Trackenborn, 3. Rahja 1023 BF
Amarosch, Amir und ich stehen früh auch.
Wir machen gemeinsam Frühstück, es gibt Eier, Speck und Pfannkuchen für Amir.
Während des Frühstücks unterhalten wir uns mir Mirio und Ogo.
Mirio ist mindestens so neugierig wie sein Vater.
Ogo erklärt uns, dass der braune Harro wohl ein schwarzer Zauberer war.
Ich halte das für unzutreffend, aber ich esse gerade.
Amir fragt, ob schwarze Zauberer nicht in Türmen wohnen.
Das weiß Ogo nicht, ich finde es lustig.
Amarosch meint jedenfalls, dass der braune Harro wohl einfach nur ein Räuber war.
Ogo meint auch, wir sollen uns die alte Burgruine anschauen, die wäre sehr interessant.
Das macht mich neugierig, aber erstmal möchte ich gerne die Sache mit Madalea aus der Welt schaffen.
Dann erzählt Ogo, Pedora hätte gesagt, ich könnte den Fluch von dem Herrn Trackenborn nehmen.
Ohje, wie soll mir das nur gelingen.
Ich habe ja noch nicht mal einen Zauber, mit dem ich erkennen könnte, ob ein magischer Fluch auf ihm liegt.
Zwischendurch weckt Amarosch Myrkon, der sich für ein schnelles Frühstück zu uns setzt und dann nach draußen verschwindet.
Wir unterhalten uns noch eine Weile mit Ogo, als Pedora hereinkommt.
Der Inquisitor will wohl eine Ansprache halten und alle sollen kommen.
Mir schwant schreckliches, ich mag ihn nicht.
Bisher hat er sich nicht nur wenig klug, sondern auch wenig menschlich gezeigt.
Eine schlechte Kombination, wenn Grausamkeit auf Dummheit trifft.
Auf dem Dorfplatz haben sich mehr Leute versammelt als gestern bei Hurgols Rede.
Pedora steht ganz vor.
Ich stelle mich etwas abseits neben Ana.
Die Stimmung ist bedrückend.
Der Inquistitor wirkt mit seinen Schergen bedrohlich.
Er ist auch der einzige, der auf einem Pferd sitzt.
Dann hält ein eine Hetzrede, die ich kaum ertragen kann.
Vom Angriff auf den Herrn Trackenborn, bösen Hexen und dass sie das dorf bedrohen.
Ich kenne Bedrohungen, in Lowangen lebt man jeden Tag damit.
Die Hexen hier sind keine.
Die Leute aus dem Dorf sollen sich in bewaffnete Suchtrupps aufteilen und die Hexen jagen.
Das ist mehr, als ich ertragen kann.
Als er geendet hat und sein Pferd einschüchternd durch die Meute treibt, stoße ich mit meinem Stab auf den Boden und rufe laut "Haltet ein!"
Ich hätte ja nicht damit gerechnet, dass das tatsächlich passiert.
Aber er hält wirklich an, auf seinem Pferd, inmitten der Leute.
Alle schauen mich an.
Der Inquisitor wendet sich mit zu und und lässt das Pferd langsam in meine Richtung laufen.
Toll, Callan, du hast es wieder einmal geschafft.
Der Mund folgt dem Herz und der Kopf rennt japsend hinterher.
Jetzt muss ich mir schnell etwas einfallen lassen.
Ich halte laut, aber mit zitternder Stimme eine Gegenrede, während er mir näher kommt.
Ich bemühe mich, den Leuten zu erklären, was wirklich passiert ist.
Ob er es versteht, ist mir egal, ich will nicht, das Blut vergossen wird.
Mittlerweile ist er mit seinem Pferd so dich vor mir, dass er mich mit einem Fußtritt umstoßen könnte.
Aber ich werde nicht vor ihm zurückweichen.
Dann habe ich eine Idee:
Ich rufe laut, dass alle, die sich nicht an der Hexenjagd beteiligen unter meinem persönlichen Schutz stehen.
Selten hatte ich so eine dumme Idee, die Schergen des Inquisitors lachen mich aus.
Dann beugt er sich vor und flüstert mir zu, dass ich mich der Ketzerei schuldig mache und dass er mich dafür auf den Scheiterhaufen bringen wird.
Das geht zu weit, und ich rufe laut: "Das wagt ihr nicht! Ich bin eine Adepta Minor der Grauen Gilde des Geistes und habe keinerlei Verbrechen begangen!"
Plötzlich steht Myrkon an meiner Seite.
Er hat gehört, was der Inquisitor mir zugeflüstert hat und stellt sich zu mir.
Oh, Myrkon, noch nie war ich so dankbar.
Er erklärt dem Inquisitor, dass er im Namen Rondras gegen ihn aufbegehren wird, wenn der Inquisitor Hand an mich legt.
Myrkon, du ahnst gar nichts, wie froh ich bin, dass du da bist.
Ich weiß gar nicht, warum ich überhaupt noch stehe, meine Knie sind wie aus Butter.
Dann bemerke ich, dass auch Amarosch neben mich getreten ist.
Tapferer Zwerg, es ist gut, Freunde zu haben.
Der Inquisitor wendet sein Pferd und erst jetzt bemerke ich, dass seine Leute die Dorfbewohner bereits in Trupps aufgeteilt haben.
Sie ziehen los, als Pedora zu uns kommt und uns hinter den Dorfkrug bittet.
Es folgt eine anstrengende Diskussion mit ihr darüber, was zu tun ist.
Pedora will sich nicht mit der Obrigkeit anlegen, was ich verstehen kann.
Myrkon hält mich zurück, den Inquisitor zu beleidigen.
Wir schaffen es gemeinam, Pedora zu überzeugen.
Pedora will die Dorfbewohner anhalten, nur zu melden, wenn sie die Hexen gefunden haben.
Mehr kann sie nicht tun.
Aber sie meint, wir sollen gegen Mittag zur Burg kommen.
Zwischendurch entschuldige ich mich noch bei Ana, die neben mir stand als der Inquisitor auf dem Pferd zu mir kam.
Sie ist rückwärts über eine Hecke gestolpert und ich konnte mich gar nicht gleich um sie kümmern.
Es scheint, sie nimmt mir das nicht krumm und beteiligt sich nicht an der Hexenjagd.
In dem Moment scheppert es und ich höre, wie ein Körper plumpst.
Amir schaut aus dem Fenster des Dorfkrugs und winkt uns hinein.
Drinnen sehen wir, dass er Mirio bewusstlos geschlagen hat.
Amir erklärt, dass Mirio uns belauscht hat und wohl für den Inquisitor arbeitet.
Mirio, das hätte ich nicht gedacht!
Allerdings gibt es auch keinen Beweis, dafür.
Ich versorgen Mirios Kopfwunde provisorisch, während Amarosch die Perainegeweihen holt.
Wilja lässt Amarosch und Myrkon Mirio zu einer Hütte tragen, wo sie ihn versorgen möchte.
Amir schlägt mir währenddessen vor, Mirio zu verhören.
Er traut sich nicht, dass Myrkon vorzuschlagen und bittet mich um Hilfe, Myrkon zu überreden.
Myrkon sieht das aber sehr entspannt und will Mirio tratschen lassen.
Ich gehe kurz zu Hurgol und frage ihn nach Geschichten über die Hexen.
Er meint, dass er keine Hexen kennt, aber das Thika welche kennen könnte.
Hurgol berichtet auch vom Köhler Makir Holzdorn.
Thika hat Makir vor langer Zeit einmal das Leben gerettet, als er einen Unfall hatte.
Makir hat ein gutes Herz, ist aber schroff, das sollten wir bedenken, wenn wir mit ihm reden.
Ich verabschiede mich und freue mich sehr, als Hurgol mir noch einen Segen mit auf den Weg gibt.
Zurück bei den anderen, sehe ich, dass Miro aufgewacht ist.
Er meint, sein Kopf tut weh und ich solle mir das nochmal anschauen.
Als ich ihn noch einmal untersuche, flüstert er mir zu, dass er mich heute nach Sonnenuntergang im Wald hinter der Mühle treffen möchte.
Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich es verstanden habe, bin mir aber nicht sicher, ob er sich mit mir oder mit uns treffen möchte.
Wenn ich mir Mirio anschaue, wäre mir durchaus beide Varianten recht.
Es ist noch etwas Zeit bis wir zur Burg müssen, um Pedora zu treffen.
Also gehen wir zum Köhler.
Makir ist eigentlich sehr nett, finde ich, weniger schroff als mich Hurgols Warnung glauben lies.
Er warnt uns vor dem Inquisitor und verspricht, Thika zu besuchen, wenn wieder etwas Ruhe eingekehrt ist.
Wir nehmen noch ein paar Säcke Holzkohle mit zurück ins Dorf uns stellen sie für ihn beim Dorfkrug ab.
Dann gehen wir zur Burg.
Pedora hat uns bereits angekündigt, daher lassen die Wachen uns heute durch.
Im Hof begrüßt uns Pedora und meint, der Herr wäre bereit, mit uns zu reden.
Allerdings nur durch die verschlossene Türe, weil er sich nicht zeigen kann.
Ich kann ihn überreden, mich zu ihm zu lassen, weil ich Heilmagierin bin.
Allein darf ich eintreten.
Er sieht wirklich schlimm aus, Hexen können grausam sein.
Ich frage, ob ich nähertreten darf, um ihn zu untersuchen.
Ich wedele ein bisschen mit den Armen und spreche ein Frühlingsgedicht auf Bosparano.
Dann schaue ich ihn ernst an und erkläre, dass der Fluch geheilt werden kann.
Ganz hinten in meinem Kopf flüstert eine leise Stimme, dass ich zu weit gehe, weil ich den Fluch gar nicht magisch untersucht habe, aber ich will das jetzt zu Ende bringen.
Also lasse ich ihn zitieren, was die Hexe sagte, als sie ihn verflucht hat.
Sei meinte, er solle alle Unschuldigen freilassen, die er gefangen hat.
Ich meine, er solle das tun, dann ist der Fluch gebrochen.
Er ist skeptisch, weil er meint, es sei Sache des Inquisitors, die Unschuld zu beweisen.
Ich halte dagegen, dass es ein Beweis der Unschuld sei, wenn der Fluch gebrochen wird, denn er macht genau das zur Bedigung.
In solchem Momenten bin ich sehr froh, dass ich in den Vorlesungen über dialektische Logik immer so aufmerksam war.
Der Inquisitor will sich mit mir geistig duellieren?
Soll er doch, aber er ist unbewaffnet!
Wir besprechen diese verzwickte Lage ein wenig und dann erklärt er sich bereit, die Müllers und den Echsenmensch freizulassen.
Pedora soll das erledigen.
Als ich nach draußen komme, schlottern mir zum zweiten Mal heute die Knie.
Ich berichte den anderen, was sich zugetragen hat und Pedora lässt sich die ungewöhnliche Anweisung von Herrn Trackenborn noch bestätigen.
Dann lassen wir gemeinsam die Müllers frei und holen auch den Echsenmensch aus dem Turm.
In der Sonne erwachen seine Lebensgeister.
Da ich keine Ahnung habe, ob mein Plan funktioniert und der Fluch tatsächlich gebrochen ist, meine ich zu den anderen, dass wir uns beeilen müssen.
Der Echsenmensch will aber die Burg nur verlassen, wenn er seine Steine wiederbekommt.
Pedora findet ein Beutelchen mit Steinen im Wachhaus und dann ist er zufrieden.
Draußen trennen wir uns von Pedora.
Ich gemahne die anderen, dass wir uns schnell von der Burg entfernen.
Der Echsenmensch erklärt uns, dass er zu einem Wasserfall will – dem Schwarzfall.
Er meint, seine Steine würden ihm den Weg weisen und er sieht dort keine Gefahr.
Dann verabschiedet er sich von uns und wir beschließen, die Burgruine zu untersuchen.