3. Tag im Hause des Ahmed Abdul
Eine donnernde Stimme weckt mich.
Die Herrin ruft nach dem Ziegenmädchen.
Sie holen Anthelia nach oben, um Musik zu machen.
Ich will schlafen.
Nun gut, die anderen stehen auf, also schließe ich mich an.
Der Tagesablauf ist beinahe schon Routine.
Wir gehen uns waschen, danach in die Küche.
Hallah redet beim Waschen mit Ruscha, will sich entschuldigen und erklären.
Ich kann mir das nicht anhören, wickle wieder ein Tuch um den Ring an meinem Fuß und gehe an die Arbeit.
Laila sagt Nera-Ma'ta, sie soll ihr helfen.
Die beiden gehen nach oben und kommen mit Silbertellern wieder in die Küche.
Nera-Ma'ta weiß nicht, was Silber ist, und Hallah ist begeistert von dem Reichtum.
Meine Güte, es sind Silberteller.
Ich mache den Fehler und betrachte mein Spiegelbild in einem der Teller.
Ich sehe schrecklich aus, ohne Haare.
Ohne Magie.
Zalina kommt und sagt, wir sollen die Silberteller putzen, dürfen sie aber nicht zerkratzen.
Jeder der Silberteller ist wertvoller als wir.
Ich kann mir ein Prusten nicht verkneifen, woraufhin mich Hallah entsetzt fragt, was das soll.
Die Gute hat noch nicht verstanden, wer ich bin.
Also erkläre ich ihr, dass ich heute vielleicht nicht so aussehe, aber deutlich mehr wert bin als ein Silberteller.
Während wir Putzen, ruft mich Zalina nach oben.
Sie bringt mich zu Djamila, die in Patmes Zimmer auf mich wartet.
Da stehen ein kleines Bett und ein Schreibtisch.
Auf dem Schreibtisch sind zwei Lehrbücher, ein sehr schönes Wachstablett aus Holz, Papier, Federmesser, Schreibfedern und Pinsel.
Djamila schickt Zalina fort und versucht mich mit einem Blick einzuschüchtern.
Es ist der Blick, den ich schon tausendmal bei meinen Kunden gesehen habe, wenn sie ihre Sklaven unterwürfig halten.
Ich lasse den Blick über mich ergehen und nicke, als sie meint, ich würde zu Verantwortung gezogen, wenn Patme ein Haar gekrümmt würde.
Dann ruft die Patme und das Mädchen kommt fröhlich zu uns.
Ich frage Patme, ob sie mir zeigen möchte, was sie schon kann und sie ist sehr motiviert.
Sie ist traurig, als sie mir berichtet, dass ihr alter Lehrer kürzlich gestorben ist.
Als ich sie trösten möchte, herrscht Djamila mich an, dass ich sie nicht berühren darf.
Wie konnte ich das vergessen...
Ich lobe Patme für ihre gute Handschrift und frage, ob wir eine kleine Geschichte schreiben wollen.
Das macht sie sehr gut und mir macht die Arbeit mit ihr Spaß.
Es ist fast wie in alten Zeiten und ich vergesse beinahe, wo ich bin.
Nach dem Unterricht werde ich nach unten geschickt.
Als ich mich auf den Weg mache, sehen Patme und ich einen großen gelben Papagei aus dem Hof fliegen.
Wie sich beim Mittagessen herausstellt, ist der Papagei Nera-Ma'ta Seelentier.
Ich hätte nicht erwartet, dass sie eine Hexe ist.
Hallah will Nera-Ma'ta davor warnen, den Papagei hier einzuquartieren.
Die beiden diskutieren, meiner Meinung nach aus der völlig falschen Perspektive.
Ich schlage vor, dass ich mit Patme eine weitere Geschichte schreibe, über ein Mädchen, das einen Papagei füttert.
Nera-Ma'ta versteht den Gedanken, Hallah leider nicht.
Heute erzählt Nera-Ma'ta einiges von sich.
Ihre Großmutter war Schamanin, sie könnte das auch und Jaja – der Papagei – will sie davon überzeugen.
Nera-Ma'ta berichtet uns, dass Jaja einmal gefangen war und sie die Decke hochgelaufen ist, um sie zu befreien.
Seitdem möchte ihre Großmutter, dass sie Schamanin wird.
Als wir wieder an die Arbeit müssen, sage ich Nera-Ma'ta, dass ich sie verstehe.
Sie versteht mich nun auch, warum es so schlimm für mich ist, dass meine Haare abgeschnitten wurden und was es mit dem Ring auf sich hat.
Dann holt uns Laila nach oben, um den Raum für die Gäste vorzubereiten.
Wir machen sauber und Hallah reinigt alle Ecken, in denen mach sich verstecken kann.
Warum auch immer sie das tut.
Danach werde wir wieder nach unten geschickt.
Nur Ruscha und Laila sollen oben bleiben.
Die Gäste kommen und wir müssen in der Küche arbeiten.
Da wir alle sehr erschöpft sind, versucht Hallah Alrik zu helfen.
Nera-Ma'ta kommt zu mir und meint, dass eine Dame sie gefragt hat, ob sie noch wild ist.
Das ist ein gutes Zeichen, offensichtlich hat sie Gefallen an Nera-Ma'ta gefunden.
Leider hat Nera-Ma'ta ihr gesagt, dass ihre vorherige Besitzerin meinte, sie hätte ihr die Wildheit ausgetrieben.
Also versuche ich ihr zu zeigen, mit welchen kleinen Bewegungen sie der Dame zeigen kann, dass sie noch wild ist.
Das will mir leider überhaupt nicht gelingen – wie auch, ohne Haare.
Ruscha macht das richtig gut und zeigt ihr wie man anbandelt.
Dann weist uns die Köchin zurecht, sie will sogar die Wache rufen.
Wir kommen gerade noch so davon.
Fürchterliche Zustände.
Ich muss hier weg.
Wir arbeiten weiter in der Küche.
Irgendwann wird Alrik zum Öl holen geschickt.
Hallah findet einen Weg ihm zu helfen, aber als er wieder in die Küche zurückkehrt, stolpert er, kippt das Öl aus und ein Feuer bricht aus.
Wir können es mit vereinten Kräften löschen.
Während wir das Haus retten, ruft uns die Köchin zu, wir sollten das Silber raustragen.
Ruscha macht das und ich meine zu ihr, sie soll aufpassen, dass es nicht zerkratzt.
Danach stehen alle auf dem Hof, auch die Besucher.
Zalina befiehlt uns, uns zu reinigen und dann das Silber zu tragen.
Ich meine auch zu ihr, dass wir darauf achten, dass es nicht zerkratzt, woraufhin sie mir eine Ohrfeige geben will.
Das klappt nicht und sie trifft sich irgendwie selbst.
Ich ignoriere sie, wohlwissend, dass das noch ein Nachspiel für mich haben wird.
Als wir uns gerade daran machen wollen, das Silber zu holen, ruft uns Ahmed Abdul zu sich.
Hallah wirft sich vor ihm in den Sand.
Er möchte wissen, was passiert ist und ich meine, dass es ein Unfall war.
Dabei schaue ich die Köchin an, die Alrik die Schuld gibt.
Hallah redet sich um Kopf und Kragen, als Ahmed Abdul sie unterbricht.
Er will wissen, ob wir das Feuer gelöscht haben.
Ich bejahe das und bereite mich schon darauf vor, zu argumentieren, das alles andere dem Auftrag von Djamila widersprochen hätte, dass Patme kein Haar gekrümmt werden darf.
Er meint, wir hätten eine Belohnung verdient und sollten morgen ein Los ziehen und ihn dann begleiten.
Dann werden wir in den Waschraum geschickt.
Nera-Ma'ta macht noch die besprochene Geste zu der Frau und diese meint zu Ahmed Abdul, dass sie ihm Nera-Ma'ta abkaufen würde, wenn sie morgen noch lebt.
Ich gehe davon aus, dass das Los entscheidet, wer von uns ausgepeitscht wird – oder getötet.
Eine angemessene Belohnung für alle, nur einen von den Dreien zu bestrafen, die dein Haus gerettet haben, Ahmed Abdul...
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