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Nachtlager, 22. Phex 1012 BF, Nachtrag

Wir teilen die Wachen ein.
Als einzige Erfahrene Kämpferin übernehme ich die Hundswache.
Irgendwann weckt mich Brenno – es sind Wölfe zu hören.
Guter Junge.

Ich stehe auf, nehme Säbel, Buckler und meine Rüstung aus dem Wagen.
Das Madamal seht hell am Himmel, von Nordosten kommt Wind auf.
Die Wölfe sind etwas nördlich von unserem Lagerplatz zu sehen, sie wühlen in der Erde.
Seltsam, dass sie uns nicht angreifen.

Wir hören Geheule und sehen, dass die Wölfe nach Nordwesten flüchten.
Ich will mir anschauen, was sie da gesucht haben und laufe in die Richtung.
Dichter Bodennebel beginnt, man sieht kaum, wohin man tritt.
Die Erde ist naß, ich fühle mit den Fingern den Boden und stelle fest, dass er rot ist.
Blut.
Plötzlich steht Jadwiga neben mir, packt meine Hand und leckt meine Fingerspitzen ab.
Sie schaut mich an und sagt: "Blut" und schaut dabei sehr zufrieden aus und starrt in den Himmel.
Was stimmt mit ihr nicht?
Das muss ich morgen klären, jetzt ist erst einmal wichtig, was hier passiert ist.
Im Dreck sieht man dort, wo die Wölfe gescharrt haben, Körperteile.
Der Größe nach von Menschen – vermutlich haben die Orks hier ein Massaker veranstaltet und die Toten dann einfach liegen lassen oder verscharrt.

Plötzlich tauchen Nebelsäulen und Vaya neben uns auf.
Dazu das ständige Heulen – ich rufe "Zurück!", drehe mich um und renne zum Wagen.
Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass Jadwiga und Vaya folgen.
Bredo, der am Rande des Nebels stehen geblieben ist, rennt ebenfalls zurück zum Wagen.

Als ich den Rand des Nebels erreiche, bleibe ich stehen und drehe mich um.
Ich möchte schon wissen, was da vor sich geht und auch wenn es gruselig ist, 
Vaya bleibt ebenfalls stehen.
Ich meine: "Das ist ein Massengrab. Vermutlich wurden sie durch Orks getötet. Wir brauchen einen Geweihten, um den Grabsegen zu sprechen."

Die Nebelsäulen formen sich zu menschenähnlichen Figuren, ganz als wollten sie meine Worte bestätigen.
Es müssen hunderte sein.
Vaya legt mir die Hand auf die Schulter und beginnt etwas zu sagen.
Ich stoße die Hand weg.
Weil ich ihr nicht vertraue und nach dem Erlebnis mit Jadwiga gerade, möchte ich nicht berührt werden.

Dann stürmt sie plötzlich nach vorn, zwei Dolche gezogen und sticht auf die Nebenschwaden ein.
Toll, noch eine Verrückte.
Als reicht Jadwiga nicht schon.
Ich schaue zu den anderen am Wagen, die blicken entsetzt in unsere Richtung.
Dann rufe ich Vaya zu, sie soll zurückkommen.
Hier braucht es göttlichen Beistand, keine Dolche.
Sie kämpft aber wie eine Besessene gegen die Nebelschwaden – die sich als Wiedergänger herausstellen.
Allerdings haben sie uns nicht angegriffen.
Wenn sie uns nicht angreifen, sollten wir sie in Ruhe lassen und Priestern Bescheid geben.
Vaya wird von dem Wiedergänger übel zugerichtet, erhält aber keine Unterstützung.
Ich werde da nicht eingreifen.

Dann höre ich es hinter mir rumpelt.
Agmorra lenkt den Wagen in unsere Richtung.
Bin ich nur von Irren umgeben?
Sie ruft etwas von Aufspringen – wozu?
Opfert sie den Wagen mit allen andere, um Vaya von ihrer Selbstmordmission zu retten?

Die hat wohl mittlerweile eingesehen, dass das nicht sinnvoll ist, was sie da treibt und rennt auf uns zu.
Agmorra lenkt den Wagen um mich herum, Vaya springt auf.
Ich schüttele nur den Kopf und laufe zur Lagestätte zurück, wo ich fast gleichzeitig mit dem Wagen ankomme.
Es scheint, als hat er das Manöver überstanden.
Alles andere wäre auch ein Problem gewesen.

Ich bin mittlerweile sehr genervt.
Jadwiga, Vaya, Agmorra – alle verhalten sich wie Helden.
Und Helden erkennt man daran, dass es Grabsteine mit ihren Namen gibt.
An unseren Auftrag denken sie keine Minute lang, nur daran, Recht zu haben.
Zivilisten!

Wir beschließen, das Lager abzubrechen und die Nacht über weiter zu reisen.
Dank des Madamals ist es hell genug, um die Straße zu erkennen.
Unterwegs erfolgt eine große Aussprache.
Ich erzähle von Ragath, Unau und Bethana, das kennen alle schon.
Die anderen verbergen alle ihre Geheimnisse.
Jadwiga gehört zu einer Schwesternschaft und kann zaubern, Bredo ist Bühnenkünstler und sucht seinen Meister.
Überraschenderweise gibt sich Vaya als Borongeweihte zu erkennen.
Toll, eine Borongeweihte, die sich mal wie eine Phexgeweihte und mal wie eine Rondrageweihte benimmt.

Am Morgen erreichen wir Greifenfurt.
Wir verstecken wieder alle Wertgegenstände im Wagen und ich tarne Sieglinde als Packpferd.
Vor der Stadt gibt es einen großen Graben mit angespitzten Holzpflöcken.
Eine solide Befestigung, so kann man die Stadt nicht effektiv angreifen.

Auf den Feldern und Wiesen vor der Stadt sind schon einige Menschen, Ziegen und Kühe zu sehen.
Sie werden von Orks beaufsichtigt, die von uns aber keine Notiz nehmen.
Ich hätte nicht gedacht, dass Orks so gut organisiert sein können.
Das kenne ich sonst nur von gut ausgebildeten Soldaten.

Das Stadttor von Greifenfurt ist offen, es sind keine Wachen zu sehen.
Wir beschließen, die Stadt zu betreten.
Vaya liegt verletzt im Wagen, Brenno ist unter einer Decke versteckt.
Bredo und Agmorra lenken den Wagen und Jadwiga und ich laufen nebenher.