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P

Der Brief ist so kurz wie klar:

Cal, nimm das nächste Schiff über Perricum nach Gareth.
Bei der Nordlandbank ist ein Spesenkonto für die Reisekosten hinterlegt.
Weiteres, wenn wir uns sehen.
M.

Ich seufze, denke an unseren letzten Ausflug vor zwei Jahren und frage mich, aus welchem Fenster er mich diesmal fallen lassen will.
Und ich hasse es, wenn er mich Cal nennt.
Aber der Schuft der Worte kann es einfach nicht lassen, Rastullah möge seine Locken glätten!

Ich packe also das nötigste in meine Tasche und sage Onkel Yerdawan, dass ich man nächsten Morgen aufbrechen werde.
Schiffe von Khunchom nach Perricum fahren fast jeden Tag, am Morgen eines im Hafen zu erwischen, sollte kein Problem sein.

Am Morgen verabschiede ich mich noch von Mutter, sie ist – wie immer – wenig glücklich wenn ich gehe.
Aber da sie auch nicht glücklich ist, wenn ich bleibe, nehme ich das einfach hin.
Ich finde ein Schiff, dass in vier Tagen Perricum erreichen wird.
Von dort, erfahre ich vom Kapitän, sind es zehn Tage bis Gareth, wenn ich dem Fluss und der Reichsstraße folge.

In Perricum werde ich erst einmal aufgehalten.
Ich werde verdächtigt, Dämonen zu beschwören und zur Schule der Austreibung gebracht.
Es kostet mich zwei Tage, die Collegae zu überzeugen, dass ich weder Dämonen beschwöre noch Untote erwecken kann.
Ich beschließe, die weitere Reise meinen Kaftan zu tragen und die Robe und den Hut zu verpacken.

Die restliche Reise bis Gareth verläuft wie ich es gewohnt bin.
Abgesehen davon, dass es sehr kalt ist, erzeuge ich die größte Irritation, wenn ich mein eigenes Geschirr verwende.
Dass ich nichts essen darf, das von Ungläubigen berührt wurde, habe ich bereits in Mirham aufgegeben.
Ich halte mir einfach die Augen zu, wenn ich Tee aus den üblichen Holzschalen oder Zinnbechern in meine Porzellantasse umfülle.

Die Sitten hier sind rau und grob, ganz anders als zu hause.
Aber Pflicht und Neugier lassen mich weiter reisen.
Tatsächlich erreiche ich nach zehn Tagen Gareth.
Von Marcian ist keine Spur zu finden, ich erfahre aber, dass er sich wohl in einer Stadt aufhält, die Wehrheim genannt wird.

Das ist wieder typisch für ihn, aber Rastullah sagt, ich solle mit Ungläubigen geduldig sein.
Der Weg nach Wehrheim benötigt weitere vier Tage, die meiste Zeit benötige ich, jemanden zu finden, der mir helfen kann, den Weg zu finden.
Ich werde angespuckt und als Sandfresser beschimpft, wenn die Leute denken, dass ich ihre Sprache nicht verstehe.
Enkel der Dummheit, Söhne und Töchter der Arroganz, diese Ungläubigen.

Als ich Wehrheim erreiche, freue ich mich fast, Marcian zu sehen.
Auch wenn ich ihn für einen Chaoten halte, hat er sich meinesgleichen gegenüber immer gebührend wertschätzend verhalten.
Er erklärt mir, dass wir noch weiter müssen und gibt mir etwas, dass er als "meine Ausrüstung" bezeichnet.
Ein Sack, in dem ich schlafen soll und eine Zeltplane.
Ich frage ihn, ob er das ernst meint und er nickt nur knapp.
Informationen erhält man von ihm nur, wenn man insistiert, also insistiere ich.
Er plant, eine Operation gegen die Orks.
Orks kenne ich nicht, ich habe nur von ihnen gehört, dass sie eine Mischung aus Menschen und Wölfen sind.
Ich erfahre, dass sie wohl doch den Menschen ähnlicher sind, als den Wölfen und dass sie einen Feldzug gegen das Mittelreich führen.
Wenn ich daran denke, wie sich die Mittelreicher mir gegenüber verhalten haben, kann ich mir vorstellen, dass einige von ihnen Orks sind.

Marcian möchte eine Stadt erobern und ich soll ihm helfen.
Wie, weiß er noch nicht, aber das hat sich auch in der Vergangenheit immer sehr spontan ergeben.

Zusammen mit einer echten Elfe, die Sartassa heißt, brechen wir auf.
Wir ziehen fast einen Gottesnamen durch die Wildnis.
Es ist kalt, es ist nass, es ist matschig und überhaupt ganz grauenvoll.
Ich vermisse den Sand, die Sonne und die Wärme meiner Heimat.
Unterwegs müssen wir immer wieder Orks ausweichen, Sartassa führt uns dabei.
Sie scheint sich gut in der Wildnis auszukennen.
Nach einigen Tagen treffen wir auf einen Trupp Menschen, die sehr brutal sind.
Sie werden von einer Frau angeführt, die Lysandra heißt.
Ich erfahre, dass ihre Mission ist, Orks zu ermorden.
Die Berichte über ihre Gemetzel sind grausam, während das, was sie von den Orks berichten, diese fast vernünftig erscheinen lässt.
Die Orks erobern Siedlungen und nehmen Menschen als Sklaven.
Das ist definitiv sinnvoller, als sie zu töten.

Ich sage nichts dazu, weil ich Lysandra für gefährlich halte.
Sie würde mir sicherlich ohne zu zögern die Kehle durchschneiden.
In ihrer Gruppe sind auch einige, die mich als Sandfresser und Götzendienerin bezeichnen.
Ich bin froh, dass Sartassa da ist, sie ist auch ein wenig eine Außenseiterin, ähnlich wie ich.

Marcian und Lysandra diskutieren über Greifenfurt, unser Ziel.
Dann erklärt er mir, dass wir zu dritt weiterreisen werden – aber mit Lysandra statt Sartassa.
Wieder einer seiner Pläne.
Ich erkläre ihm, dass ich Lysandra nicht vertraue, aber er meint, dass sie loyal zur Sache sei.
Nun, eine Sache bin ich nicht, mir gegenüber wird sie vermutlich nicht loyal sein.
Rastullah schenke mir Gleichmut, dass ich mich meinem Schicksal ergeben kann.

Wir reisen nun also mit Lysandra weiter und erreichen nach weiteren zwei Tagen am Abend Greifenfurt.
Marcian und Lysandra beschließen, dass wir uns in die Stadt schleichen sollen.
Was ich sehe, ist ein Trümmerfeld.
Ich weiß nicht, was Marcian hier zurückerobern will, aber vielleicht ergibt sich morgen etwas.
An diesem Abend schlafe ich in einer Ruine inmitten einer zerstörten Stadt ein.
Ich friere nicht einmal mehr, so erschöpft bin ich nach den letzten Tagen.