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Ein Ausweg

Die stickige Luft im Lager der Goblins war beinahe greifbar, gesättigt vom Geruch nach ungewaschenen Leibern und dem ranzigen Fett, das über den kleinen Feuern schmorte. Amir presste sich gegen die hölzernen Stäbe des Käfigs, seine Sinne bis zum Zerreißen gespannt. „Amir gefällt das gar nicht. Amir denkt, die kleinen Rotpelze haben schlechte Laune“, murmelte er in seiner gewohnten Art, während er die gereizten Kreaturen beobachtete.

Unruhe kam in das Lager, als eine neue Gruppe Goblins auftauchte. Sie schleppten nicht nur die bewusstlose Magierin herbei, sondern trieben zwei weitere Gefangene vor sich her. Einer von ihnen war ein Zwerg, der so grimmig dreinschaute, als wolle er die Goblins allein durch seinen Blick in Stein verwandeln – er wurde Amir als Amarosch vorgestellt. Der andere war ein hochgewachsener Krieger von den Zyklopeninseln namens Myrkon. Er wirkte in dieser Umgebung völlig deplatziert, besonders da er seinen schweren Pailos wie ein Zepter trug, das man ihm noch nicht abzunehmen gewagt hatte.

Die Verhandlungen mit der Goblin-Schamanin zogen sich hin. Amir, der es gewohnt war, sich mit seinem Talent für das Herausreden aus brenzligen Situationen zu winden, hielt sich im Hintergrund und beobachtete genau. Er stellte sich, wie so oft, ein wenig dumm, während sein wacher Geist bereits jeden Fluchtweg scannte. Schließlich wurde ein Handel geschlossen: Myrkons stolzes Ross sollte als Pfand im Lager bleiben, während die Gruppe versprach, den Goblins bei einem Problem zu helfen.

Amir konnte ein erleichtertes Seufzen nicht unterdrücken, als ihm sein Hab und Gut zurückgegeben wurde. Seine flinken Finger strichen prüfend über das Dietrichset und den vertrauten Schlagring. „Amir hat alles wieder. Amir ist bereit für das Glitzern“, flüsterte er. Besonders die Schattenlinse verstaute er sorgfältig; er wusste, wie wichtig diese für ihn war.

Obwohl er den Goblins seine Hilfe zugesichert hatte, blieb er in seinen Formulierungen bewusst vage. Er hatte gelernt, dass Versprechen gegenüber Fremden so dehnbar sein sollten wie seine eigenen Glieder als Schlangenmensch. Die Schamanin hatte immer wieder von einem „Waldweisen“ gefaselt, der früher umgänglich gewesen, nun aber verschwunden sei und den Wald in Unruhe versetze.

„Amir versteht nichts von Waldweisen“, dachte er und rümpfte die Nase, als der Wind erneut den Gestank des Lagers herübertrug. „Amir versteht nur Schatten und Gold. Aber wenn dieser Weise den Weg in die Freiheit kennt, wird Amir ihm wohl oder übel zuhören müssen.“ Mit einem flüchtigen Blick zu Amarosch und Myrkon signalisierte er seine Bereitschaft. Die ungleiche Gemeinschaft war geschmiedet, und der Weg nach Norden, hinein in den unheimlichen Wald der wandelnden Bäume, lag vor ihnen.