Mehr Glück als Verstand.... (08.06.2026)
Aves steh mir bei.
Greifenfurt könnte wohl meine letzte Reise gewesen sein, wenn das so weiter geht.
Ich mag ja diese Söldnerseelen noch nie in ihrer Gänze verstanden haben, aber sollte nicht auch eine Mietklinge oder ein magiebegabter Mensch so etwas wie einen Selbsterhaltungstrieb besitzen?
Vielleicht lässt mich die Situation, in der wir uns derzeit befinden, etwas überreagieren aber ich fürchte in dieser Stadt, welche von Schwarzpelzen nur so wimmelt, nun mal um mein Leben.
Großer Mut mag ja durchaus eine zwölfgöttliche Tugend sein, aber ein gesundes Maß an Vorsicht ist schließlich Phexgefällig und dem stehe ich nun mal näher als Rondra oder Kor. Auch wenn wir uns in einem Kriegsgebiet befinden.
Daher schreibe ich diese Zeilen in der Hoffnung sie dem Wandelsterntempel in Belhanka persönlich übergeben zu können und nicht im Zuge meines Nachlasses zukommen zu lassen.
Der Magistrat Glombo Brom scheint durch die Belagerung, einem Aufenthalt in einem Noioniten Haus immer näher zu kommen.
Er wirkt fahrig, unkonzentriert und weit entfernt von seiner ehemaligen Berufung als Oberhaupt der Stadt.
Seine Behausung birgt wie erwartet viele Folianten, Schriftrollen und Bücher, die Aufschluss über die Einwohner Greifenfurts geben, jedoch würden jedem Bibliothekar die Fußnägel hochklappen, ob der Ordnung mit der sie hier aufbewahrt werden. Keine Ordnung und Struktur in den von uns gesichteten Texten. Wenigstens eine aktuelle Karte der Stadt konnten wir auftreiben.
In Ermangelung weiterer lohnenswerter Funde, haben wir uns daher entschlossen, unserer Nachforschungen auf die Familie Elfenberg zu konzentrieren, dessen Residenz sich genau gegenüber auf der anderen Seite des Platzes der Sonne befindet.
Mit Ausnahme dieser Jadwiga Schneetod, denn diese Morbide Dame scheint ein großes Interesse am Tod und seinen mannigfaltigen Formen zu haben.
Sie schien einen Narren am Henker Greifenfurts und seiner Behausung gefressen zu haben.
Die Aussage, dass dieser beim Angriff auf die Stadt mit seinem Richtschwert gar zwanzig der Orks niedergemacht hat, hat bei ihr sogar eine gar gruselige körperliche Reaktion ausgelöst.
Insgesamt scheint diese Frau einen Hang zur Grausamkeit und dessen einhergehenden Methoden zu haben.
So überredete sie uns, am alten und halb zerstörten Turm des Henkers vorbeizugehen, um ihre abnorme Neugierde an diesem zu stillen. Unter meinem stillen Protest natürlich.
Ich schien gemeinsam mit Bredo Flammenglanz der einzige zu sein, der jeden Moment damit rechnete, auf eine der zahlreichen Orkpatrouillen zu treffen und gefangen genommen zu werden.
Und als wären meine Nerven nicht schon angespannt genug, flatterte plötzlich auch noch eine riesenhafte Eule mit einem Totenschädel-Gesicht auf Jadwigas Arm.
Caralel, Jadwiga und Bredo untersuchten also den alten Turm und wenig überraschend stießen sie dort auf zwei Skelette, die in einem Bett lagen. Ein Erwachsener und ein Kind.
Die Novadi Magierin Calarel ließ doch tatsächlich ihren Stab heller als ein Efferdfeuer aufleuchten, um die gruselige Szenerie noch intensiver zu betrachten.
Besser hätte man wirklich nicht auf uns aufmerksam machen können.
Bisher dachte ich immer, Hesinde ist die Göttin der Weisheit, nun jedoch stelle ich diese Erkenntnis langsam in Frage.
Aber der Listige hatte Erbarmen mit uns und es wurde niemand auf uns aufmerksam.
Trotz weiterer ausufernder Untersuchungen der Ruine, fanden wir dort nichts interessantes.
Ich hatte also wohl mit meiner Vermutung recht, dass der Henker entweder bei der Verteidigung der Stadt nach seiner Heldentat getötet worden ist oder sich aus dem Staub gemacht hat, um der Rache der Schwarzpelze zu entgehen.
Unbeschadet an der Villa der Familie Elfenberg angekommen, bot sich uns ein skurriles Bild der Hausfassade.
Man weiß ja von der Affinität der Elfen zu Bäumen, aber dass sie sie nutzen um die Fassade eines steinernen Hauses Einbruchsicher zu gestalten, hat mich doch überrascht.
Eine Tür aus dicker Steineiche ohne Schloss und Türring, gewachsene hölzerne Fenster mit verästelten Gittern verwehrten uns den Eintritt.
Den Magiebegabten unserer kleinen Gemeinschaft fiel im Garten ein Springbrunnen ins Auge, den sie näher untersuchen wollten.
Währenddessen machten Jadwiga und ich uns daran, einen anderen Weg ins Haus zu finden.
Und wie es sich für einen Zugvogel des Schicksalswebers gehört, hatte ich natürlich einen Kletterhaken und ausreichend Seil in meinem Rucksack.
Damit ging es hinauf aufs Dach und durch den Kamin wieder Hinab ins innere des Hauses.
Und was soll ich sagen. Dies war völlig unversehrt. Keine Spur von Plünderungen oder Verwüstung.
Entweder haben es die Orks nicht bis ins innere der Villa geschafft oder die Familie Elfenberg hat sich mit den Besatzern arrangiert wie wir ursprünglich vermutet haben.
Draußen machten Bredo und Calarel inzwischen eine für Magier interessante Entdeckung. Dieser Brunnen wurde wohl Opfer eines dämonischen Rituals.
Denn wie sie uns später mitteilten, ließen Blutspuren im inneren, geschmolzenes Wachs und Brandflecken wie von einem explodierenden Lagerfeuer auf der Umliegenden Rasenfläche darauf schließen.
Calarel konnte sogar den Dämon, welcher hier beschworen wurde, mit Namen benennen.
Diese Dame sollte man im Auge behalten, zumal sie sich sogar positiv über die Sündenpfuhlstadt Brabak geäußert hat.
Nun stellt sich die Frage wer diesen beschworen hat und warum? Und vor allem, wo ist diese Ausgeburt der Niederhöllen jetzt?
Erwähnenswert ist noch, dass sich die Familie Elfenberg wohl nicht mehr in ihrem Haus aufzuhalten scheint, denn nach einer oberflächlichen Untersuchungen konnten wir weder Elfen oder irgendjemand anderen zutage fördern.
Daher beschlossen wir den Keller in Augenschein zu nehmen. Ich bin schon sehr gespannt was uns dort erwartet...

