Greifenfurt, 24. Phex
Wir übernachten in der Fuchshöhle.
Ich habe schon besser geschlafen, aber auch schon schlechter.
Es sind keine Flöhe im Stroh, das ist schon fast Luxus.
Am Morgen kommt Brenno mit drei Kaninchen herein.
Der Junge ist wirklich nicht zum stillhalten zu bekommen.
Er erzählt von einem Lagerhaus im Norden mit vielen Vorräten.
Die Orks auf dem Weg dahin ließen sich leicht umgehen.
Fildorn fragt, wie ein Aufstand organisiert werden kann.
Er ist Zivilist, als erkläre ich es ihm, auch wenn es meine Geduld strapaziert.
Er könnte ja auch einfach aufpassen, was ich mache, dann würde er sehen, wie es funktioniert.
Aber ich komme kaum dazu, das voranzutreiben, weil meine Begleiter immer wieder zum nächsten Flämmchen fliegen wie die Motten.
Wir diskutieren, was wir tun wollen.
Die anderen wollen die Lagerhäuser ausrauben, wie den Keller in Eslamsroden.
Ich würde sie erstmal beobachten.
Brenno meint, die Lagerhäuser sind unbewacht, aber das kann ich mir nicht vorstellen.
Niemand lässt zwischen all den Ruinen und bei solcher Hungersnot solche Lager, wie Brenno sie beschreibt, unbewacht.
Ich habe da ein ganz mieses Gefühl.
Brenno führt uns durch die Stadt zu den Lagerhäusern.
Unterwegs weicht er einigen Orkpatrouillen aus.
Die Lagerhäuser sind wohl sehr gut gefüllt, man riecht das Essen schon auf der Straße.
Ich finde, das riecht nach einer Falle.
Brenno führt uns auf die Rückseite, wo weiter oben ein Fenster ist, durch das er reingeklettert ist.
Nach der üblichen Diskussion der Unentschlossenen klettern wir rein.
Drinnen ist alles voller Essen.
Die anderen greifen sich alles, was sie finden können und beißen hinein.
Unbeherrschte Zivilisten, typisch.
Mit dem, was hier zu finden ist, könnten die 150 Leute, von denen Lancorian gesprochen hat, gut 3 Wochen auskommen.
Wenn man rationiert, vielleicht etwas länger.
Ich suche nach Unterlagen zur Buchhaltung dieses Lagers.
Wem gehört es?
Warum lagert man so viel ein?
Und warum ist es nicht zerstört oder geplündert worden?
Im zweiten Raum des Lagerhauses sind Fässer und Kisten zu finden.
Und ein Tisch mit Unterlagen und Büchern.
Tatsächlich gibt es ein Buch mit der Aufschrift "Kontor Elfenberg".
Wenn das kein Beweis ist, weiß ich auch nicht mehr: die Elfenbergs sind eindeutig Kollaborateure.
Bredo schaut sich das Buch an, als es plötzlich an der Türe rumpel.
Wir verstecken uns und sehen, dass Orks herein kommen.
Sie nehmen einige Dinge mit, was kann ich nicht erkennen, aber es ist zu hören, dass eine Kiste runterfällt.
Die Orks streiten sich darum und als sie verschwunden sind, schaut Agmorra, was da eigentlich in der Kiste war.
Es stellt sich heraus, dass es Holzschilde waren, die genauso beschädigt sind wie die im Hippodrom.
Mein Verdacht gegenüber den Elfenbergs erhärtet sich.
Die anderen laden sich voll mit Vorräten.
Ich nehme nur wenig mit, um beweglich zu bleiben, falls uns jemand begegnet.
Agmorra will nicht wieder klettern und öffnet stattdessen das Tor.
Davor steht allerdings ein Ork, den wir kurzerhand überwältigen.
Wir verstecken den Bewusstlosen im Lagerhaus und deponieren einige leere Weinflaschen um ihn, so dass es ausschaut, als hat er einen drauf gemacht.
Dann gehen wir zurück zur Fuchshöhle und übergeben Lancorian das Essen.
Er freut sich darüber und meint, dass Marcian eingetroffen ist.
Endlich, er hat sich ordentlich Zeit gelassen.
Marcian sitzt oben mit zwei Damen.
Die eine ist kampferprobt, das sieht man sofort.
Die andere trägt einen Unauer Kaftan.
Ich rolle innerlich mit den Augen.
Was will eine von den Götzenanbetern hier?
Marcian schüttelt uns die Hände und begrüßt Fildorn.
Offenbar kannten sich die beiden doch nicht.
Die Kämpferin heißt Lysandra und führt eine Gruppe Freischärler an.
Sie waren es, die den Orkzug überfallen haben, den wir vor Greifenfurt gefunden hatten.
Die Novadi heißt Calarel und benimmt sich genauso kompliziert wie man das von ihresgleichen erwarten kann.
Sie hat sogar so ein Ziegenleder dabei, mit dem sie die 99 Gesetze bestimmt.
Fildorn ist sehr neugierig, was das angeht.
Mir geht es auf die Nerven.
Als ob die Orks nicht schon genug sind.
Dann meint Marcian, er hätte einen Auftrag für mich.
Gemeinsam mit Lysandra bittet er mich zur Seite und fragt, ob ich bereit wäre, ihre Freischärler zu übernehmen.
Lysandra wird anderswo benötigt und ihr Trupp braucht jemanden mit Kommandoerfahrung.
Das klingt wie für mich gemacht.
Ich bin sehr erleichtert, dieser skurillen Situation zu entkommen und mache mich auf den Weg.
No comments to display
No comments to display