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Trackenborn, 2. Rahja 1023 BF, Nachtrag
Myrkon überredet die Wache mit dem gebrochenen Arm, sich von mir heilen zu lassen.
Der Arm ist solide versorgt, aber ich heile den Bruch mit einem Balsam.
Leider reicht das nicht.
Sie lassen uns nicht in die Burg.
Amarosch meint, dass er und Myrkon den Inquisitor kennen, aber auch das hilft nicht.
Nach ein paar weiteren Diskussionsversuchen gehen wir wieder zurück.
Ich frage beim Gehen die Wache mit dem gebrochenen Arm nochmal nach dem Pferd.
Was da geschehen ist, dass es gescheut hat.
Er selbst meinte, er hätte es nicht gesehen.
Aber ein anderer namens Winbald hat wohl gesagt, dass es geblitzt hat.
Im Gehen bemerken wir einige Betriebsamkeit in der Burg.
Myrkon fragt, was denn so los ist und wir erfahren, dass sie die Pferde satteln.
Aber der Geschwätzige wird von seinem Bruder schnell unterbrochen.
Vermutlich wollen sie Madalea wieder fangen.
Die Arme ist aber bei Amir in Sicherheit.
Hoffe ich.
Wir machen kehrt und Myrkon fragt mich dann so, dass sie es hören, wie das mit dem richtigen Weg der Magie ist.
Ich erkläre, etwas lauter als notwendig, dass man da Heilen lernen kann.
Vielleicht nützt das ja was, damit der Kerl mit dem gebrochenen Arm wenigsten nett zu Madalea ist.
Es tut mir natürlich leid mit seinem Arm, aber Madalea kann da meiner Meinung nach auch nichts dafür.
Wir gehen wieder zu Thika, in der Hoffnung, dass Amir und Madalea eingetroffen sind.
Ich erkläre den anderen beiden meine Vermutung, dass sie die Pferde satteln, um Madalea zu verfolgen.
Als Amarosch uns in der Tarverne etwas zu essen holt, sehe Mirio am Fenster.
Ein sehr neugieriger Bursche.
Fast wie ich.
Wir kommen bei Thika an.
Amir und Madalea sind schon eingetroffen.
Thika macht sich Sorgen und bittet uns vor die Hütte.
Ich erzähle von der Akademie und dass ich Madalea helfen will.
Dort kann sie entweder lernen, die Magie zu beherrschen, oder sie kann die astrale Kraft ganz loswerden.
Ich berichte von den Beziehungen der Akademie in Lowangen zu Hexen und Druiden.
Damit gewinnen wir offenbar Thikas Vertrauen, denn sie berichtet von Hexen, die in der Gegend leben.
Thika denkt, dass die Hexe auf der Burg eine Hexe des Grünen Tals ist.
Thika kennt sie, weiß aber nicht, wo die Hexe lebt.
Sie sind auch eher lose bekannt, keine guten Freundinnen.
Die Hexe wird von einem Raben begleitet.
Thika meint, wenn sich die Schwestern einmischen, kann es schnell hässlich werden.
Das sollten wir also vermeiden, wenn es nicht schon zu spät ist.
Wir beschließen, weiter aufzuklären.
Thika will mit Madalea und Wilfried, der Ziege, in den Wald.
Da gibt es eine Höhle, die niemand im Dorf kennt.
Um einen Überblick zu gewinnen, verwandle ich mich in einen Falken.
Ich drehe eine große Runde über die ganze Gegend.
Es ist wunderschön, hier über den Wolken, ist die Freiheit grenzenlos.
Ich kann neben Trackenborn eine gerodete Fläche erkennen.
Es gibt da Hügel, aus denen es qualmt, vermutlich arbeiten da Köhler.
In der Nähe vom Schwarzfall überkommt mich ein Engegefühl in der Brust.
Der Schwarzfall ist ein Bergklamm, wo der Wasserfall durch eine enge Klamm fließt.
Über dem Trackenberg schweben tiefe schwere Wolken und auch das Trackenhorn kann ich sehen.
Auf dem Rückflug sehe ich, dass 6 Reiter die Burg verlassen.
Sie reiten in Richtung Dorf.
Ich lande und berichte den anderen, was ich gesehen habe.
Amir erzählt, dass Madalea von einer Echse im Verlies berichtet hat.
Ich kenne nur die Orkland-Achaz, aber es hört sich ganz ähnlich an.
Irgendwo habe ich mal von Kristallomanten gehört.
Vielleicht ist das so einer.
Wir vermuten, dass die Hexen nicht böse sind, weil Thika uns das sicherlich gesagt hätte.
Wir kommen wieder bei der Mühle an.
Federik ist zurück, sonst niemand.
Er meint, er hat dem Inquisitor alles erzählt.
Nach einigem Nachfragen, stellt sich heraus, dass er möglicherweise schon die Wahrheit gesagt hat, aber auf eine für Madalea sehr nachteilige Weise.
So ein gemeiner Schuft, und der soll ihr Bruder sein!
Zurück im Dorf hören wir Gerüchte.
Im Dorfkrug erzählt Ogo, dass eine Hexe den Herrn Trackenborn verflucht hat.
Ogo will Ana nach Albenhus schicken, um Bier zu holen.
Die anderen fragen, ob ich den Fluch brechen kann.
Das ist natürlich nicht so einfach und ich erkläre die magische Theorie dazu.
Währenddessen muss Ogo zum Schmied.
Amir folgt ihm.
Wir bemerken, dass Mirio uns belauscht.
Ich gehe also zu ihm und versuche, ihn um den Finger zu wickeln.
Das gelingt sogar, als ich ihn mit Morco vergleiche.
Es fällt mir auch nicht schwer, er schaut auch gut aus.
Ana kommt zur Türe rein und spricht mit Mirio.
Amarosch sagt Ana, dass er einen Brief an Weibel Seiler senden will.
Sie wird den Brief mitnehmen.
Dann gehen Ana und Ogo, weil der Geweihte Hurgol eine Ansprache halten will.
Wilja richtet seine Robe, weil er etwas zittert und die unordentlich ist.
Der alte Hurgol steht vor dem kleinen Peraineschrein, die grün-gelbe Robe etwas schief über den Schultern, die Hände auf seinen Stab gestützt. Neben ihm steht Wilja, unscheinbar, den Blick gesenkt.
Alle sind still.
Dann begibt Hurgol zu sprechen.
Kinder der gütigen Mutter Peraine. Wenn der Acker krank ist, dann hilft es nicht, blind mit der Sense darüberzufahren. Wer so handelt, nimmt das Unkraut vielleicht mit — aber auch die junge Saat, die noch hätte Frucht tragen können. Wenn ein Tier lahmt, schlägt man es nicht, damit es schneller geht. Man sieht nach dem Huf. Man legt die Hand auf die Wunde. Man prüft, ob ein Dorn darin steckt. Und wenn ein Mensch fehlgeht, krank ist, erschrickt oder Dinge tut, die er selbst nicht versteht, dann soll man nicht zuerst nach dem Strick greifen, sondern nach Wahrheit, nach Heilung und nach einem Weg zurück in die Gemeinschaft. Die Mutter Peraine lehrt uns Geduld. Kein Korn wächst, weil wir es anschreien. Kein Bruch fügt sich, weil wir den Verletzten schelten. Keine Wunde heilt besser, weil wir sie vor allen Leuten aufreißen und mit Fingern hineinzeigen.
Das heißt nicht, dass wir blind sein sollen. Peraine verlangt keine Torheit. Wer Fäulnis im Kornspeicher findet, soll sie nicht verstecken. Wer Krankheit erkennt, soll sie nicht schönreden. Aber wer heilen will, muss genau hinsehen. Er muss unterscheiden zwischen Fäulnis und unreifer Frucht, zwischen Schuld und Unglück, zwischen Bosheit und Angst. In aufgeregten Zeiten werden Worte schnell wie Hagel. Sie fallen hart, und wo sie treffen, bleibt Schaden zurück. Darum achtet auf Eure Zungen. Ein Korn, das einmal zermahlen ist, wird nicht wieder zur Ähre. Ein Wort, das einmal gesprochen ist, kehrt nicht ungeschehen in den Mund zurück. Fragt Euch, bevor Ihr redet: Habe ich es gesehen? Habe ich es verstanden? Dient mein Wort der Heilung — oder nur meinem Zorn? Denn auch wer die Wahrheit sucht, kann Unheil säen, wenn er sie mit groben Händen aus der Erde reißen will.
Heilige Mutter, wir sind dein Samen.
Lass uns erblühen in der ganzen Welt
und dereinst in deinem Heiligen Garten,
für alle Ewigkeit. Es sei!
Mit einer nachdenklichen Stimmung gehen wir alle ins Bett.