Albenhus, 25. Ingerimm 1023 BF, Nachtrag
Nachdem wir uns ausgetauscht haben, kehren Myrkon und ich zu Ellgiv zurück.
Er teilt uns stolz mit, dass er den Code geknackt hat und erklärt mir, wie ich die Seiten im Buch lesen kann.
Immer zwei Buchstaben im Alphabet nach zwei links und jeden dritten drei nach rechts.
Dann ist es alles rückwärts von unten rechts geschrieben, aber das bekomme ich hin.
Natürlich ist ihm aufgefallen, dass es nur eine Seite ist, weil der Satz mittendrin aufhört.
Ich sage ihm, dass es aus dem Tagebuch von Eschenberg ist, der verhaftet wurde, weil er letzte Nacht auf mich geschossen hat.
Ellgiv schaut entgeistert und fragt uns, ob wir für die Stadtwache arbeiten.
Ich meine, dass wir das nicht offiziell machen, was mir einen Ellenbogen von Myrkon einbringt.
Dann erzähle ich ihm, dass wir beweisen wollen, dass Al'Fessir unschuldig ist.
Ellgiv bittet uns nach hinten.
Er berichtet, dass er von Eschenberg erpresst wurde – wie Delilah!
Natürlich würde er sich nie freiwillig an so etwas beteiligen, aber er hatte keine andere Wahl.
Er musste einen Erpresserbrief schreiben und für Vipka ein Schreiben, auf dem er die Unterschrift der Vikarin fälschen musste.
Er wirkt richtig verloren, als er uns fragt, ob wir für ihn nicht etwas bei der Stadtwache drehen könnten.
Aber wir drehen nichts bei der Stadtwache.
Als er meint, ob das Buch nicht einfach verschwinden könnte, müssen wir ablehnen – es ist ein Beweisstück!
Allerdings kennen nur Eschenberg, er und ich den Code.
Also schlage ich vor, dass das so bleibt und ich das Buch nur in Auszügen dechiffrieren werde.
Er ist sehr dankbar und wir wollen fast gehen, als mir einfällt, dass ich ja noch das gefälschte Schreiben in meinem Buch habe, das Amir bei Eschenberg gefunden hat.
Ich halte es ihm hin und frage, ob er das kennt.
Ellgiv meint, es ist sein Werk – auch dieses hat Eschenberg bei ihm beauftragt.
Er möchte wissen, wem das Buch eigentlich gehört und ich erzähle ihm die ganze Geschichte mit den Flusspiraten.
Dann durchwühlt er seine Sachen und kramt ein weiteres meiner Bücher raus: das Compendium Dracomagia!
Auch dieses Buch hat Eschenberg ihm gebracht und er sollte das Siegel entfernen.
Er gibt es mir – jetzt habe ich schon drei der Bücher wiedergefunden!
Nun müssen wir uns aber sputen, um rechtzeitig für die Verhandlung zurück zu sein.
Als wir mit der Fähre den Fluss überqueren, lese ich die Seite in Eschenbergs Tagebuch, wo Eisinger erwähnt wird.
Da steht, Eschenberg hat 300 Dukaten von Eisinger bekommen, um bei Vipka das Gift zu besorgen.
Vipka hat das Gift organsiert – und die Übergabe des Geldes war an dem Abend, wo Eisinger im Dunkeln im Hafen gesehen wurde.
Das ist der Beweis, der noch gefehlt hat!
Als die Fähre endlich anlegt, stürme ich los.
Myrkon folgt mir.
Ich will schnellstens zur Vikarin, um ihr noch vor der Gerichtsverhandlung von diesen Beweisen zu berichten.
Vor dem Rathaus halten mich zwei Wachen auf, aber nach einer kurzen Erklärung lassen sie mich durch.
Drinnen konnt gerade Weibel Seiler aus dem Büro der Vikarin.
Ich sage, dass ich die fehlenden Beweise habe und das Buch lesen kann.
Da die Türe noch offen ist, lässt uns Seiler eintreten und wir stehen erneut in ihrem Büro.
Ich berichte, völlig außer Atem, was wir herausgefunden haben.
Die Vikarin glaubt uns uns veranlasst, dass Al'Fessir freigelassen wird.
Bis alle Formalitäten erledigt sind, muss er allerdings zu hause warten.
Das ist aber sicher angenehmer als im Gefängnis.
Ich sage zur Vikarin: "Dann ist ja alles nochmal gut ausgegangen" und freue mich, dass Al'Fessir frei ist.
Myrkon freut sich, glaube ich, auch.
Sie meint, wir sollen sie gegen gegen Abend nochmal aufsuchen.
Dann verabschieden wir uns.
Draußen verkündet Gefina, dass die Verhandlung abgesagt ist.
Die Leute sind enttäuscht, aber ich denke, wir sind echte Helden.
Mir Amir und Amarosch besprechen wir, was wir als nächstes machen.
Ich möchte Eisinger sagen, was ich von ihm halte.
Die anderen finden das nicht gut und wollen zu Al'Fessir gehen.
Aber das mit Eisinger lasse ich mir nicht nehmen.
Myrkon möchte mich begleiten, danach sollen wir die anderen im Torkelnden Einhorn treffen.
Ich klopfe bei Eisinger und Jamian öffnet die Türe.
Eisinger hat wohl keine Zeit, aber ich lasse mich nicht abwimmeln.
Jamian findet mein Verhalten empörend, aber ich erkläre sehr laut, so dass man es auf der Straße hört, dass Eisingers Machenschaften das einzige sind, was empörend ist.
Dann schiebe ich mich an ihm vorbei, Myrkon folgt mir.
Mocro erscheint und will mich beruhigen, aber ich will erst zu seinem Vater.
Ich eile also die Treppe hinauf, von oben hört man schnelle Schritte und das Geräusch eines Schlosses.
Das Büro ist abgesperrt.
Eisinger ist wohl drin und antwortet nicht.
Also erkläre ich ihm alles durch die Türe.
"Herr Eisinger, Ihr seid ein Feigling, dass ihr uns nicht gegenübertreten wollt.
Das Buch von Eschenberg beweist Eure Maschenschaften.
Und Ihr wollt euch nicht Eurer Verantwortung stellen.
Euer Verhalten ist eines Stadtrats unwürdig und auch eines Händlers.
Ich wünsche Euch, dass Phex über Eure Missetaten richtet!"
Als ich mir das von der Seele gebrüllt habe, bittet Morco uns in den Speiseraum.
Er ist immer so charmant und freundlich.
Morco gibt sich Mühe, mich zu beruhigen – ich glaube ihm, dass er von den Machenschaften seines Vaters nichts gewusst hat.
Dann erzählt er mir, dass sich das "Buch der Leiber" bei den Anconitern befindet.
Magistra Vestinger, die im Siechenhaus arbeitet, hat es wohl erstanden.
Das wäre das vierte meiner Bücher!
Morco erhält einen Kuss für diese Neuigkeit.
Dann kehren wir zum torkelnden Einhorn zurück um uns mit Amir und Amarosch zu treffen.
Dort angekommen, erzählt uns Helma, das Schankmädchen, dass die Gerichtsverhandlung abgesagt wurde.
Ich meine zu Myrkon, er soll ihr sagen, dass das sein Verdienst ist und würde das Zimmer für die Nacht tauschen.
Ich erzähle den anderen, was ich von Morco über das Buch bei Magistra Vestinger erfahren habe.
Auch, dass es eigentlich nicht legal ist und dass ich eine Sondergenehmigung hatte, es mitzuführen.
Die ist aber mit dem Buch verloren gegangen.
Wir beschließen, vor Al'Fessir noch Magistra Vestinger einen Besuch abzustatten.
Im Siechenhaus begrüßt mich Luitbirk Dreyfeldt und ich frage ihn nach Magistra Vestinger.
Sie amputiert gerade einen Fuß, aber ich kann zu ihr.
Bei der schweren Operation helfe ich ihr natürlich, was es leichter macht, ins Gespräch zu kommen.
Das mit dem Buch ist ja heikel, das kann man nicht so nebenbei klären.
Dem Patienten gibt sie ein Lederband zum Draufbeißen.
Er hat schwarze Zehen, weil ihm etwas auf den Fuß gefallen ist und weil er zu lange gewartet hat, muss jetzt der ganze Fuß ab, damit er überlebt.
Während der Operation sprechen wir über das Buch.
Sie hat auch eine Genehmigung des Abtes bekommen, um das Buch zu kaufen.
Erstanden hat sie es auf dem Markt bei einem reisenden Händler, der eigentlich gar keine Bücher verkauft.
Aber es war ein ordentliches Schreiben mit Verkaufsbestätigung dabei und sie fand das in Ordnung.
Wir einigen uns darauf, dass sie eine Abschrift anfertigt und dann das Buch nach Lowangen schickt.
Dann gehen Amir, Amarosch, Myrkon und ich zu Al'Fessor.
Myrkon kauft noch Wein und ich Blumen.
Vor Al'Fessirs Haus steht ein Gardist – Al'Fessir hat bis alle Formalitäten geklärt sind noch Hausarrest.
Das ist nicht schön, aber besser als die Gerichtsverhandlung, die ihm heute vormittag noch drohte.
Wir dürfen eintreten und sehen drinnen, dass Delilah gerade Al'Fessir umarmt.
Als sie uns kommen sieht, umarmt sie auch Myrkon.
Die arme Tänzerin hat geweint, man sieht es ihr an.
Wir übergeben unsere Geschenke und bitten Al'Fessir um Verzeihung.
Er bittet uns, seine Gäste zu sein und wir setzen uns gemeinsam auf seine Kissen.
Al'Fessir erzählt über Fasar – was für eine tolle Stadt, da muss ich unbedingt hin!
Amir fragt, ob Al'Fessir von dort geflohen ist, aber der meint, dass es keine Flucht war, sondern die Gelegenheit, Edelsteingeschäfte zu machen.
Delilah ist allerdings geflohen und hat bei ihm Unterschlupf gefunden.
Als sie kurz den Raum verlässt, bittet Al'Fessir Amir, ihm die Edelsteine aus seinem Schreibtisch zurückzugeben.
Die waren als Preis für Delilahs Freiheit gedacht.
Ich bin erstaunt, dass Amir stiehlt und stelle das fest.
Amir meint, dass ab und an etwas an seinen Fingern kleben bleibt.
Der arme Kerl, das muss schrecklich sein, wenn man das gar nicht will.
Nachdem wir unsere Geschichten ausgetauscht haben, bittet uns Al'Fessir um Hilfe.
Er möchte uns sogar 5 Dukaten pro Nase zahlen, wenn wir ihm helfen.
Al'Fessir ist ein Medallion abhanden gekommen.
Das war ein Auftrag für einen Herrn aus Ferdok.
Das Medallion ist zusammen mit seinem Diener Mustafa al’Yeshinna verschwunden.
Mittlerweile hat Al'Fessir Ersatz geliefert, aber der Verlust kratzt an seiner Ehre.
Wir sollen für ihn den Verbleib ermitteln.
Sein Diener ist loyal, der wird es nicht entwendet haben.
Aber in der Nähe von Trackenborn soll es Räuber geben, die in die Angelegenheit verwickelt sein könnten.
Die Bande des Braunen Harro.
Wir versprechen ihm, dass wir uns der Sache annehmen.
Delilah gibt Myrkon einen Lederbeutel zum Dank.
Darin befindet das Diadem, das sie beim Tanz getragen hat.
Ein beeindruckendes Geschenk.
Nachdem wir uns bei Al'Fessir verabschiedet haben, gehen wir noch einmal zur Vikarin.
Sie hat uns erwartet und schickt ihren Schreiber fort.
Sie tadelt mich, weil ich sie kritisiert habe, und ich erstarre mit offenem Mund.
Das bin ich nicht gewohnt und ich hatte doch recht!
Dann bedankt sie sich bei uns für unseren Einsatz.
Am Abend kehren wir ins Einhorn zurück, um zu planen, wie wir Al'Fessirs Bitte nachkommen können.
Das Buch von Eschenberg verbrenne ich heimlich, damit es niemand mehr dazu nutzen kann, jemanden zu erpressen.
Am nächsten Tag schicke ich das restliche Geld und die drei Bücher mit einem Beilunker Reiter nach Lowangen.
Ich packe noch ein Schreiben dazu, in dem ich meine Situation erkläre und dass ich noch das fünfte Buch suchen muss... "Entwicklung übernatürlicher Willenskraft".
Vielleicht finde ich das ja bei den Räubern...
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