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Trackenborn, 1. Rahja 1023 BF

Am nächsten Tag erreichen wir am Vormittag Trackenborn.
Wir sind mittlerweile so hoch, dass es kaum noch Laubbäume gibt und der Wald größtenteils aus Nadelbäumen besteht.
Das Dorf ist von einer Palisade umgeben, ein Bach fließt hindurch und außerhalb der Palisade ist eine Mühle am Bach zu sehen.
Nördlich des Dorfes stehen drei Galgen – wie gruselig.
Etwas weiter sieht man eine Burg, zu der sich ein Weg schlängelt.
Die Burg ist wie aus dem Felsen gewachsen und hat sogar eine Zugbrücke!

Bevor wir uns dem Dorf nähern, sehen wir eine Gestalt in unsere Richtung rennen.
Sie rennt, als geht es um ihr Leben und als sie näher kommt, erkennen wir, dass es eine junge Frau ist.
Die Frau ruft um Hilfe und rennt panisch auf uns zu.
Als sie uns erreicht, völlig außer Atem, und berichtet, dass böse Soldaten hinter ihr her sind.
Ich versuche, sie zu beruhigen und lege ihr tröstend den Arm um die Schulter.
Sie erklärt keuchend, dass ihr Leute unterstellen, sie hätte versucht einem Soldaten mit einem Zauber zu schaden.

Amarosch und Amir sehen eine Staubwolke auf dem Weg von der Burg zum Dorf.
Es sind Reiter, die wohl die Frau verfolgen.
Sie hat wirklich Angst und ich bin sicher, dass von ihr keine Bedrohung ausgeht.
Dann sagt Amarosch, sie solle sich doch besser im Wald verstecken, woraufhin sie panisch weiterrennt.
Ich habe es zwar versucht, aber von den anderen wollte keiner dieser Frau helfen.
Wie kann man so herzlos sein!

Es stellt sich heraus, dass es sich um sechs Reiter handelt, von denen einer ein Praiosgeweihter in rotgoldener Robe ist.
Sie donnern im vollen Galopp durch das Dorf und reiten in unsere Richtung.
Ich entzünde das Licht meines Stabes und stelle mich in den Weg.

Als die Reiter bei uns ankommen, werden sie langsamer.
Amarosch zieht mich trotzdem zur Seite, so dass mein Gruß in einem Stolpern endet.
Ich rufe: "Hesinde zum Gruße! Wohin so eilig?"
Die Reiter halten an und grüßen uns.

Vier Männer und eine Frau, in Kettenhemden und Lederrüstungen und schwer bewaffnet.
Bis auf einen tragen alle ein Praiosamulett.
Der Praiosgeweihte fragt uns, ob wir eine Frau gesehen hätten und beschreibt uns die Geflohene.
Ich schüttele den Kopf aber Myrkon sagt "Ja!" und zeigt über die Schulter in Richtung des Waldes.
Als die Verfolger weiter wollen, frage ich, was sie denn von der Frau wollten, sollten wir sie gesehen haben.
Während die Pferde angaloppieren, ruft mir eine der Frauen zu, sie sei eine Hexe und hat einen Soldaten verletzt.
Dann preschen sie los.

Ich bin fasssungslos.
Dann überkommt mich Wut und ich stürme auf Myrkon los und beschimpfe ihn.
Wie kann er so herzlos sein und eine Unschuldige ausliefern?
Ich packe ihn an den Schultern, aber ich kann ihn nicht rütteln.
Da sind schwer bewaffnete Reiter, die eine wehrlose Frau verfolgen.
Das darf nicht sein – aber Myrkon akzeptiert meine Perspektive nicht.
Dieser Stahlkopf, wo ist sein Mitgefühl?

Es stellt sich heraus, dass Myrkon und Amarosch diesem Geweihten schon begegnet sind.
Aber das ist kein Grund, der Frau nicht zu helfen.
Ich lasse von Myrkon ab und laufe der Frau in Wald hinterher.

Es dauert eine Weile, bis ich Spuren finde, denen ich folgen kann.
In solchen Dingen bin ich nicht sonderlich gut.
Schließlich gelange ich wieder auf den Weg und sehe, dass die Reiter mir entgegen kommen.

Einer von ihnen, der sehr grob und dumm ausschaut, hat die Frau quer vor sich auf dem Pferd liegen.
Sie halten an und der Geweihte grüßt mich erneut und fragt, was ich im Wald mache.
Ich meine: "Ich passe auf, dass ihr eure Aufgaben rechtmäßig erfüllt."
Er antwortet: "Ich brauche keine dahergelaufene Magistra, die mir erklärt, wie ich meine Arbeit zu machen habe."
Sonderlich klug ist er also nicht, der Herr Geweihte.
Ich antworte bewusst frech: "Ich würde mir nie anmaßen, Euch zu sagen, wie Ihr Eure Arbeit zu machen habt. Ich passe nur auf, dass Ihr sie rechtmäßig tut."

Das scheint ihn immerhin zu irritieren.
Also frage ich weiter, was die Frau getan hat und erfahre, dass ein Soldat von Freiherr Trackenborn für Wochen außer Gefecht gesetzt ist.
Das ist eine gute Gelegenheit, bei der armen Frau zu bleiben und ich meine, dass sie Glück hätten, weil ich ja Heilmagierin bin.
Ich biete meine Hilfe an und schlage vor mitzureiten.
Einer der Männer, der schon recht alt ist, reicht mir die Hand und ich klettere zu ihm aufs Pferd.

Auf dem Weg ins Dorf frage ich ihn verschiedenes, aber er antwortet sehr zurückhaltend.
Die Frau hat wohl ein Pferd verzaubert, das dann gescheut und einen Soldat abgeworfen hat.
Der hat sich beim Sturz den Arm gebrochen.
Mir fallen hundert Gründe ein, warum ein Pferd scheut und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass gerade eine Hexe Magie dazu benötigen würde, einen dieser Gründe herbeizuführen.
Der Alte mit dem ich reite, trägt neben dem Greifen noch einen Delphin.
Er steht wohl auch Efferd nahe, dem wir ja in Albenhus einen Gefallen getan haben.

Im Dorf halten sie vor dem Gasthaus und ich soll absteigen.
Damit habe ich nicht gerechnet.
Eigentlich wollte ich einen Verwundeten versorgen, also weigere ich mich.

Der Geweihte will ihn morgen zu mir schicken und auch mein Insistieren kann ihn nicht umstimmen.
Er meint, er würde es begrüßen, wenn ich seine Worte schätzte und absteigen würde.
Ich antworte: "Ich kann auch vom Pferd absteigen, ohne eure Worte zu schätzen."
Sein Greifvogelgesicht verfinstert sich deutlich.
Toll Callan, du hast einen neuen Freund.
Warum kann ich meinen Mund nicht halten.

Als sie losreiten rufe ich hinterher: "Ihr habt sechs Pferde dabei, passt auf, dass sie nicht scheuen!"
Die schwarzhaarige Reiterin macht eine abfällige Geste in meine Richtung.
Ich kann nicht widerstehen, stampfe mit meinem Stab auf den Boden und mache eine "Ich beobachte euch"-Geste in Richtung der davoneilenden Reiter.

Boreas steht vor dem Gasthaus angebunden und säuft aus der Tränke.
Die anderen sind vermutlich drinnen und ich habe mittlerweile auch Hunger.
Also schaue ich mal, ob Myrkon mir meinen Wutausbruch verzeiht...