Trackenborn, 1. Rahja 1023 BF, Nachtrag
Als ich gerade den Dorfkrug betreten will, höre ich wie drei Bauern in der Nähe tuscheln...
Bauer 1: „Hat die gerade dem Herrn Inquisitor widersprochen?“
Bauer 2: „Bei allen Zwölfen, die hat Nerven.“
Bauer 1: „Oder keinen Verstand.“
Bauer 3: „Eine Magierin, die dem Herrn Inquisitor Widerworte gibt. Das wird noch Ärger geben.“
Bauer 2: „Vielleicht hat sie recht gehabt.“
Bauer 3: „Du willst wohl auch Ärger?“
Bauer 1: „Frag sie, was passiert ist!“
Bauer 2: „Frag du doch!“
Bauer 3: „Schaut nicht so hin. Sie schaut zurück!“
Bauer 2: „Hast du ihre Ohren gesehen? Die sind ganz spitz!“
Als ich hinüberschaue, denke ich mir, dass ich wohl mehr als nur den Inquisitor vor den Kopf gestoßen habe.
Tausende Gedanken sausen mir durch den Kopf...
Was, wenn ich mich irre? Was, wenn ich zu frech war und sie sich jetzt an ihr rächen wollen?
Ohje...
Ich sammle meinen Mut, um mich meinen Gefährten zu stellen und betrete endlich den Dorfkrug.
Die drei sitzen an einem Tisch, trinken Bier und essen Suppe.
Ein Mann sitzt bei ihnen, der Kleidung nach zu urteilen ist das der Wirt.
Er stellt sich vor, ich ebenfalls und dann frage ich, ob ich mich dazu setzen darf.
Amarosch meint, er hätte schon überlegt, aus welcher Zelle er mich befreien müsste.
Der Wirt berichtet vom Dorf und meint, dass hier einiges los sei.
Die Leute treffens ich abends auf dem Tanzplatz oder in der Spinnstube und erzählen sich Geschichten und Neuigkeiten.
Seit einer Weile ist der Inquisitor hier und hat den Braunen Harro dingfest gemacht.
Der Herr der Burg, Freiherr Trackenborn, ist noch jung, macht aber seine Aufgabe gut.
Ich bin mir nicht sicher, ob er das aus Vorsicht so deutlich formuliert.
Diese Intrigen in Albenhus gehen mir nicht aus dem Kopf.
Jedenfalls sind die Eltern von Trackenborn vor ein paar Jahren in den Krieg gezogen und nicht wiedergekommen.
Seitdem ist er der Herr.
Myrkon fragt den Wirt wegen der jungen Frau, die gejagt wurde.
Der Wirt meint, sei heißt Madalea und ist die Tochter des Müllers.
Das ganze sei eine komische Sache und die Leute munkeln, sie sei eine Hexe.
Es sind wohl zwei Reiter zur Mühle geritten und kamen kurz darauf zurück, sehr schnell sind sie durch das Dorf galoppiert und sehr aufgeregt.
Einer hielt sich den Arm seltsam verdreht.
Ich frage mich ja, wie der da galoppieren konnte.
Angeblich hat er sich den Arm gebrochen und ich habe schon einige gebrochene Arme gerichtet.
Keiner von denen, die ich behandelt habe, wäre noch galoppiert.
Jedenfalls soll Madalea das Pferd verzaubert haben, der Himmel soll sich verdunkelt haben und dann ist das Pferd gestiegen und hat den Reiter abgeworfen.
Ich denke mir so: Und der ist dann mit gebrochenem Arm wieder aufgestiegen.
Zwischendurch stelle ich dem Wirt immer wieder ein paar Fragen.
Aber er meint, der Inquisitor wird schon alles richtig machen.
Dem muss ich widersprechen, er hatte ja keinerlei Interesse an irgendwelchen Zusammenhängen.
Und insgesamt finde ich, er ist eine unangenehme Person.
Der Wirt erzählt weiter, dass Madalea schon ein bisschen komisch war.
Das haben sie in Lowangen von mir auch immer gesagt.
Auch Madaleas Bruder redet auch nicht gut von ihr.
Die Müllers kommen nicht mehr oft ins Dorf, seit sich Wulrik, Madaleas Vater das Bein verletzt hat.
Sie sollen sich auch Mehl abzweigen.
Meiner Meinung nach hat das nichts mit Madalea zu tun.
Über den Inquisitor berichtet der Müller, dass er in Bleichbach, einem Dorf in der Nähe, Leute dingfest gemacht hat.
Myrkon erzählt, dass er und Amarosch dem Inquisitor schon begegnet sind.
Seiner Meinung nach, hat er dort gerecht gehandelt, als er Recht gesprochen hat.
Wir liefern uns ein Wortgefecht, ob Madalea bei unserer Begegung geflunkert hat oder nicht.
Myrkon meint ja, ich halte dagegen.
Dann erklärt er mir, dass ich mir mit dieser Haltung meine Chancen verbaue, Madalea zu helfen.
In dem Moment hören wir von draußen Hufgetrappel.
Ich schaue neugierig, vielleicht bringen sie ja den verletzten Reiter doch schon heute und ich kann ihn mir ansehen.
Es ist aber nur ein Karren und dann kommt eine Frau mit einem Weidenkorb herein.
Amarosch scheint sie sogar zu kennen, Weibel Seiler hat ihm wohl von ihr berichtet.
Sie heißt Ana Oligowa und kommt mit ihrem Karren aus Albenhus.
Die beiden unterhalten sich über die Goblins und sie meint, sie speist sie mit Kupfermünzen ab.
Als sie wieder gegangen ist, verlässt uns auch der Wirt und Amarosch meint, ich solle nicht so viel plappern.
Myrkon erklärt mir, dass ich den Reiter morgen aushorchen soll, wenn ich mir seinen Arm anschaue.
Zum zweiten Mal diskutiere ich heftig mit Myrkon, diesmal darum, ob er zu wenig oder ich zu viel Mitgefühl habe.
Dann kommt schon wieder jemand herein, eine sehr kräftige Frau, die die anderen wohl schon kennen.
Sie ist die Dorfschulzin kommt herein und stellt sich als Pedora Langbart vor.
Als ich ihr meinen Namen sage, meint sie nur, dass sie jetzt nicht mehr die einzige mit einem komischen Namen ist.
Da die anderen sie schon kennen, überlasse ich ihnen das Gespräch.
Der Freiherr Trackenborn sucht wohl eine Frau, erklärt sie uns und Amarosch und Amir versuchen sofort, mich zu verhökern.
Das ist wirklich gemein, so hätte ich sie nicht eingeschätzt.
Vielleicht ist Amir doch ein Flusspirat...
Pedora lädt uns jedenfalls zum Tanz heute Abend ein.
Ich frage sie wegen Madalea und Pedora meint, dass sie Leute verzaubert.
Amir sagt sofort, dass ich das auch mache und Leute in Eichhörnchen verwandle.
Als Pedora geht, laufe ich ihr hinterher und hole sie vor der Türe ein.
Draußen erzählt sie mir, dass die Leute Angst vor Madalea haben.
Sie erzeugt Schwefelgeruch und lässt es Dunkel werden.
Und überhaupt sind die Müllers seltsam.
"Freie Leute halt" meint sie und ich finde heraus, dass sie zu den wenigen im Dorf gehören, die keine Leibeigenen sind.
Dann erfahre ich noch von Thika, einer Kräuterfrau, die etwas abseits vom Dorf lebt und auch nicht zu den Leibeigenen gehört.
Die Leute holen bei ihr Kräuter, selbst die Perainegeweihten suchen sie auf.
Der Köhler kennt sie wohl ganz gut und dann erklärt Pedora mir den Weg:
An der Mühle vorbei, am Bach entlang, an der Eiche mit Gesicht Richtung Osten und dann in einer Senke, da lebt Thika.
Ich bedanke mich artig und eile zu den anderen zurück.
Mein Plan ist, Thika aufzusuchen und vorher die Müllers.
Myrkon will mich begleiten, vielleicht hat er doch ein gutes Herz.
Die anderen kommen auch mit, fantastisch.
Wir gehen und ich laufe schnurstracks zur Mühle, die drei werden schon hinterher kommen.
Man hört die Mühle schon von weitem klappern, es ist ein einfaches Mühlhaus, dessen Rad von einem aufgestauten Bach angetrieben wird.
Als wir ankommen, sehen wir eine eine kräftige Frau, die einen schweren Sack schleppt, und einen hageren jungen Bursche, der einen deutlich kleineren Sack hinter sich her schleift.
Der Junge weist die Frau auf uns hin.
Sie hält inne und wir begrüßen einander.
Sie ist Gantja Korninger, die Frau des Müllers, der Junge ist ihr Sohn Fredrik.
Zunächst vermutet Gantja, wir wurden vom Inquisitor geschickt und meint, sie hätten Madalea schon abgeholt.
Ich versuche zu erklären, dass wir aus anderen Gründen in Trackenborn sind und dass ich Madalea helfen will.
Auf meine Frage meint Gantja, dass sie schon denkt, dass alles mit rechten Dingen zuging.
Es kamen zwei Reiter, die Madalea auf die Burg zum Trackenborn holen wollten.
Madalea wollte das aber nicht und dann ist ein Pferd gestiegen, weil es geknallt hat, und hat einen der Reiter abgeworfen.
Mir fallen dutzende von Möglichkeiten ein, wie man einen Knall erzeugen kann, von Peitschen bis Kinderspielzeugen, aber bevor ich etwas sagen kann, fragt Myrkon ganz direkt: "Ist Madalea magiebegabt?"
Gantja gibt vor, nicht zu wissen, was das bedeutet und ich erkläre es anhand von möglichst einfachen Beispielen.
Fredrik will etwas sagen, aber seine Mutter knufft ihn in die Seite.
Es ist klar, dass die beiden uns anlügen, als sie meinen, dass Madalea nicht magiebegabt ist und dass sie nicht wissen, was das überhaupt ist.
Amir bietet Fredrik an, beim Tragen des Sacks zu helfen und verschwindet mit ihm in der Mühle.
Ich biete derweil an, mit das Bein des Müllers mal anzuschauen.
Gantja ruft ihren Mann und ich betrachte das Bein.
Ein komplizierter Bruch, der nicht gut verheilt ist.
Ich will fast sagen, dass jemand gepfuscht hat, als die beiden meinen, der Perainegeweihte hat Wulrik damals versorgt.
Die Verletzung ist zu lange her als dass ich sie heute noch mit Magie behandeln könnte, aber ich erkläre dem Müller, dass es zwei Möglichkeiten gibt.
Wir könnten das Bein an der Stelle noch einmal brechen (ich hoffe Amarosch und Myrkon bekämen das hin) und dann könnte ich es richten und ordentlich magisch heilen.
Alternativ könnte ich ihm auch eine Schiene entwerfen, so dass er das Bein wieder fast normal belasten kann.
Vor der ersten Variante hat der Müller Angst, was ich gut verstehe, und möchte lieber eine Schiene haben.
Amir, der inzwischen zurück ist, hilft mir dabei, das Bein zu vermessen und eine Schiene zu entwerfen.
Der Schmied Alrik soll sie dann herstellen.
Ich habe den Eindruck, dass sich der Müller sehr darüber freut, dass wir ihm helfen.
Als wir gehen, frage ich Gantja, warum Trackenborn Madalea holen wollte und ob das öfter passiert.
Sie meint ja und ihr Bruder meint, es sei eine Ehre und auch Myrkon sagt, sie hätte da nicht sein sagen sollen.
Dabei ist sie eine freie Frau und "Nein" ist ein vollständiger Satz.
Ich bin entsetzt, als Myrkon meint, dass Madalea Trackenborn damit gekränkt hätte.
Dann gehen wir weiter in Richtung von Thikas Hütte.
Unterwegs frage ich Myrkon wegen der Kränkung.
Er gibt mir viel zum Nachdenken, wie die Obrigkeit und der Inquisitor so denken.
Das lernt man alles nicht in Lowangen, da ist alles viel einfacher.
Er sagt immer wieder, ich sei mir meines Standes nicht bewusst und ich frage mich, welchen Stand er meint...
Als wir Thikas Hütte erreichen, sehen wir eine Ziege, ein paar Hühner und einen Kräutergarten.
Sie kommt auch recht schnell heraus, als die Hühner Lärm machen.
Ich möchte Thonys und Wirselkraut bei ihr kaufen und dann beginnen mit ihr zu erzählen.
Thika berichtet von den Goblins, deren Schamanin Shiuz kommt wohl öfter bei ihr vorbei, ebenso wie die Enkelin des Perainegeweihten.
Früher besuche sie auch der Köhler öfters und auch Madalea komme immer mal auf einen Tee.
Sie ist ein nettes Mädchen und hat Wilfried, die Ziege, gerettet, als er mal auf einen Baum geklettert ist.
Ich frage mich wie ein Ziegenbock Milch geben kann und wie er auf einen Baum klettern soll, aber das ist jetzt nicht wichtig.
Als wir direkt nachfragen meint, Thika, dass Madalea sicher keine Hexe sei, weil sie ihr das gesagt hätte.
Ich bin mir nicht sicher, was ich mit dieser Aussage anfangen soll, aber der Zirkelschluss ist offensichtlich.
Sie möchte natürlich wissen, warum wir uns für Madalea interessiern.
Wir berichten also, was passiert ist und von dem Inquisitor hat sie auch schon gehört.
Sie meint, er wird schon merken, dass Madalea eine gute ist, und das richtige tun.
Ich frage noch einmal nach, ob Madalea es nicht vor ihr verborgen hätte, wenn sie eine Hexe wäre – ich kenne ja einige, die uns in Lowangen immer mal besuchen, worum immer ein großes Geheimnis gemacht wird.
Sie meint, dass Lowangen sich weit weg anhört und dann erzähle ich ihr meine ganze Reise, von Elenvina, den Flusspiraten, den Goblins, Albenhus...
Als wir wieder aufbrechen, fragt Amarosch sie noch nach dem Boten und den Goblins.
Von Al'Fessirs Boten weiß sie nichts, aber die Goblins leben in der "Drachenhöhle".
Vor langer Zeit hat ein Ahne der Trackenborns den Drachen erschlagen, der dort lebte und jetzt sind da die Goblins eingezogen.
Beim Gehen halte ich noch einmal inne und frage Thika, ob Madalea noch andere Freunde hätte.
Sie meint, nein, die anderen Kinder im Dorf würden sie ärgern.
Ich seufze, das klingt sehr vertraut.
Auf dem Rückweg ins Dorf erkläre ich den anderen, dass ich glaube, dass Madalea zaubern kann, es aber nicht gelernt hat.
Und dass ich sie deshalb zu einer Akademie bringen möchte, damit sie dort entweder lernt, damit umzugehen, oder die Fähigkeit loswerden kann.
Myrkon meint, dass ich Madaleas Chancen reduziere, wenn ich nicht freundlicher gegenüber dem Inquisitor bin.
Und dabei klingt er fast wie mein Vater.
Und dann fällt mir ein, dass ich mich nur frage, welchen meinen Stand Myrkon meint, weil er recht hat: Ich weiß gar nicht genau, wie andere mich sehen.
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