Etwas zu viel Praiosgefälligkeit für meinen Geschmack... (29.06.2026)
Etwas zu viel Praiosgefälligkeit für meinen Geschmack...
Nachdem wir die Gefahr für Leib und Leben abgewendet, den Ork Schamanen seiner Kleidung und seinen Utensilien entledigt hatten, entschieden wir, dass es keinen weiteren Grund gibt, noch weiter hier im Haus zu bleiben.
Jedoch nutzten wir die geschaffene Sicherheit Wynns noch dazu, uns ein wenig auszuruhen.
Als die Praiosscheibe wieder in ihrer vollen Pracht am Himmel erstrahlte, verabschiedeten wir uns schließlich von der freundlichen, wenn auch seltsamen jungen Frau, die uns noch mit auf den Weg gab, dass wir noch drei Tage hierher zurück kommen könnten, um das sichere magische Versteck zu nutzen.
Jadwiga und ich wählten im Gegensatz zu den anderen, den Weg, welchen wir auch für unseren Einstig und eine eventuelle Flucht genutzt hatten, um meinen Kletterhaken und das Seil zu bergen. Das hing schließlich immer noch im Kaminschlot.
Die grantige Halbelfe, von der ich nun überzeugt bin, dass es sich um eine waschechte Hexe handelt, kletterte nach anfänglichen Schwierigkeiten, überraschenderweise nur mit ihren Händen und Füßen am nackten Stein empor.
Oben angekommen verschafften wir uns einen Überblick, über die inzwischen erleuchtete Stadt.
Hier oben auf dem hochgelegenen Tempelberg, konnte man sämtliche Gebäude überblicken.
Natürlich auch den direkt vor uns liegenden Platz der Sonne, auf dem die von den Orks versklavten Arbeiter, just in dem Moment als wir einen Blick riskierten von diesen gezüchtigt wurden, weil sie noch härter arbeiten sollten.
Entsetzt über die Brutalität stiegen wir hinab zu den anderen, die bereits ungeduldig auf uns warteten.
Gemeinsam begaben wir uns also zurück in die Fuchshöhle, wo wir dann auf diesen Marcian und seine Untergebene Lysandra trafen, die während unserer Abwesenheit nicht untätig gewesen waren.
Er informierte uns darüber, dass es hier in Greifenfurt durchaus noch mehr wiederstandswillige Bürger gibt, als wir bisher angenommen hatten.
Diese würden sich sogar zeitnah in einem Lagerhaus, welches nahe dem Hafen gelegen ist, zu einem Treffen zusammenfinden.
So wie sich Marcian ausdrückte, wären sie sogar bereit dazu, sich nach dem Abzug des Großteils der Orks in einigen Tagen, einem Kampf gegen die Verbliebenen Besatzer anzuschließen.
Gemeinsam mit Lysandras Freischärlern und unserer kleinen schlagkräftigen Truppe hätten wir seiner Meinung nach eine echte Chance Greifenfurt von der Bedrohung endlich zu befreien.
Bredo erfrage bei dem Oberst, ob dieser Neuigkeiten von seinem Meister und dessen Aufenthaltsort hätte und so war es auch.
Er würde in der Festung inmitten der Breite, dem Fluss an der Efferdseite der Stadt gefangen gehalten.
Wir präsentierten daraufhin unsere konfiszierte Karte um einen besseren Überblick zu bekommen und unsere anstehenden Pläne zu präzesieren.
Um die potentiellen Greifenfurter Rebellen gewogener zu stimmen, schlug ich vor, zu dem Treffen mit einer Wagenladung voller Nahrungsmittel dort zu erscheinen.
Schließlich wussten wir ja, wo sich eine ganze Lagerhalle voller Leckereien befand.
Marcian hielt diesen Vorschlag ebenfalls für einen geschickten Schachzug. Als Calarel in dem Gespräch fast beiläufig erwähnte, dass sie die Stadt doch lieber verlassen würde, schien es fast als ob der Oberst dies partout nicht zulassen würde. Wir versuchten der Tulamidin zu erklären, was sie doch für eine Bereicherung für unsere kleine Gruppe darstellte und ihr Fortgehen einen herben Verlust bedeute.
Ihre Fähigkeiten könnten doch ein immenser Vorteil bei dem Angriff auf die Festung darstellen.
Die Erschaffung eines Golems, wie sie diese magischen steinernen Diener immer nannte, wären vielleicht fähig, dass Tor der Garnison zum Einsturz zu bringen, sodass die Angreifer weit weniger Verluste davontragen würden, als bei einem klassischen Angriff auf dieses schwer befestigte Bollwerk.
Dieses Argument schien bei der von Pazifismus geprägten Magistra Eindruck zu hinterlassen und so zog sie den Vorschlag zumindest in Erwägung.
In einem Nebensatz ließ sie dann noch fallen, dass dieser Oberst Macian wohl in direktem Zusammenhang mit der Inquisition der Praios Kirche steht oder zumindest stand.
Ich wusste doch, dass dieser Mann etwas an sich hat, was in mir zur Vorsicht riet.
Viele Avesjünger, so auch ich halten die Praiosdiener für Kettenhunde der Knechtschaft. Der freie Geist und Wille wird von ihresgleichen nur allzu gerne in ein steifes Korsett gezwängt.
Ich werde ihn und seine Aussagen im Auge behalten.
Aber jetzt stand erst einmal die Nahrungsbeschaffung im Vordergrund. Bredo und ich probten also die Täuschung möglicher Ork Patrouillen mittels seiner Illusionen und meiner Aves gegebenen Sprachgewandtheit.
Unsere Generalprobe verlief jedoch katastrophal. Ausversehen beleidigte ich Agmorra wohl damit, dass ihre Wortkarge Sprache doch am ehesten an die der Orks herankomme und sie deshalb einen solchen mimen sollte.
Auch Calarel hatte kein Interesse einen Schwarpelz darzustellen, daher blieb nur Jadwiga übrig.
Sie hatte das Konzept der Probe jedoch anscheinend nicht verstanden, also blieb Bredo und mir nur übrig, uns auf unser naturgegebenes Improvisationstalent zu verlassen.
Der Illusionsmagier überraschte mich daraufhin wieder einmal mit einem seiner Zauber, als er nicht nur die angekokelte Kleidung des toten Ork Schamanen reinigte, sondern zugleich auch die unsrige aussehen ließ als wäre sie gerade erst aus einem Waschzuber gekommen.
Dann ging es los. Bredo steuerte den Wagen und wir anderen hielten uns im verdeckten Teil des Planwagens auf.
Unbehelligt kamen wir bis zu der uns bekannten Lagerhalle und luden dort ohne Aufmerksamkeit zu erregen, unser Gefährt bis zum Rand voll.
Auch der Rückweg zur Fuchshöhle gestaltete sich als ereignislos. Aves sei Dank.
Nun begann der gefährliche Teil. Die Fahrt durch die uns unbekannte Stadt, zu der am Hafen gelegenen Lagerhalle, wo das Treffen stattfinden sollte.
Vorsichtig und bedächtig lenkte Meister Flammenglanz das bis zum Bersten gefüllte Fuhrwerk über die breiten Hauptstraßen.
Einmal wären wir fast mit einer Rotte Orks zusammengestoßen, allerdings schaffte es Bredo gerade noch rechtzeitig abzubiegen und eine Konfrontation zu vermeiden.
Schließlich hatten wir den hafen und die dazugehörige Breite erreicht.
Ein direkter Blick auf die schwer befestigte Festung kündigte von einer harten Aufgabe die uns da bevorstand.
Unvermutet bog plötzlich eine Gruppe Schwarzpelze um eine Häuserecke und so kam die von uns einstudierte Abschreckungsvariante zum Einsatz.
Bredo räusperte sich um mir zu signalisieren mich bereit zu machen. Dann schwenkte er die Zeremonielle Keule und ich rief mit tiefer Stimme lauthals aus: „In Tairachs Namen. Aus dem Weg“.
Kurz und bündig aber wirksam. Die Orks eilten sofort beiseite ohne den Befehl in Farge zu stellen.
Ha, da hatte sich unser unorthodoxer Plan letztlich doch gelohnt.
Weiter am Hafen entlang hörten wir auf einmal Musik. Und als ob das noch nicht ungewöhnlich genug wäre, sahen wir ein Schiff am Kai, in dessen bauch ein Steg führte und aus dem einige betrunken aussehende Menschen torkelten.
Ein Holzschild davor ließ vermuten, das dieses Schiff Möwe heißt. Marcian hatte in einem Nebensatz erwähnt, dass das Lagerhaus unterhalb der Möwe zu finden wäre.
Aber er hatte mit keiner Silbe erwähnt, dass es sich dabei um eine Art Taverne handelt. Und das in einer besetzten Stadt.
Wieder stieg das Misstrauen ihm gegenüber in mir auf. Sollte er uns hier etwa in eine Falle gelockt haben. Sind diese angeblichen Rebellionsbereiten Bürger vielleicht doch nur Kollaborateure und wir in wenigen Augenblicken Gefangene der Orks ?
Ich behielt meine berechtigten Zweifel aber erst einmal für mich und wartete ab.
Wir stellten den Wagen also strategisch günstig zum abladen ab und betraten unauffällig die uns gewiesene Lagerhalle. Wie sich zu unserer Überraschung herausstellte, war Marcian schon vor Ort und die Halle voller Leute.
Nun wird sich zeigen, ob wir in eine hinterlistige Falle gelockt wurden…


