Eine Höhle bei Trackenborn, 5. Rahja 1023 BF
Während ich noch über die Anrede "Edle Gäste" nachdenke, packt Amarosch seine Axt und geht als erster durch die halb geöffnete Türe.
Ich beeile mich ihm zu folgen, nach mit kommen Myrkon und Amir.
Die Szene hinter der Türe ist skurill.
Ein alter Mann in langer Reiserobe sitzt an einer Feuerschale, neben ihm ein kleiner Drache, der mir vielleicht bis zu den Knien reicht.
Der Mann schaut uns an, der Drache demonstrativ weg.
Hinter den beiden liegt der Leib eines toten Drachen, ein riesiger Kopf, der wie der Rest des Körpers mumifiziert ist.
Im Kopf des Drachen sehe ich ein Loch, wo er normalerweise seinen Karfunkel tragen würde.
Offensichtlich ist er schon sehr lange tot.
Amarosch läuft kampfbereit auf den Mann und den kleinen Drachen zu, die Axt in seinen Händen.
Ich verplappere mich wieder und rufe "Du bist ja niedlich", weil der Drache wirklich herzallerliebst ist.
Der kleine Drache ignoriert und demonstrativ und meint zu dem Mann, dass es nun losgehen könne.
Wir erfahren, dass wir angeklagt sind, unwerte Lebensformen zu sein.
Von eben jenem toten Drachen, der Corfanaë heißt.
Unsere Aufgabe ist, die Drachenmumie zu überzeugen, dass wir nicht primitiv und triebgesteuert sind.
Wenn wir scheitern, werden alle sterben.
Nicht nur wir, wirklich alle.
Zwischendurch werden wir von dem kleinen Drachen nach Kräften beleidigt.
Er ist nur niedlich, wenn er schweigt.
Wir verteidigen uns mit unseren Taten, wenn wir andere beschützt oder ihnen geholfen haben.
Es geht hin und her und erscheint mir einigermaßen absurd.
Während des Disputs erfahren wir, dass der alte Mann Archon Megalon ist.
Archon Megalon, der Verbrecher!
Ich halte mich zurück, es ist gerade nicht der Augenblick, das zu diskutieren.
Der kleine Drache heiß Pog.
Irgendwann kommen wir zum Ende der Diskussion.
Ich vernehme eine Stimme in meinem Kopf, sie dröhnt wie ein Donnerschlag.
Den anderen ergeht es ähnlich.
Immerhin, wir haben Corfanaë für heute überzeugen können.
Sie schickt uns weg, auch Archon Megalon.
Der verlässt beinahe fluchtartig die Höhle, ebenso Amarosch.
Ich höre, wie Amarosch zu Archon Megalon sagt: "Ihr seid uns noch was schuldig".
Dann spreche ich kurz mit Pog.
Er ist durchaus freundlich, aber etwas unglücklich mit den Ausgang.
Pog sagt, dass er hier in den Bergen lebt und ich verabschiede mich.
Vielleicht sieht man sich ja wieder.
Draußen gibt Amarosch mir das letzte fehlende Buch, das die Flusspiraten gestohlen hatten: "Entwicklung übernatürlicher Willenskraft".
Ich habe meine Aufgabe erfülllt!
Amarosch mein, Archon Megalon hätte es ihm gegeben.
Vielleicht ist er doch nicht so schlimm, wie alle behaupten.
Auf dem Rückweg bitte ich die anderen um eine Pause.
Ich möchte mir noch den Steinkreis anschauen – die anderen wollen lieber warten.
Er ist wunderschön.
Die Steine müssen seit Jahrhunderten hier liegen, in der Mitte ist eine riesige Feuerstelle.
Weiter hinten sehe ich einen großen Kessel.
Ich bin mir sicher, das ist ein ist ein Hexentanzplatz.
Der Ort ist voller Magie und ich fühle mich glücklich.
Ich setze mich ins Gras, breite meine Arme aus und schließe die Augen.
Was wird mein Weg sein?
Ich lasse die Magie entscheiden, wohin ich gehen soll.
Und dann sehe ich es:
Madalea, Fiana Westinger und die Anconiter.
Ich werde in Albenhus bleiben und Madalea selbst ausbilden.
Ich will Lehrerin sein und während ich bei den Anconitern das Lehren lerne, lehre ich Madalea, wie sie ihre Magie beherrschen kann.
Eine Träne rollt mir über die Wange.
So ein schöner Moment und er gehört ganz mir.
Ich bin fast etwas glücklich, dass die anderen mich nicht hierher begleitet haben.
Beim Gehen verbeuge ich mich vor dem Hexentanzplatz und blicke ein paar Mal über die Schulter zurück.
Dann kehren wir zurück nach Trackenborn, wo wir bei Sonnenuntergang ankommen.
Die drei Schufte aus der Gruppe des falschen Inquisitors hängen am Galgen.
Wir dürfen erneut auf der Burg übernachten.
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