2. Tag im Hause des Ahmed Abdul
Ich wache am nächsten Morgen auf und es geht mir schlecht. Der steinerne Ring raubt mir alles Leben. Die anderen gehen in die Waschküche und baden. Das Wasser ist noch frisch, also nehme ich auch ein Bad.
Ruscha sagt uns, dass morgen hoher Besuch kommt und deshalb heute alles perfekt werden muss. Wer das genau ist, weiß sie allerdings auch nicht. Sie warnt uns vor Patme, die wir nicht anfassen dürfen. Ihre Mutter ist wohl sehr streng und würde uns bestrafen.
Patmes Mutter ist Djamila, eine der beiden Frauen von Ahmed Abdul. Die andere ist Phelippa, der ich später noch begegnen werde. Ruscha meint, beide Frauen sind sehr gemein zu den Sklaven, Phelippa ist aber die schlimmere, weil sie sich beweisen muss. Es erinnert mich unter den Zickenkrieg der Grandentöchter in Al'Anfa. Nicht einmal das bleibt mir hier erspart.
Als ich mich anziehe, kommt Anthelia und interessiert sich für meine Steinfessel. Sie meint, dass Feen dieses Gestein meiden, weil es ihnen die Kraft entzieht. Kluge Feen, ich möchte es auch meiden, werde es aber nicht los. Da ich die Fessel nicht lösen kann, erkläre ich ihr, dass es am geschicktesten wäre, mir den Fuß zu brechen. Das erschreckt Hallah, die das nicht nachvollziehen kann. SIe hat wohl noch nicht gelitten in ihrem Leben...
Hallah meint auch, dass ich aufhören sollte, daran herumzubasteln. Sie versteht es wirklich nicht, das dumme Kind. Und dumm ist sie tatsächlich. Sie erzählt, dass sie hätte fliehen können, es aber nicht getan hat, damit wir nicht bestraft werden. Das wäre mir sowas von egal gewesen, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte.
Damit ich nicht immer daran denke, umwickle ich den steinernen Ring mit etwas Stoff. Auf diese Weise reibt er wenigstens nicht ständig, auch wenn das Gewicht immer noch unangenehm ist und der Stein mir auch durch das Tuch meine Kraft raubt.
Die Herrin holt uns mit einem bösen Kommentar in die Küche, wir haben zu lange im Waschraum gesprochen. Auf dem Weg in die Küche drückt Anthelia kurz meine Hand. Damit habe ich nicht gerechnet.
In der Küche machen ich mich mit Hallah an den Abwasch. Nera räumt den Boden auf und Anthelia fragt mich was zu tun wäre. Ich schicke sie den Müll wegbringen. Dabei singt sie die ganze Zeit.
Wir erfahren, dass die andere Sklavin, die bei uns schläft, Laila heißt und oben arbeitet. Sie war wohl mal eine Haremsklavin, bis der Herr ihr überdrüssig war. Tja, ich hätte da sicherlich etwas tun können... Wie auch immer, Laila holt Anthelia und Nera, um das Essen nach oben zu tragen. Nach einer Weile kommen die beiden wieder und wir sitzen gemeinsam in der Küche. Wir essen gemeinsam und Anthelia meint, sie hat einen Plan, wie wir entkommen können. Sie meint, sie kann Feen rufen, wenn sie eine Flöte hat. Ich lasse sie reden, weil das natürlich ziemlicher Unsinn ist. Hallah meint, dass das kein Plan ist. Das sehe ich auch so, sage aber nichts. Dann erklärt Hallah, dass es drei Pferde gibt und die Wache eine Minute benötigt, um zu folgen. Die beiden diskutieren weiter über Fluchtpläne, Feen, Anthelias Vater und dass Tsa die Sklaverei abschaffen könnte. Tsa, die mich verstoßen hat und es zuließ, dass ich in die Sklaverei verkauft wurde. Nera meint, die beiden hätten beide nur Teile eines Plans, wie bei einem Boot. Wir hätten ein Segel, bräuchten aber noch einen Mast.
Da muss ich an Kerry denken. Er meinte, ich sei wie ein Segel im Wind.
Weil mir die Pläne der drei zu absurd erscheinen, erkläre ich, dass ich den Herrn darüber informieren möchte, dass Omar bei meinem Verkauf nicht ehrlich zu ihm war und es nicht legal ist, manche Leute als Sklaven zu halten. Ich behalte erstmal für mich, dass sich das natürlich nur auf mich bezieht. Omar hat dem Herrn auch nicht gesagt, dass er für mich noch mehr bezahlen muss. Dass es mir dabei um die Gildengebühr geht, erkläre ich den anderen nicht. Sie würden das nicht verstehen.
Irgendwann kommt Ruscha dazu und erzählt und, dass Sklaven aus dem Haus weiterverkauft werden, wenn sie Phelippa nicht gefallen. Wichtig ist vor allem, dass die Sklaven im Haus an Rastullah glauben. Wenn das die einzige Bedingung ist, kann ich das gerne tun. Tsa interessiert sich ohnehin nicht mehr für mich. Ich meine, dass es üblich und normal ist, Sklaven weiterzuverkaufen, wenn sie sich nicht angemessen verhalten und rate den anderen, zu behaupten, sie würden an Rastullah glauben. Die Gedanken sind frei, es reicht, wenn die Phelippa glaubt, dass ich an Rastullah glaube. Nera und Anthelia verstehen das nicht so ganz, fürchte ich.
Da kann ich ihnen auch nicht helfen. Anthelia erzählt wieder von Levthan und Ruscha überlegt, ob er eine der neun Frauen Rastullahs ist. Als ob das relevant ist, wenn man Glauben heuchelt. Wichtiger ist, dass Ruscha uns erzählt, dass einer der Gäste morgen ein Mawdli ist. Der bringt uns vielleicht die 99 Gesetze Rastullahs bei. Danach erzählt sie uns, dass Ahmed mit Farbe für Papier handelt. Oh, das freut mich sehr und ich erzähle, was man damit alles tun kann. Hallah kann auch lesen und schreiben – Ruscha, Nera und Anthelia nicht. Ich erkläre den beiden, dass man mit Papier und Tinte Lieder oder auch die 99 Gesetze aufschreiben kann. Nera möchte wissen, warum jemand ein Lied aufschreiben sollte und ich erzähle ihr von Kerrys Lied, das er mir geschrieben hat.
Der Gedanke an die Zeit mit ihm ist schön. "Du hast die Kraft einer Löwin", hat er für mich gesungen.
Dann ist die Pause auch schon vorbei und wir widmen uns wieder unseren Aufgaben. Während wir arbeiten, bekommen wir mit, dass Phelippa die Herrin ruft – sie nennt sie Zalina. Hallah fragt den alten Moha, der sich ums Feuer kümmert, wie er heißt und wie lange er schon hier ist. Nun, sein Name ist ein schlechter Scherz – er heißt Alrik – und ist schon seit 10 Jahren hier im Haus.
Dann kommt Laila und holt mich nach oben. Dort wartet Phelippa auf ein Gespräch mit mir. Sie gibt sich wie eine Grandessa, aber ihr Verhalten zeigt, dass sie keine sonderlich hohe Stellung haben kann. Vermutlich ist sie deshalb so bemüht, sich zu beweisen. Phelippa betrachtet mein Siegel und was es besagt und ob ich dienen kann. Ich erkläre, dass ich der Bruderschaft der Wissenden angehöre und dass ich bereits mein ganzes Leben lang diene. Dass ich üblicherweise nur gegen klingende Münze diene, behalte ich für mich. Dann möchte sie wissen, was ich Patme lehren könnte und ich berichte über das, was ich kann... Lesen, Schreiben, Rechnen, Rechtskunde, Sternkunde, Heilkunde... Das Gespräch mit ihr ist unangenehm, es würde deutlich anders verlaufen, wenn ich frei wäre. Sie entscheidet, dass ich morgen beginnen soll, Patme zu unterrichten. Dann betrachtet sie meine Fußfessel. Sie fragt mich, was es damit auf sich hat und ich erkläre ihr die Auswirkungen und dass ich wesentlich nützlicher wäre, wenn ich den Ring nicht tragen müsste. Phelippa meint, der Mawdli solle mich prüfen und wenn ich keine echsische Magie in mir trage, könnte man den Ring entfernen. Im Moment trage ich gar keine Magie in mir, der Ring hat sie mir gestohlen – ich weiß aber auch nicht, was sie mit echsischer Magie meint, also halten sich Vorfreude und Angst die Waage.
Auf dem Weg zurück nach unten sehe ich ein Schlafzimmer und einen Raum, direkt neben der Treppe, der sehr aufwändig gesichert ist. Zurück in der Kuche, berichte ich Hallah davon und dann kommt uns Patme besuchen. Hallah lockt sie mit einem Trick in die Küche und führt ein Kunststück mit einem Löffel auf.
Irgendwann geht dann auch dieser Tag zu Ende und wir sitzen im Schlafraum. Ruscha ist bei uns und Nera ist entsetzt, weil sie verkauft werden soll. Als ob das etwas besonderes wäre. Wir diskutieren über Möglichkeiten zu bleiben und landen plötzlich beim Thema Sex und Jungfräulichkeit. Die anderen können nicht verstehen, warum ich Geld dafür nehme, die Jungfräulichkeit von Grandentöchtern wiederherzustellen. Die Familias bezahlen gut dafür, die Ehre zu bewahren. Als ich meine, das ich ihnen auch Rahjalieb gebe, ist zumindest Hallah erfreut. Nera nimmt es jedenfalls mit der Treue sehr ernst, mein Vorschlag, sich dem Herrn hinzugeben, scheint ihr nicht zu behagen. Dabei wäre das so einfach. Dann kommt Laila und Nera fragt sie nach Optionen. Laila meint, dass Patme bald zur Frau wird und dann eine Leibdienerin benötigt. Das wäre eine Möglichkeit, die aber voraussetzt, dass Patmes Mutter überzeugt ist, dass Nera die richtige für Patme ist. Immerhin hat Nera jetzt wieder Hoffnung.
So etwas wie Hoffnung habe ich auch und denke an Kerry. Dann schlafe ich fast friedlich ein.
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