ankunft in Albenhus
Die Reise flussaufwärts zehrte an den Kräften, doch der Wechsel der Jahreszeiten war deutlich spürbar. Es war schließlich der 22. Ingerimm, als die Silhouette von Albenhus am Horizont auftauchte. Doch kurz bevor wir die rettenden Tore erreichten, bot sich uns ein Bild der Verzögerung: Eine prunkvolle Kutsche stand mit gefährlicher Schlagseite am Wegesrand.
„Amir denkt, der Wagen hat ein Bein verloren“, bemerkte der Halbelf, während er die Szenerie beobachtete. Ein Mann in Arbeitskleidung mühte sich fluchend an einem Rad ab, während ein Herr in feinstem Zwirn danebenstand und besorgt auf seine Taschenuhr blickte.
Amarosch, dessen zwergischer Stolz es nicht zuließ, ein mechanisches Problem unbeachtet zu lassen, eilte herbei. Doch selbst seine kräftigen Arme reichten nicht aus, um das schwere Gefährt allein anzuheben. Alrik, der Kutscher, gab knappe Anweisungen. Mit vereinten Kräften – Myrkon, Amarosch und sogar Amir, der sich mit einem „Amir macht sich ungern schmutzig, aber Amir will ankommen“ dazugesellte – gelang es uns gerade so, die Kutsche hochzustemmen. Alrik schob das Rad geschickt zurück auf die Achse und sicherte es.
Der edle Herr stellte sich als Ebelfried Eisinger vor. „Ein Händler aus Albenhus“, stellte Amir fest und registrierte sofort die feine Qualität des Stoffes seiner Kleidung. Zum Dank für die Hilfe bot Eisinger uns an, das letzte Stück des Weges in der Kutsche zu fahren und lud uns später zum Essen in sein Haus ein.
Amir, der die Enge im Inneren von Kutschen seit den Goblins mied, schwang sich flink auf den Bock neben Alrik. Während der Fahrt schnappte er Gesprächsfetzen aus dem Inneren auf: Eisinger handelte mit Koschbasalt. Wieder dieses Wort, bei dem Callan so empfindlich reagierte! Noch erstaunlicher war jedoch, dass Myrkon Eisingers Sohn kannte. Offenbar hatten der Krieger, der Zwerg und der junge Eisinger in der Vergangenheit gemeinsam Abenteuer bestritten. Die Welt am Großen Fluss war klein.
Am Stadttor von Albenhus herrschte reger Betrieb. Ein Mann mit dunkler Haut, in weite Gewänder gehüllt, lieferte sich ein lautstarkes Wortgefecht mit den Torwachen. Er fluchte auf Tulamidia und rief immer wieder „Rastullah!“ in den Himmel.
„Ein Novadi“, flüsterte Amir und zog die Kapuze tiefer. „Vielleicht kennt er den Hehler mit den Büchern?“
Doch bevor Amir die Lage sondieren konnte, wechselte Eisinger ein paar knappe Worte mit den Wachen, und die Kutsche rollte ungehindert in die Stadt.
Kaum hatten wir das Tor passiert, traf uns der Gestank von Albenhus wie eine physische Mauer. Es roch nach altem Fisch, Gerbereien, ungewaschenen Massen und dem brackigen Wasser des Flusses. Amir verzog das Gesicht und zog sich unauffällig ein Seidentuch vor Mund und Nase. „Amir denkt, die Stadt braucht ein Bad. Ein sehr großes Bad.“
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