Silkwiesen, 1. Phex 1020 BF
Es beginnt. Wir rücken aus, die Orks haben das Kloster Marano überrannt. Wenn ich mir die Heerführung anschaue, habe ich wenig Hoffnung, dass das was wird. Die sind schlimmer als der Isbort, der mir damals in Unau das Leben zur Hölle gemacht hat.
Ich hätte einfach in Bethana bleiben sollen. Aber jetzt muss ich schauen, dass mein Trupp irgendwie durch das bevorstehende Chaos kommt. Mal schauen, ob ich danach noch etwas schreiben werde oder ob das mein letzter Eintrag ist.
Die Heerführung ist so unfähig, wie ich vermutet habe. Die Schlacht ist ein Schlachten – warum nur habe ich kein Pferd und keine Reiterschwadron. Da könnte ich was ausrichten. Hier bei den Plänklern stapfe ich mit unbeholfenen Leuten, die völlig fehl am Platze sind, durch den Matsch und kann nur hoffen, dass wir irgendwie überleben.
Sylvia fällt noch vor der ersten Aufeinandertreffen mit den Orks. Wir stellen uns den Orks, aber sie sind uns überlegen. Irgendwann setzen sie auch noch Oger ein, von denen einige von einem Trupp Reiterei niedergestreckt werden. Irgendwann wird zum Rückzug geblasen. Kor-Geweihte, von denen keiner zurückkehrt, decken uns. Was für ein sinnloses Gemetzel, angeführt von ahnungslosen Adligen ohne militärische Erfahrung.
Als es dunkel wird, ziehen sich beide Armeen zurück. Wir schlagen unser Lage westlich des Silz auf, die Orks bleiben östlich. Da alle bis an die Grenzen erschöpft sind, lasse ich würfeln, wer Wache halten muss. Die Würfel fallen für Jadwiga, Bredo und mich. Wir beziehen Position bei einer Reihe von Feuerschalen, die die Nacht erleuchten. 60 Schritt müssen wir im Auge behalten, keine leichte Aufgabe, so müde wie wir sind.
Irgendwann hören wir Trommeln der Orks. Es ist gespenstisch und ich habe Angst. Dann entdeckt Bredo einen Schatten, der über das Schlachtfeld huscht. Jadwiga und ich verfolgen ihn. Dazu nutzen wir eine Salbe, die Jadwiga dabei hat und die unseren Geruch vor den Orks verbergen soll. Erst, als wir schon ein gutes Stück auf dem Schlachtfeld sind, realisiere ich, dass die Salbe uns unsichtbar macht. Ich kann Jadwiga genauso wenig sehen wie sie mich. Toll, das hätte sie mir auch vorher sagen können. Wir schleichen also über das Schlachtfeld und finden den Schatten. Ein Ork, der Leichen plündert. Ich strecke ihn nieder.
Wir schleichen noch etwas weiter voran, finden aber keinen Zugang zum Orklager. Als die Trommeln schneller schlagen, kehren wir zurück. Aus unserem Lager hören wir die Wachfanfare. Mitten in der Nacht ist das sehr ungewöhnlich. Als wir zu Bredo zurückgekehrt sind, meinte er, dass er das gewesen sei. Er bittet darum, das nicht zu melden – wozu auch? Wir ahnen in dem Moment noch nicht, wie klug seine Idee war.
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