Al'Anfa, 17. Phex 1020 BF
Normalerweise rufen mich die Zornbrechts nicht mitten in der Nacht. Und sie schicken auch keine bewaffneten Männer, um mich zu einem ihrer Anwesen zu geleiten. Diesmal schon. Was bleibt mir, als mich ihnen anzuschließen.
Im Anwesen der Zornbrechts ist es still. Ich werde über einen dunklen Hof geführt, durch schweigende Hallen, in den Keller eines unscheinbaren Gebäudes am Rande eines kleinen Parks. Hier war ich noch nie. Offenbar ist das ein sehr privater Bereich des Anwesens. Der Keller erschreckt mich, hier wurden böse Dinge getan. Ich bemühe mich, das zu ignorieren. Es ist nicht meine Aufgabe zu werten und zu richten.
Fünf Menschen sind anwesend. Einer von ihnen ist Ovartoran Zornbrecht, der mich freundlich anlächelt. „Adamana, wir haben auf dich gewartet“. Sybillya, eine seiner Schwestern, ist hier und ein Mann, den ich nicht kenne. Ovartoran zeigt auf einen Mann, der am Boden liegt. Ein Gladiator mit schlimmen Verletzungen, die auf den ersten Blick so wirken, als hätten sich irgendwelche Pfuscher daran versucht.
„Adamana, wärst du so freundlich unseren Helden zu, retten? Sybillya würde das sehr glücklich machen.“ Er schnippt mit den Fingern und ein Junge, vielleicht zwölf Jahre alt, tritt neben mich. „Wir haben auch einen Freiwilligen für dich gefunden, der Partancus Wunden tragen wird.“ Ich nicke, solche Geschäfte sind durchaus üblich, und knie neben dem Gladiator nieder.
Er wurde tatsächlich schon behandelt, profan und magisch. Seine Wunden sind die schlimmsten, die ich jemals gesehen habe. Als hätte ein Dämon ihn von innen… Nein, so etwas darf ich nicht denken. Ich bin hier, um zu heilen, nicht im zu richten.
„Wer hat sich an ihm versucht?“ frage ich.
„Unser Heiler und Daro“, Ovartoran zeigt in eine Ecke. Dort liegen zwei tote Körper, die mir bisher nicht aufgefallen waren. Einer ist Daro.
„Daro…“, ich bin fassungslos. „Warum ist er… Was ist passiert…?“
„Daro hat versagt, sein Freiwilliger ist zu schnell gestorben. Daro hat sich geweigert, einen zweiten zu verwenden.“ Ovartoran blickt mich voller Unschuld an. Wie sehr ich ihn hasse, den ewig Unantastbaren, der über Menschen verfügt, als seien sie nichts als Dreck. Nach einem Blick auf die ausgemergelten Körper von Daro und seinem Freiwilligen schaue ich den Jungen an, der mein Freiwilliger sein soll.
„Er ist zu jung. Er wird das nicht überleben“, sage ich zu Ovatoran.
„Er wird genügen“, meint er knapp. Damit ist die Sache für mich entschieden. Ich stehe auf und schaue Ovatoran fest in die Augen. "Das werde ich nicht tun."
Stille. Der Kellerraum kühlt sich merklich ab. Widerspruch ist niemand von mir gewohnt. Ich erledige meine Aufträge gegen Geld, egal ob Heilen, Kurieren von Gift oder Aufhübschen. Ohne Wertung, ohne Urteil. Ovartoran entgleiten kurz die Gesichtszüge, bevor er den Wachen, die mich her begleitet haben, ein Wink gibt.
Sie brechen mich in weniger als zehn Minuten. Unter Tränen wirke ich den Leidensbund und die Wunden des Gladiators schließen sich. Der Junge, dessen Namen ich nicht kenne, bricht zusammen, schrecklich entstellt. Schließlich erlöst Boron ihn von seinem Leid. Ich weiß nicht, ob das Opfer des Jungen tatsächlich reicht, ob meine Macht reicht. Ich weiß nicht, wie viele Tränen ich in dieser Nach vergieße. Tsa wird mir nie verzeihen, was ich heute getan habe. Nachdem meine Aufgabe vollbracht ist, erlaubt mir Ovartoran zu gehen. Ich schleppe mich nach Hause und verbringe den nächsten Tag heulend in meinem Bett.
In der darauffolgenden Nacht erhalte ich erneut Besuch von den Zornbrechts. Der Hausmagier und ein Trupp Bewaffneter. Ich erwache in dem Moment, in dem ich geknebelt werde. Sie legen mir eiserne Fesseln an und der Magier zerbricht meinen Stab. Ich spüre noch einen Schlag. Danach nichts mehr.
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