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Gareth, 23. Tsa 1012 BF

Heute war der schlimmste Tag meines Lebens. Zoltan hat mich in einen Schlachtenplan eingewiesen, der fragiler kaum sein könnte.

Wir haben Verstärkung durch Jadwiga bekommen. Sie ist in gewisser Weise genauso kompliziert wie Vaya, aber sehr nützlich, wenn wir Leute einschüchtern wollen. Sie hat auch irgendwas gruseliges an sich und Brenno hat Angst vor ihr. Wirklich gefährlich für ihn schätze ich sie aber nicht ein.

Mit Jadwiga und Brenno wollte ich dann zur Baronin, um Zoltans leidliche Planung zu korrigieren. Die war aber nicht da, stattdessen war da ein Junker, der wenig motiviert erschien. Von ihm haben wir erfahren, dass die Baronin für längere Zeit in Gareth im Rondratempel zu einer Besprechung ist. Brenno hat noch ein Papier mitgehen lassen, mit einer Materialliste mit minderwertigen Säbeln aus Lowangen.

Agmorra hat, während wir da unterwegs waren, die Schmiede im Hippodrom aufgesucht und dort minderwertige Säbel und angesägte Schilde gefunden. Das riecht nacht Verrat und Sabotage. Immerhin zahlt Lowangen ja Tribut an die Orks, warum sollten sie dann nicht auch die Waffen für das Reich manipulieren?

Da ich ohnehin mit der Baronin sprechen wollte – ich muss es zumindest versuchen –, nehme ich Jadwiga, Vaya, Agmorra und Brenno mit. Am Tor wollte uns die Wache nicht rauslassen. Deppen. Ich kann nichts, ich bin nichts – gebt mir eine Hellebarde! Und dann wollen sie mich rumkommandieren. Naja, schlußendlich sind wir nach Gareth zum Rondratempel gelaufen.

Da war die Löwengarde und wollte uns zunächst nicht einlassen. Die waren dann aber leichter zu überreden als die Wachen am Hippodrom. Im Tempel mussten wir eine Weile warten. Ich habe Brenno losgeschickt, er hat herausgefunden, wo die Besprechung ist. Weil mir die Geduld ausgegangen ist, habe ich irgendwann den Sekretär des Tempelvorstehers gebeten, der Baronin zu sagen, dass wir eine dringende Meldung für sie haben. Nach ein bisschen Verhandeln hat er sich auch bereit erklärt, zu helfen und schon nach kurzer Zeit wurden wir von einer Akolythin in einen Raum geführt.

Natürlich kam nicht die Baronin, sondern jemand anders. Er hat sich als Baron von Ulmenhain vorgestellt und war einer der Leute, die Brenno in dem Besprechungsraum gesehen hatte. Nun, Agmorra hat ihm von der Entdeckung mit den Säbeln und den Schilden berichtet. Ich bin froh, dass sie dabei ist, weil sie wirklich Ahnung von den Details der Waffenherstellung hat. Er hat sehr verschlossen reagiert. Typisch Adelige, sie sind es ja nicht, die bluten und verrecken. Wir haben ihm dann noch gesagt, wo er uns findet, wenn wer noch Beweise möchte. Und dann kannte er meinen Namen. Verdammt, warum weiß der, wer ich bin? Ich bin unwichtig, ich wurde ohne ersichtlichen Grund zum Weibel degradiert.

Danach hat Jadwiga mich noch an den Vorschlag erinnert, den ich der Baronin wegen der Aufstellung machen wollte. Ich denke, mit meinem Trupp könnte ich die Brücke in Silkwiesen so manipulieren, dass die Orks in den Fluss stürzen und ihre Armee geteilt wird. Damit sollten sie leichte Ziele sein. Da fragt mich dieser Graf doch ganz hochnäsig, wie ich mir vorstelle, dass die kaiserlichen Truppen dann ans andere Ufer kämen. Als hätte ich noch nie planen müssen. Ich habe ihm von der Furt erzählt, die auf der Karte zu sehen ist und warum ich es für taktisch klüger halte, die Truppen nicht über die schmale Brücke im Dorf zu führen. Häuserkampf habe ich in Bethana kennengelernt. Das braucht wirklich niemand.

Ich weiß nicht, ob das klug war. Jedenfalls meint er, dass er den Vorschlag prüfen wird – und wenn es klappt, die ganze Sache als Fürstenbacher-Manöver in die Geschichte eingeht. Das war zu viel für mich, ich glaube, meine Leute haben mich dann irgendwie aus dem Zimmer geführt...

Im Rondra-Tempel haben wir einen Kor-Geweihten gesehen, der der Götting geopfert hat. Wir leben in seltsamen Zeiten. Draußen habe ich allen erstmal zwei Stunden frei gegeben. Danach müssen wir zurück ins Hippodrom, aber ich muss das ganze erstmal verdauen.

Ich hatte den Nachmittag in Gareth dann doch noch für ein paar Vergnügungen genutzt. Solange noch Zeit ist, hat Hernold in Ragath immer gesagt...

Im Hippodrom gab es dann auch noch eine Überraschung. Ein Neuzugang für meinen Trupp. Bredo, genauso wenig kriegstauglich wie die meisten der anderen. Er kann ein paar nette Jahrmarkttricks, immerhin versteht er sich mit Brenno. Ich hoffe, damit kann er den Jungen von seinen Heldenfantasien ablenken.