Hallah findet die neuen Fingernägel auch toll, Nera wohl nicht, denn sie will kochen.
Eine Tulamidin kommt mit Kleidung zu uns und stellt sich als Tulamed vor.
Sie hat schwarze Haare und grüne Augen (nicht so ein intensives Grün wie meines).
Eines der Kleidungsstücke ist ein türkiser Sari, wirklich ein gutes Stück, mit freiem Rücken.
Ich finde, dass Hallah diesen Sari tragen sollte und zupfe noch ein wenig daran herum, nachdem Tulamed ihr dabei geholfen hat, ihn anzuziehen.
Hallah ist diese Art Kleidung offensichlich nicht gewohnt – was hat sie nur ihr ganzes Leben lang getrieben...
Wir folgen Tulamed ins Ankleidezimmer um Hallahs Haare zu machen.
Unterwegs begegnet uns Merago, eine ehemalige Diebin.
Sie soll im Haus putzen und Tulamed meint, man muss aber auf sie aufpassen.
Merago fehlen drei Finger an der rechten Hand und sie trägt das horasische Zeichen für Diebe auf der Hand.
Nunja, sie hat wohl den entscheidenden Fehler gemacht, sich erwischen zu lassen.
Während Tulamed sich an Hallahs Haaren zu schaffen macht, durchsuche ich den Kleiderschrank.
Es gibt viel Kleidung, für Männer und für Frauen.
Besonders schick ist eine Paradeuniform mit dem Chorhoper Wappen.
Ich beobachte immer wieder, was Tulamed mit Hallahs Haaren macht.
Das ganze ist so unbeholfen, dass ich das nicht zulassen kann und irgendwann übernehme.
Ich weiß – im Gegensatz zu Tulamed – was ich tue und Hallah sieht sehr hübsch aus, als ich fertig bin.
Sie ist sogar selbst überrascht, als sie sich im Spiegel sieht.
Nera ruft uns zum Essen, sie hat eine riesige Schale mit Obst für uns alle gemacht.
Hallah ruft Merago zu uns um mit uns zu essen.
Sie greift mit den Fingern in die Schale und ich erkläre ihr, wie man eine Gabel benutzt.
Manieren machen uns eben zu Menschen, darauf sollte man immer achten.
Merago kommt aus Kuslik, erfahren wir im Gespräch.
Sie hat Käse und Brot gestohlen und deshalb ihre Finger verloren.
So etwas unnützes, man hätte sie auch einfach als Freiwillige für einen Leidensbund nehmen können.
Ich mag es nicht, wenn auf diese Weise gesunde Körper verschwendet werden.
Als Jasper erscheint, flüchtet Merago.
Hallah spricht mit ihm und lässt in Merago zurückrufen.
Ich bin mir nicht sicher, ob das klug war – Jasper hält das Haus am Laufen und es ist sicher besser, ihn als Verbündetern zu haben denn als Gegner.
Wir unterhalten uns über Hallahs Aufgaben mit der Stadtgarde und ich erkläre Nera anhand von Merago, was nun ihre Aufgabe ist.
Nera fragt, ob ich die Finger von Merago nachwachsen lassen könnte.
Das kann ich leider nicht.
Aber vielleicht gelingt mir irgendwann doch so etwas.
Ich beginne, über Chimärenfinger nachzudenken...
Eine weitere Küchensklavin namens Selema kommt zu uns und schenkt uns Wein ein.
Nera fragt, ob sie uns Gesellschaft leisten will, aber sie verneint.
Hallah fragt sie nach einer Pfeife und Tabak und sie bringt uns eine Shisha und zündet sie an.
Wir rauchen fröhlich vor uns hin, leider erfahren wir dann, dass "Tabak" im Haus ein Codewort für Schwarzen Pfeffer ist.
Nicht, dass ich etwas gegen Schwarzen Pfeffer hätte, aber ich werde ungern von so etwas überrascht.
Also ergebe ich mich erstmal der Illusion und sehe lauter falsche Farben.
Leicht irritiert gehen Nera und ich ins Ankleidezimmer, wo Nera ein weißes Kleid erhält unter dem sie barfuß gehen kann, ohne dass man es sieht.
Ich nehme das dunkle Kleid von Tulamed, ein Paar Pantoffeln und lasse mir von ihr ein Tuch um den Kopf wickeln.
Morgen kümmere ich mich um meine Haare, das ist wichtig!
Wir rauchen wieder, Merago kommt dazu und bringt Boronwein, den Nera und Hallah gut leeren.
Ich bleibe beim Wein und der Shisha und schaue mir irgendwann das Haus an.
Hallahs neues Arbeitszimmer ist toll, da würde ich mich auch wohl fühlen.
Ein riesiger Schreibtisch und ein Sessel aus weichem Leder.
Im Regal liegen Papyrusrollen über die Stadtgarde, 120 Leute hat Hallah unter sich.
An der Wand hängt noch ein Bild, auf dem ein Waldmensch auf einem Elefanten eine Schneise durch einen Wald zieht.
Oben im Haus sind die Zimmer der Sklaven, Jaspers Arbeitszimmer und ein Raum, den ich mir schnappen werde – da werde ich arbeiten!
Pläne reifen, ich kann hier wieder Geld verdienen.
Es gibt auch eine Glocke im Obergeschoss, die man von unten läuten kann.
Das Haus gefällt mir: Es wurde wirklich an alles gedacht.
Die anderen beiden stehen mittlerweile gut im Stoff, so dass ich mich in das riesige Bett in Hallahs Zimmer lege.
Das ist mein Bett.
So eines wollte ich schon immer haben.
Halla und Nera werden von Tulamed und Mergo zum Baden hereingeführt und ich beobachte sie.
Die beiden sind wirklich weit weg von der Welt.
Hallah überlässt mir das große Bett, aber ich lade sie ein, denn es ist Platz genug für zwei.
Ab morgen ist es dann meines.
Wir schlafen und zum ersten Mal seit Wochen fühle ich mich richtig gut.
Heute ist viel Gutes passiert und vielleicht, wenn Hallah mich wirklich freilässt, ist es auch noch nicht vorbei.
Am nächsten Morgen weckt Nera mich wie ein tolles Kind.
Ich will nicht aufstehen, sehe aber irgendwann ein, dass ich das wohl tun muss.
Im Kleiderschrank sind viele Dinge zu finden, aber kaum etwas nach meinem Geschmack.
Ich nehme schließlich die Uniformhose und ein schwarzes Hemd und gehe in Hallahs Arbeitszimmer.
Dort sind Hallah, Nera und Hauptfrau Dominga, die nicht sehr angetan davon ist, dass ich die Uniformhose des Schutzprätors trage.
Aber es waren keine anderen eleganten Hosen da.
Wir verabreden mit Dominga, dass wir die Wache besuchen und vorher noch Hallahs Vorgängerin.
Sie stellt uns noch eine Wache in Ausbildung zur Seite: Fiorella, eigentlich fast zu hübsch für die Stadtwache und definitiv zu vorlaut.
Mal schauen, was das wird...